ein Livebericht
ANVIL live in Wiens Katakomben
Mit zwei fetten Anheizer als Support, verwandelten die kanadischen Metal-Urgesteine Anvil den Wiener Club Weberknecht in einen brodelnden Hexenkessel. Ein Abend voller klassischer Riffs, schräger Einlagen, großer Geschichten und einer Band, die auch nach Jahrzehnten nichts von ihrer Spielfreude eingebüßt hat.
Der Club Weberknecht in Wien war für mich Neuland. Die Anreise mit der U6 verlief unkompliziert, und schon beim Betreten der Location wurde klar: Dieser Laden hat Charakter. Der urige Gewölbekeller erinnert mit seinen gemauerten Ziegelbögen und der leicht düsteren Atmosphäre beinahe an Katakomben, einen alten Viadukt oder einen unterirdischen Treffpunkt.
Einlass war um 18 Uhr. Drei Bands standen auf dem Programm, und die Location bot den passenden Rahmen für einen Abend, an dem sich alles um handgemachten Rock ’n’ Roll und klassischen Heavy Metal drehen sollte.
Spirit War: Französischer Hardn Heavy als Auftakt
Den Anfang machten Spirit War aus Frankreich. Die Band lieferte einen soliden Rock-’n’-Roll-Auftritt und erwies sich als gelungener Opener für den Abend. Ohne große Umwege ging es direkt zur Sache: ehrliche Rockmusik, druckvoll vorgetragen und genau richtig, um das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen.
Spirit War erfüllten ihre Aufgabe als Einheizer souverän und legten ein solides Fundament für das, was noch kommen sollte.
Killer: Rotziger Rock ’n’ Roll mit Ohrwurmgarantie
Danach übernahmen Killer aus Belgien das Kommando. Musikalisch bewegte sich das Trio beziehungsweise die Band – ganz im Geiste des klassischen Heavy Rock – in einer Richtung, die auch Motörhead-Fans ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern dürfte. Der Sound war rau, direkt und kompromisslos, mit ordentlich Druck und jeder Menge Rock-’n’-Roll-Attitüde.
Besonders stark waren die Songs selbst: Viele Riffs und Refrains gingen sofort ins Ohr und blieben dort hängen. Killer verstanden es, aus ihrer Mischung aus Härte, Eingängigkeit und Spielfreude ein mitreißendes Set zu formen.
Gleichzeitig lag über dem Auftritt eine gewisse Emotionalität. Das aktuelle Album Grand Finale soll tatsächlich das letzte Album der Band sein. Der Gedanke, dass hier möglicherweise ein Schlusspunkt gesetzt wird, verlieh dem Abend eine zusätzliche Note.
Fazit: gut, dass ich KILLER einmal live erleben konnte, bevor die Band in Rente geht.
Anvil: Wenn Lips den Gewölbekeller zum Beben bringt
Dann war es Zeit für die Hauptattraktion: Anvil! Die kanadischen Metal-Urgesteine betraten die Bühne, und bereits das eingespielte Intro mit der Ansage von Dave Grohl setzte den passenden Rahmen. Danach gab es kein vorsichtiges Herantasten mehr. Anvil waren gekommen, um abzuliefern – und das taten sie auf ganzer Linie.
Frontmann und Gitarrist Steve „Lips“ Kudlow erwies sich einmal mehr als unermüdlicher Motor der Show. Er animierte das Publikum, suchte ständig den Kontakt zu den Fans und scheute auch vor vollem Körpereinsatz nicht zurück. Lips warf sich mitten ins Publikum, um die Stimmung anzuheizen.
Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Das Publikum ging ordentlich ab, wobei sogar Crowdsurfer für zusätzliche Bewegung sorgten.
Musikalisch konzentrierten sich die Kanadier vor allem auf ihre ersten drei Alben „Hard n Heavy“, „Metal on Metal“ und „Forged In Fire“.
Als kurze Verschnaufspause erzählte Lips seine Anekdoten über Lemmy und sorgte für zusätzliche Rockgeschichte aus erster Hand. Wenn Musiker, die selbst über Jahrzehnte Teil dieser Szene waren, von Begegnungen mit einer solchen Legende berichten, bekommt das Konzert eine persönliche Dimension, die weit über die Musik hinausgeht.
Die drei Herren haben musikalisch einiges zu bieten und Bassist Chris Robertson ein Basssolo hinlegte, das eigene Akzente setzte, während Lips sein berühmtes Gitarrensolo mit eine Vibrator spielt. Lips kommuniziert außerdem mit dem Publikum über die Tonabnehmer seiner Gitarre und zeigte einmal mehr, dass bei Anvil nicht alles bierernst genommen werden muss. Hier gehören Humor, Show und musikalischer Einsatz gleichermaßen dazu.
Drummer Robb Reiner durfte ebenfalls glänzen und legte ein Drumsolo hin, das seine Rolle als rhythmisches Rückgrat der Band eindrucksvoll unterstrich. Zusammen mit Lips und Bassist Chris Robertson bildete er das Fundament für den schnörkellosen, kraftvollen Sound, der Anvil seit ihren Anfangstagen auszeichnet.
Die Setlist war eine Reise durch die frühen Jahre der Band und bot zahlreiche Klassiker. Mit „March of the Crabs“ ging es los, bevor Songs wie „666“, „School Love“, „Ooh Baby“ und „Bedroom Game“ für den passenden Rückblick sorgten. „Mad Dog“, „Motormount“ und „Winged Assassins“ hielten die Energie hoch, während „Free as the Wind“, „Forged in Fire“, „Mothra“ und „Swing Thing“ weitere Höhepunkte setzten.
Zum Abschluss folgte schließlich „Metal on Metal“ – und damit genau jener Song, der sich für ein Konzert wie dieses als Grande Finale anbietet. Noch einmal wurde deutlich, worum es Anvil geht: um Metal ohne Schnörkel, um Spielfreude und um die unmittelbare Verbindung zwischen Band und Publikum.
ANVIL – Setlist
- March of the Crabs
- 666
- School Love
- Ooh Baby
- Bedroom Game
- Mad Dog
- Motormount
- Winged Assassins
- Free as the Wind
- Forged in Fire
- Mothra
- Swing Thing
- Metal on Metal


























































