Stryper tragen ihren Glauben nicht gerade im Flüsterton vor.

Wenn elf neue Gebote mit messerscharfen Riffs, großen Melodien und einer gehörigen Portion Härte verkündet werden, kann der härtere Gottesdienst beginnen.

Wenn Michael Sweet und seine Glaubensbrüder ein neues Album auf den Altar legen, wird wieder regelässig gepredigt. Und heute gibt es eine neue Predigt mit dem Titel Throne of Thorns.

Seit über vier Jahrzehnten haben sich Stryper dem White Metal verschrieben und machen auch 2026 kein Geheimnis daraus. Schon das Artwork spricht dabei eine deutliche Sprache: Eine mächtige Dornenkrone, umgeben von Licht und gelben Blüten, bringt die Botschaft des Albums optisch ziemlich genau auf den Punkt. Stryper tragen ihren Glauben eben auch beim Artwork nicht gerade im Flüsterton vor.

Wer bei Stryper noch immer nur an die gelb-schwarzen Achtziger, gewaltige Haarprachten und süße Melodien denkt, wird hier schnell eines Besseren belehrt. Throne of Thorns besitzt Dornen und diese stechen teilweise verdammt tief.

Schon beim Titeltrack donnern die Gitarren durch das Kirchenschiff, doch hinter der Härte steckt allerdings eine positive Botschaft: Schmerz und Trauer sind nur der Ausgangspunkt, aber nicht das Ziel. Stryper predigigen Aufstehen statt Aufgeben und steigten wie ein Phönix aus der Asche empor.

Und die Dornen sitzen keineswegs nur auf dem Cover, sie ziehen sich musikalisch durch das gesamte Album und stechen immer wieder zwischen den großen Melodien hervor. Genau dort fühlt sich Throne of Thorns für mich am stärksten an.

„Here in Your Heart“ setzt anschließend stärker auf die melodische Seite von Stryper, ohne dabei den Druck des Albums herauszunehmen. Die großen Harmonien sitzen, der Refrain geht sofort ins Ohr und trotzdem bleiben die Gitarren immer präsent. Genau diese Verbindung aus Härte und Melodie beherrschen Stryper nach all den Jahren noch immer verdammt gut.

Michael Sweets Stimme hat über die Jahre natürlich etwas Patina angesetzt, doch gerade das steht ihm verdammt gut. Die hohen Töne sind noch immer da und die unverkennbaren Chöre sowieso. Trotzdem ist sein Gesang diesmal für mich nur die zweite Stimme.

Hier geben die Gitarrenriffs mit voller Härte den Ton an und bringen das Album erst in die richtige Position für eine ordentliche Predigt.

Falling“ und „Divided by Design“ ziehen die Schrauben wieder an, während „Ashes to Roses“, „Gracious“ und „Alone Again“ weitere Seiten des Albums zeigen. Für mich ist jeder einzelne Song gut gewählt und hat seinen Platz auf Throne of Thorns.

Doch das große Mikrofon gehört für mich diesen drei anderen Nummern. Eine davon ist „I’m Alright (I’m Okay)“. Der Song ist derart charismatisch in meine Gehörgänge gefegt, dass für mich nach dem ersten Durchlauf feststand: Das ist der Mitreißer des Albums. Der treibende Rhythmus und der eingängige Refrain erledigen den Rest. Michael Sweet lässt textlich alte Entscheidungen ruhen, schüttelt die Erwartungen anderer ab und blickt wie immer nach vorne.

Das passt zum Grundton des gesamten Albums :Schmerz, Zweifel und dunkle Momente sind vorhanden, aber Stryper machen daraus eine Hymne nach der anderen, es geht ums Aufstehen, Weitermachen und natürlich spielt der Glaube dabei die entscheidende Rolle für ihr Tun.

Musikalisch gefällt mir vor allem, dass Stryper die Härte nicht auf Kosten ihrer Melodien hochgeschraubt haben. Die Refrains bleiben hängen, die Chöre sitzen und die Gitarren drücken dem Album ihren Stempel auf. Throne of Thorns klingt dadurch vertraut nach Stryper und gleichzeitig härter, als ich es erwartet hatte.

Und wenn sich langsam die Kirchentür dieses härteren Gottesdienstes schließt, wartet dahinter noch „Shadowbreaker“. Für mich gehört die Nummer klar zu den stärksten des Albums und bekommt deshalb zum Abschluss noch einmal das große Mikrofon. Einsamkeit und Verzweiflung treffen hier auf den Willen, sich der Dunkelheit nicht zu ergeben. Der Schattenbrecher erhebt sich aus der Nacht, während sein Sieg im Licht geboren wird. Wenn Michael Sweet am Ende „Jesus Christ“ herausschmettert, fällt die Kirchentür endgültig ins Schloss.

Damit schließt sich auch der inhaltliche Bogen zum Titeltrack: Aufstehen, Dunkelheit überwinden und nach vorne schauen. Stryper erfinden damit weder sich selbst noch den Heavy Metal neu und müssen sie für mich aber auch nicht

Ich habe Stryper seit ihren Anfängen auf dem Schirm und für mich hatte bisher jedes Album auf seine Art seine Stärken. Natürlich gab es über die Jahrzehnte Veränderungen, aber genau das gehört für mich zu dieser Band. Throne of Thorns reiht sich da nicht einfach nur ein, mit seiner Härte setzt das Album noch einmal ein ganz eigenes Ausrufezeichen.

Michael Sweets Gesang ist auf Throne of Thorns nur die zweite Stimme. Hier geben die Gitarrenriffs mit voller Härte den Ton an, Die gesamte Predigt dauert runde 40 Minuten mit elf Songs im Gepäck.

Beste Anspieltipps: „Throne of Thorns“, „I’m Alright (I’m Okay)“, „Shadowbreaker“

Wertung: 9/10

Veröffentlichung: 25. September 2026 (über Frontiers Music Srl)
Stil: Melodischer Heavy Metal mit starken Hooklines, knackigen Gitarren
Besetzung: Michael Sweet (Gesang/Gitarre), Robert Sweet (Schlagzeug), Oz Fox (Gitarre), Perry Richardson (Bass)

Tracklist des Albums

  • Throne Of Thorns (03:56)
  • Here In Your Heart (03:33)
  • Falling (03:38)
  • I’m Alright (I’m Okay) (03:26)
  • Waiting For You (04:01)
  • Carry The Flame (03:26)
  • Hollywood (03:38)
  • Beautifully Broken (03:47)
  • Ashes To Roses (04:02)
  • Alone Again (03:25)
  • Shadowbreaker (03:53) [1]
neun von zehn

By Bine

Macht hauptsächlich Live Foto Reportagen & Interviews. Ist Fotografin diverser österreichischer Bands und Locations von Oberösterreich bis Tirol. Musikalisch unterwegs im Bereich Hardrock, Power Metal, Prog & Classic Rock. Kann von allen ein bisschen zB fotografieren, reden und lacht auch mal gerne über sich selber !

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