KAMELOT – Hinter den hohen Mauern der RavenHill-Anstalt – Neues Album „Dark Asylum“ erscheint am 28.08. – Albumreview

Kamelot haben sich seit vielen Jahren mit starken Veröffentlichungen und Liveauftritten ihren Platz an der Spitze des melodischen Power Metal gesichert. Nach dem Einstieg von Sänger Tommy Karevik entwickelt die Band ihren ganz eigenen Stil und bewegte sich im Laufe der Jahre stetig weg vom klassischen Power Metal der Anfangstage hin zu mehr symphonisch orientiertem Metal.

Mit ihrer neuen Scheibe „Dark Asylum“ gehen Bandleader Thomas Youngblood und seine Truppe einen weiteren Schritt in Richtung Cinamatic Metal und entwickeln den Sound der Band nochmals weiter, erinnern hin und wieder schon mal etwas an ein Musical.

Auf ihrem inzwischen 14. Album erzählen Kamelot drei Jahre nach dem letzten Studioalbum „The Awakening“ diesesmal die Geschichte von der „RavenHill“ Anstalt, einer ehemaligen Kathedrale, in der inzwischen Wissenschaft, Glaube und Wahnsinn in unheimlicher Koexistenz existieren. Doch so düster und geheimnisvoll die Story des Konzeptalbums erscheint, musikalisch erscheint das Album in einem wesentlich einladenderen Gesamtbild.

Jede Menge Bombast, eingängige Hooks und einladende Melodien, teils schnelle Riffs und die symphonischen Keyboardklänge geben den 15 Songs auf „Dark Asylum“ den entsprechenden Rahmen, in dem sich Ausnahmefrontmann Tommy Karevik mit seinen phantastischen Stimme austoben kann. Starkes Storytelling lädt beim Anhören von „Dark Asylum“ zum Eintauchen in die Welt von RavenHill ein.

Bereits mit dem Intro „Sanctorium“ unterstreichen Kamelot auch 2026 ihr Gespür für ausladendende Melodien mit jeder Menge Bombast, die den Hörer sogleich in die symphonische Kamelot´schen-Klanwelten entführt, das kurze Intro könnte direkt aus einem Blockbuster aus Hollywood entstammen.

Mit dem bockstarken Doppel aus dem bereist veröffentlichten schnellen „Ashen World“ und dem sehr melodischen Titeltrack „Dark Asylum“ zeigt uns die US-Band gleich mal eindrucksvoll, wo ihre Stärken auch auf der aktuellen Langrille liegen. Scharfe melodische Riffs und die schnellen Doublebassattacken von unserem Landsmann und Drummer Alex Landenburg lassen gleich zu Beginn des Albums den Geschwindigkeitsregler erstmals nach oben schnellen. Doch neben dem hohen Tempo punkten die Songs vor allem von dem starken Songswriting, das Kamelot schon seit Jahren auszeichnet. Auch wenn man das ein oder andere Mal Songstrukturen hört, die man gefühlt schon auf einem früheren Album einmal gehört zu haben scheint, bleibt das Qualitätslevel überdurchschnittlich hoch.

Wie schon in der Vergangenheit haben sich Kamelot auch auf „Dark Asylum“ wieder Verstärkung in Form von Gastmusikern ans Mikro geholt, die einzelnen Songs zusätzliche Würze verleihen. Angeführt von der in der Metalszene noch recht unbekannten Ignacia Fernández (Decessus,) die gleich beim Titeltrack „Dark Asylum“ und nochmals bei dem starken „Sanctuary“ ihre bedrohlichen Crowls beisteuert. Die als „Miss World Chile“ gekührte Ignacia kann bei ihren Auftritten jedoch nicht nur optisch überzeugen. Wie Ihre beiden „Vorgängerinnen“ Alissa White Gluz (Ex- Arch Enemy, Blue Medussa) und Morgana Le Fay (Warkings) liefert sie mit tiefen bedrohlichen Crowls den Gegenpol zu der teilweise zarten und angenehmen Stimme von Tommy Karevik. Neben Ihr ist bei „Sanctuary“ auch Clémentine Delauney (Visions Of Atlantis) mit von der Partie, die kraftvoll die klaren Vocals beisteuert. Die sehr eingängige Melodie entwickelt sich schnell zum Ohrwurm, die beiden unterschiedlichen Stimmlagen harmonieren perfekt wie Gut und Böse und machen den Song für mich zu einem der Highlight des Albums.

Auch Tobias Sammet revanchiert sich auf „Dark Asylum“ bei Tommy für seine Gesangsbeiträge bei seiner Band Avantasia und glänzt gemeinsam mit dem Kamelot-Frontmann in „One Last Masquerade“. Zu Beginn wirken die Vocals von Tommy fast anklagend, doch ändert sich die Stimmung in dem Song nach einem Break in eine regelrechten Gute Laune Song und mit Toby gemeinsam entwickelt der Song absolutes Hitpotential. „One Last Masquerade“ hätte sicherlich auch einem Avantasia-Album gut zu Gesicht gestanden, merkt man doch das ein gewisser Sascha Peath im Hintergrund an den Reglern saß und dem Song eine gehörige Portion Avantasia-Gene verpasst hat – genialer Track mit einem starken Gesangsduo und genialem Refrain.

Neben schnellen Doublebass-Attacken wie in „Ashen World “ oder „Kaleidoscope“ gibt es auf „Dark Asylum“ aber auch ein andere Seite von Kamelot zu hören, hier in Form einer Reihe ganz zarter Passagen. Die Ballade „Ivy, My Dear“ zeigt eindrucksvoll, dass man im Hause Youngblood nicht nur auf schnellen Pferden davongaloppieren kann, sondern sich auch ganz dezent im Trab zurücknehmen kann und auch gefühlvolle Balladen beherrscht. Auch auf „Enigma (Think of Me)“ läuft Tommy zur Höchstform auf und zeigt seine Extraklasse am Mikro. Die gefühlvolle Powerballade glänzt wie ein Gemälde, bei der jeder Pinselstrich am rechten Platz sitzt. Hooks und Riffs wechseln sich mal mit schnellen Passagen, dann wieder langsamen Stellen ab.

Mit „Sleeping Mind“ folgt ein weiteres Meisterwerk, das bereits mit den ersten Tönen etwas Großes erwarten lässt. Der zu Beginn galoppierende Rhythmus baut schnell die Spannung auf und mündet in einem starken Refrain. Die Kombination aus den fast anklagenden Vocals und den flotten Drums sowie den flinken Youngblood`schen Gitarrenlicks gehen runter wie Öl und so entwickelt sich der Song mit zunehmender Dauer zu einer echten schnellen Kamelot-Hymne.

Auch das schnelle „Kaleidoskope“ und „Cassandra`s Disease“ wissen mit starken Soloparts zu überzeugen. Letzterer erweckt nochmals Erinnerungen an Avantasia und glänzt mit seiner gewissen positiven Ausstrahlung und Ohrwurm-Refrain.

Mit der akustischen Ballade „Beneath the Moon (Tunglið)“ mit dem ätherischen Gesang von den isländischen Sopranistinnen Rannveig Sif Sigurðardóttir und Sólveig Sara Leupold ist erstmals auch ein auf isländisch gesungener Song enthalten, der ganz ohne Tommy auskommt und so doch im wahrsten Sinne etwas aus der Reihe tanzt. Der Song entwickelt mit seinen zarten Violinen, gespielt von Lea-Sophie Fischer (Eluveitie) einen gewissen Mittelaltertouch. Für Sigurðardóttir ist es im Gegensatz zu Leupold nicht das erste Engagement im Power Metal, hat sie in der Vergangenheit bereits bei Bands wie After Forever, Shamain oder Luca Turilli mitgewirkt, sodass Power Metal kein Neuland mehr für sie ist. Zunächst etwas gewöhnungsbedürftig entwickelt der Song zunehmend einen ganz speziellen Zauber, will allerdings letztlich nicht ganz ins Gesamtbild des Albums passen. Ohne den Song als schlecht zu bewerten, hätte man ihn zugunsten des Gesamtgefüges weglassen können.

Mit „Puppet King“ gibt’s zum Abschluss dafür dann  nochmals einen flotten Powersong mit Doublebass und schnellem Riffing, bevor mit dem Outro „Sanctum Requiem“ sich der Kreis schließt.

Fazit:

Auch wenn der ein oder andere Song für Oldschool Kamelot-Fans der Anfangstage vielleicht fast schon überfrachtet von all der symphonischen Klängen wirkt und einige Songs mit Power Metal nur noch bedingt zu tun haben, fasziniert mich „Dark Asylum“ genau mit diesem Variantenreichtum.

Kamelot perfektionieren immer wieder von Neuem mit ihren Veröffentlichungen die Kombination symphonischer Klänge und einer großen Portion Bombast, laden auf „Dark Asylum“ mit Ihren mystischen Songs regelrecht ein zum Abtauchen in die Welt von „RavenHill“. Die teils komplexen, doch jederzeit eingängigen Songs mit den ausladenden Keyboards von Oliver Palotai lassen bei jedem Durchlauf immer wieder neue Details in die wundersamen Welt von RavenHill entdecken. Die schnellen melodischen Riffs von Thomas Youngblood ordnen sich meist dezent dem Gesamtsong unter und überlassen der Ausnahmestimme von Tommy Karevik das Spielfeld.
Eindringlische Melodien gibt es auf „Dark Asylum“ in Hülle und Fülle. Das Album wirkt fast wie ein Soundtrack zu einem düsteren Filmdrama, gepaart mit einer Prise Herzschmerz und dunkler Verzweiflung hinter den hohen Mauern der RavenHill Anstalt.

Mein bisheriges Lieblings-Karevik-Album „Heaven“ muss sich nun ernsthaft Sorgen machen, dass es seinen Spitzenplatz durch „Dark Asylum“ verlieren wird, den Kamelot haben erneut ein bockstarkes Album mit 15 tollen Songs abgeliefert. Zumindest aktuell hat das neue Album ohne echten Ausfall, das mit Ausnahme von „Beneath The Moon“ wie aus einem Guss wirkt, deutlich die Nase vorne.

Auch das Cover von „Dark Asylum“ ist wieder sehr gelungen und passt wunderbar in die Riege der letzten Alben. Produktionstechnisch versprechen Namen wie Sascha Paeth und Jacob Hansen natürlich eine Produktion von höchstem Qualitätsstandard.

Es fällt mir echt nicht leicht, mich auf 3 Songs als Anspieltipps zu beschränken. Nach inzwischen 10 Durchläufen kristalisieren sich „Sanctuary“, „One Last Masquerade“ und „Ashen World“ etwas als meine persönlichen Favoriten heraus.

Für „Dark Asylum“ gibt’s daher von mir fast die Höchstwertung von 9,5 Bangs.


„Dark Asylum“ wird am 28.08. über Napalm Records in folgenden Formaten veröffentlicht und kann hier bestellt werden.

  • 1-LP White Label Edition, inkl. LP-großes Booklet mit 24 Seiten, Zertifikat, Covercard – streng limitiert (nur Napalm)
  • 1-LP Liquid BLOOD FILLED Vinyl, inkl. LP-großes Booklet mit 24 Seiten, Zertifikat – streng limitiert (nur Napalm)
  • 2-CD 36 pages Earbook, inkl. Instrumental-Album – streng limitiert (nur Napalm)
  • 1-LP Zoetrope Vinyl, inkl. LP-großes Booklet mit 24 Seiten – streng limitiert (nur Napalm)
  • 1-LP White Splatter Vinyl, inkl. LP-großes Booklet mit 24 Seiten – streng limitiert (nur Napalm ROW)
  • 1-LP Solid Gold Vinyl – streng limitiert (nur Napalm ROW)
  • 1-LP Marbled Oxblood Red/Black Vinyl – streng limitiert (nur Napalm US)
  • 1-LP Solid Silver
  • 1-LP Black Vinyl
  • Digipak CD
  • Kassette
  • Digitales Album
[1LP Liquid BLOOD FILLED Vinyl, incl. 24-page LP-sized booklet & certificate – strictly limited (Napalm Records Mailorder Exclusive)]

Dark Asylum Tracklist:

1. Sanctorium

2. Ashen World (feat. Ignacia Fernández)

3. ⁠Dark Asylum

4. Sanctuary (feat. Clémentine Delauney & Ignacia Fernández)

5. Nocte Veritas

6. One Last Masquerade (feat. Tobias Sammet)

7. ⁠Ivy, My Dear

8. Godlike Alchemy

9. The Sleeping Mind (Orphic Paradigm)

10. Kaleidoscope

11. Enigma (Think of Me)

12. Cassandra’s Disease

13. Beneath the Moon (Tunglið) (feat. Rannveig Sif Sigurðardóttir, Sólveig Sara Leupold, Lea-Sophie Fischer)

14. ⁠The Puppet King

15. ⁠Sanctum Requiem


Am Freitag starten Kamelot pünktlich am Releaseday von „Dark Asyum“ am 28.08. ihre Nordamerika-Tour, bevor mit dem zweitägigen KAMFEST DARK ASYLUM am 30./31.10. in Tilburg/NL der Startschuß für die große Europatour im Herbst zusammen mit Exit Eden und Temperance fällt.

KAMELOT Live 2026: Dark Asylum Europa Tour

KAMFEST DARK ASYLUM 

30/10/26 NL – KAMFEST – Tilburg / O13 (XANDRIA, Leaves Eyes, Elegy)
31/10/26 NL – KAMFEST – Tilburg / O13 (Black Briar, EXIT EDEN, TEMPERANCE)

Europe Pt. 1

w/ EXIT EDEN & TEMPERANCE
01/11/26 UK – London / SBE
03/11/26 UK – Manchester / O2
05/11/26 DE – Oberhausen / Turbinenhalle
06/11/26 CH – Pratteln / Z7
07/11/26 FR – Lyon / Rayonne
08/11/26 DE – Stuttgart / LKA
10/11/26 PL – Krakow / Klub Studio
11/11/26 PL – Warsaw / Progresja
13/11/26 HR – Zagreb / Boogaloo
14/11/26 HU – Budapest / Barba Negra
15/11/26 RS – Belgrade / Hangar
17/11/26 IT – Trezzo sull’Adda / Live Club
18/11/26 IT – Padova / Hall
20/11/26 FR – Toulouse / Metronum
21/11/26 ES – Barcelona / Razz 1
22/11/26 ES – Madrid / Riviera

KAMELOT is:

Tommy Karevik – Vocals

Thomas Youngblood – Guitars

Oliver Palotai – Keyboards

Sean Tibbetts – Bass Guitar

Alex Landenburg – Drums

Photo Credit_Timo Maczollek and Natalie Enemede

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NAPALM RECORDS

By Thomas

Musikalisch bin ich seit den 80er vor allem im melodischen Hard& Heavy-Dschungel unterwegs und immer auf der Suche nach neuen und alten Perlen. Meine absoluten Faves sind Queenaryche, Y&T, Die Toten Hosen... u.v.a.....inzwischen kann ich mich aber auch für Mittelalterrockband wie Feuerschwanz oder Saltataio Mortis absolut begeistern. Ab und an geht mein Blick aber auch mal über den Tellerrand in Richtung Speed/Trash/Death...solange Melodien erkennbar sind. Auch wenn ich schon zu der Ü50-Fraktion gehöre, findet man mich bei Konzerten und Festivals fast immer Front of Stage, denn Sitzplatz beim Rockkonzerten, das passt bei mir einfach nicht zusammen. Erst wenn es ohne Rollator mal nicht mehr gehen sollte, ist die Tribüne vielleicht ne Alternative.

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