Manchmal fragt man sich schon nach den ersten Minuten, ob man versehentlich mitten in Folge drei eingestiegen ist. Der Einstieg dieses Hörspiels gehört definitiv in die Kategorie „erst mal sortieren“. Das ist allerdings kein Beinbruch, denn lange dauert es nicht, bis man der Handlung problemlos folgen kann.
Hat man diese Anfangshürde überwunden, wird die Sache deutlich unterhaltsamer. Die Autoren feuern eine ganze Reihe popkultureller Anspielungen ab und die meisten davon machen richtig Laune. Das funktioniert überwiegend gut. Manchmal wirkt es allerdings so, als hätte man jede Idee, die beim Brainstorming für Gelächter sorgte, vorsichtshalber gleich mit ins Skript geschrieben.
Da hätten wir zum Beispiel Lucien (ein Lykaner jagt den anderen?), der einen herrlich schmierig-unsympathischen Bösewicht abgibt und damit zu den Highlights der Geschichte gehört. Auch die Nebenfiguren hinterlassen überwiegend einen positiven Eindruck, selbst wenn nicht jede ihr volles Potenzial ausschöpfen darf. Und natürlich darf auch Lemmy nicht fehlen, alles andere wäre vermutlich Blasphemie gewesen. Auch wenn er bekanntermaßen nie auf dem Summer Breeze gespielt hat.
Manche Szenen hätten allerdings ruhig etwas authentischer sein dürfen. So frage ich mich als Summer-Breeze-Dauergast seit 2007, warum man nicht Festivalchef Achim Ostertag höchstpersönlich als Betreiber des Festivals eingebaut hat, sondern stattdessen einen gewissen James Gene Harris. (Haha – die Red.) Den hätte man doch problemlos an anderer Stelle unterbringen können, vielleicht als Gitarren-Roadie?
Und dann wäre da noch der Newcomer, der ausgerechnet zwei Tage vor Festivalbeginn als Headliner verpflichtet wird. In welcher Bredouille muss ein Festival dieser Größenordnung stecken, um so eine Entscheidung zu treffen?
Nicht weniger mutig ist die Anreise der Hauptfiguren und Sängerin der besagten Band mit der Deutschen Bahn. Realistisch? Eher nicht. Dass das nicht reibungslos funktionieren kann, dürfte jedem klar sein. Mehr möchte ich an dieser Stelle aber nicht zur Handlung verraten.
Und dann noch eine Frage, die mir persönlich am meisten Kopfzerbrechen bereitet hat: Welcher IT´ler wäre bitte stolz darauf, eine PlayStation zu besitzen, selbst wenn es sich um einen außerirdischen grünen Wolf handelt? Von allen Ungereimtheiten im Hörspiel ist das vermutlich die unglaubwürdigste.
Der Humor trifft dafür häufig ins Schwarze, schießt aber gelegentlich auch knapp daneben. Sprüche über einen flotten Dreier oder das wuschige Pärchen werden sicher nicht bei jedem zünden. Sollten Kinderohren mithören, könnte das den einen oder anderen Elternteil durchaus in Erklärungsnot bringen.
Nichtsdestotrotz stimmt das Tempo. Die Sprecher liefern überzeugende Leistungen ab und die Mischung aus Humor, Abenteuer und Rock-Attitüde trägt locker über kleinere Schwächen hinweg. Vor allem gegen Ende findet die Geschichte ihren Rhythmus und erinnert daran, warum man trotz aller Kritik bis zum Schluss drangeblieben ist. Auch die Musikauswahl weiß zu gefallen, da gibt es nun wirklich nichts zu meckern.
Fazit: Wolfy 2 ist sicher kein Meilenstein, aber ein verdammt unterhaltsamer Ausflug. Der Einstieg stolpert etwas, manche Gags hätten den Weg aus dem Autorenzimmer vielleicht nicht bis ins fertige Skript schaffen müssen und auch die Logik macht gelegentlich Urlaub. Dafür gibt es sympathische Figuren, einen überzeugenden Bösewicht, jede Menge Anspielungen und eine ordentliche Portion Rock’n’Roll. Dafür gibt es bei starke 7,5 von 10 Bängs, bei Angus!

Wolfy 2 erscheint, pünktlich zum Start des Summer Breeze, am 12. August 2026 über Wolfy
Office. Das neue Abenteuer des grünen Lykaners erscheint digital, auf allen Streaming-Plattformen sowie
als Doppel-CD.
Info
- Regisseur: Kim Jens Witzenleiter
- Autor: Kim Jens Witzenleiter
- Sounddesign: Tom Steinbrecher
- Musik: Michael Donner
- Sprecher: Chiara Haurand, Kevin Kasper, Stephanie Preis, Jan Abraham, Constanze Buttmann, Pascal Runge, Claudia Urbschat-Mingues, André Beyer, Vincent Fallow, Sara Wegner, Dorothea Anzinger, Christoph Walter, Marco Rosenberg, Peter Flechtner, Ron Kliehm, Jennifer Strauss, Oliver Ehrig, Thomas Balou Martin, Christian Weygand, Antonio F. Lopes, Stas Winter, Rebecca Keil, Yannick Forstenhäusler, Xenia Busam, János Jung, Marc Krebs, Patrik Finger, Sabine König, Daniel Welbat
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