Wenn Vinyl lebt: „Rillen statt Streaming: Der Vinyl- Händler “Schallplatten Hannes” im Interview

Interview/Reportage

Schallplatten Hannes ist der Spitzname für Hannes Feichtinger aus Hackerberg (Burgenland, Österreich), ein bekannter Händler und Sammler von Pop-, Rock-, Metal- und Oldie-Schallplatten, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat, Tausende von Vinyl-Schätzen besitzt und eine lokale Kultur- und Community-Figur in der Region ist. Der Vinyl- Sammler betreibt seinen Laden in seinem Keller und konnte dort schon etliche Promis begrüßen.

Ich hatte das Vergnügen, ein Interview mit dem angesagten Vinyl- Händler, der aus der Szene nicht mehr wegzudenken ist, zu quatschen.

Zur Person & Geschichte

Wie bist du zur Musik und speziell zu Schallplatten gekommen?

Im zarten Alter von 6 Jahren bekam ich von meinen Eltern meine erste Schallplatte. Es war die Schallplatte der EAV, “Liebe, Tod und Teufel”. Die Lieder “Küss die Hand, Herr Kerkermeister” und “Burli” kannte ich bereits aus dem Radio und konnte die Texte mitsingen, ohne sie allerdings richtig zu verstehen. Von da an hat mich Musik und die Texte fasziniert und die Schallplatte als Medium hatte mein Interesse geweckt.

Seit wann gibt es „Schallplatten Hannes“ in Hackerberg?

Am 4. Jänner 2021 habe ich ganz offiziell meine Nebenerwerbstätigkeit im Kleingewerbe bei der Behörde gemeldet und damit eröffnet. Aus meiner Sammlerleidenschaft wurde nun offiziell ein eigenes, kleines Unternehmen.

Was war die ursprüngliche Idee hinter dem Laden?

Begonnen hat alles mit meiner Sammlerleidenschaft, die dann ein wenig Überhand genommen hatte. Als die Kinder noch klein waren, konnte ich dieser Leidenschaft nur sehr selten nachkommen, es fehlte schlicht und ergreifend an den finanziellen Mitteln. Ich habe aber trotzdem versucht, mein Hobby nicht aufzugeben. Spielsachen der Kinder, die sie nicht mehr gebraucht haben, habe ich dann am Flohmarkt verkauft. Das Geld konnte ich dann für Schallplatten ausgeben, natürlich habe ich das vorher mit meiner Frau abgesprochen. Sie hatte nichts dagegen und so wuchs meine Sammlung. Zu der Zeit habe ich ein gewisses Verkaufs- und Tauschtalent bei mir entdeckt und als meine Sammlung immer größer wurde und dann auch noch Platten dabei waren, die ich nicht für mich behalten wollte, war die Idee zum eigenen Plattenladen geboren. Es war nicht der ursprüngliche Plan, sondern hat sich einfach mit der Zeit entwickelt.

Welche Platten werden bei Dir verkauft? Neue? gebrauchte?

In erster Linie werden bei mir zu 90% Secondhand-Platten verkauft, der Rest ist Neuware. Diese 10% sind vor allem die “neuen Österreicher” – das sind junge, österreichische Künstler, die meist ihre erste Schallplatte herausgebracht haben. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, diese zu unterstützen, beim SchallplattenHannes anzubieten, meist in Form der “Schallplatte der Woche” und, wenn es gerade für alle passt, auch mal unplugged bei mir spielen zu lassen.

Zum Laden & Sortiment

Welche Musikrichtungen findet man bei Dir besonders häufig?

Der Augenmerk liegt in erster Linie beim Austropop (STS, Ambros, Fendrich, Danzer) sowie die Pop- und Rockmusik ab der 60iger Jahre (Beatles, Stones, Tina Turner, Bowie).

Nach welchen Kriterien wählst Du neue Schallplatten für dein Sortiment aus?

Angebot und Nachfrage bestimmen mein Sortiment. Gerade bei den Secondhand-Platten wird es natürlich mit der Zeit immer schwieriger, aber es ist nicht unmöglich. Oft verbringe ich wirklich viel Zeit damit, private Schallplattensammlungen anzusehen und einzukaufen. Vieles ist da allerdings nicht immer dabei, das sich zum Verkauf eignet.

Gibt es eine Platte oder ein Genre, das Dir persönlich besonders am Herzen liegt?

Mein Herz schlägt für AC/DC, damit hat bei mir die Leidenschaft für Schallplatten erst so richtig begonnen. Ich hab nur das erste Konzert in Österreich verpasst, da war ich damals zu jung, um hingehen zu können oder zu dürfen. Aber die Platten konnte ich mir kaufen! Es folgten die ganz Großen dieser Musikrichtung – Iron Maiden, KISS, Metallica, Guns n Roses, Judas Priest.

Welche Schallplatte wird am häufigsten nachgefragt?

Das ist schwer einzuteilen, aber generell kann ich sagen, dass meine jüngere Kundschaft zu Beginn EAV (Liebe, Tod und Teufel) und STS (Grenzenlos) nachfragen. Bei der Platte von STS geht es meistens darum, dass die Jungen das Lied “Großvater” auf der Platte haben möchten. Beim reiferen Publikum wird sehr oft nach CCR, Doors, und Led Zeppelin nachgefragt.

Wie sind die Öffnungszeiten?

Grundsätzlich jeden Freitag von 14.00 bis 19.00 Uhr und jeden ersten Samstag im Monat von 10.00 bis 13.00 Uhr ist der SchallplattenHannes geöffnet. Nur in den Sommermonaten Juli und August, nach den Lovely Days und Forestglade in Eisenstadt, wo ich ja ebenfalls mit meinen Platten vertreten bin, ist der Shop geschlossen. Diese beiden Veranstaltungen sind der Schlussauftakt zur Sommerpause bevor es im September wieder los geht.

Vinyl heute

Warum glaubst Du, erlebt die Schallplatte gerade ein Comeback?

Unsere Zeit ist schnelllebiger geworden, alles ist sofort verfügbar. Das geht beim Plattenhören nicht. Eine Schallplatte aufzulegen braucht Zeit. Die Platte aus der Hülle nehmen, das Cover noch einmal ansehen, die Liederreihenfolge durchgehen, den Plattenspieler bedienen und dann die Qualität der Musik genießen. Es ist ein körperliches, ein haptisches Erlebnis und hat nur bedingt etwas mit Digitalisierung zu tun. Es hat eine gewisse Romantik oder? Wer kennt die Szene denn nicht? Eine Platte, ein gutes Glas Wein, Kerzenlicht…ich habe so eine Szene noch nicht gesehen, wenn Musik heruntergeladen worden ist. Und dabei ist es völlig egal, ob es romantisch werden soll oder ob gefeiert wird. Die Schallplatte braucht Zeit und hat Stil. Das kann kein anderes Medium bieten.

Kommen eher junge Leute, ältere oder eine Mischung in den Laden?

Das Publikum ist eher gemischt, der jüngste Kunde ist 8 Jahre alt, der älteste weit über 80 Jahre. Was allerdings auffällt, ist, dass das Schallplatten hören eine eher männerlastige Domäne ist. Ich würde mich freuen, mehr Frauen für die Schallplatte begeistern zu können.

Region & Hackerberg

Was bedeutet es für Dich, in einem kleinen Ort wie Hackerberg einen Plattenladen zu betreiben?

Ich bin hier aufgewachsen, bin später beruflich nach Wien gegangen und dann mit meiner Familie wieder nach Hause gekommen. Ob der SchallplattenHannes auch wo anders funktioniert hätte, weiß ich natürlich nicht. Aber ich denke, dadurch, dass ich hier zu Hause bin und mich wohlfühle, ist das auch für meine Kundschaft spürbar. Das hat allerdings weniger etwas mit der Ortschaft als mit unserem Zuhause zu tun.

Dazu muss wissen, dass die Platten in unserer Garage ausgestellt sind, hier angehört werden und gekauft werden können; natürlich auch bestellt und verschickt werden. Es ist also unser Haus, in dem ich die Kundschaft herzlich willkommen heißen kann und das ist, davon bin ich überzeugt, schon sehr familiär.

Wie reagiert die Region auf dein Angebot?

Am Anfang war es wirklich schwer, Fuß zu fassen und ernst genommen zu werden. Ehrlicherweise wurde mein Laden zu Beginn belächelt – kaum jemand hat daran geglaubt, dass das hier funktionieren könnte. Aber meine Leidenschaft für die Sache und meine Bereitschaft, mir Fachwissen anzueignen und die Tatsache, dass Musik die Menschen verbindet, haben zum Glück ausgereicht und den SchallplattenHannes gibt es nun seit 5 Jahren. In der Umgebung kennen mich die Leute; wenn ich mit meinem Bus, der von meiner Tochter liebevoll das “SchallplattenMobil” genannt wird, unterwegs bin, wissen die Menschen, wer ich bin. Es kommt oft vor, dass ich angesprochen werde. Entweder möchte dann jemand seine Platten verkaufen oder er sucht gerade eine bestimmte Platte für einen besonderen Anlass. Die Region reagiert also mittlerweile sehr positiv auf mich und mein Geschäft. Darauf bin ich stolz, aber auch dankbar, dass es so ist.

Gibt es eine besondere Verbindung zwischen dem Laden und der lokalen Musikszene?

Ja natürlich. Ich bin ständig auf der Suche nach neuen österreichischen Bands, die ihre Musik auf Vinyl veröffentlichen. Genau deshalb finden auch immer wieder kleine, private Garagenkonzerte bei mir statt. Gruppen wie die Psycho Toaster, Portobello Express, Hansi und die Gretels oder auch Brewtality haben schon bei mir gespielt. Das Publikum ist dann von mir persönlich privat eingeladen – das sind dann keine öffentlichen Veranstaltungen, aber immer gut besucht, da die Leute ja neugierig auf die Musik sind. Außerdem habe ich eine sehr gute Verbindung zu AustroVinyl in Fehring, wo Schallplatten gepresst werden. Dort erfahre ich natürlich immer, wer gerade neu am Markt ist. Und das kann ich dann meiner Kundschaft auch weitergeben und als “Platte der Woche” präsentieren.

Besondere Erlebnisse

Gab es ein besonders lustiges oder überraschendes Erlebnis mit Kundinnen oder Kunden?

Überraschende Erlebnisse gab es einige! Zum Beispiel die Bekanntschaft mit Blacky Schwarz, dem ehemaligen Manager von Georg Danzer oder auch der Besuch von Ewald Pfleger, der für den Hit “Life is live”, den er für Opus komponiert und den er mit der Band gespielt hat, verantwortlich ist; ein persönliches Meet-and-Greet mit Christian Kolonovits, den ich persönlich sehr schätze und seine Arbeit für brilliant halte, sowie die Zusammenarbeit mit Ewald Tatar, dem Initiator des Nova RockFestival, in Zusammenhang mit den Lovely Days – Festival . Ein besonderes Highlight im Jahr 2025 war Günter Prangl, der mein Jugendidol war, und mit seinem Hit “The Boxer” den „Rocktober“ in meiner Garage eröffnet hat. Zu Roman Gregory von Alkbottle verbindet mich mittlerweile auch eine Freundschaft, da er seine letzte Platte “Wödscheibn” bei mir im Geschäft präsentierte und ich mit ihm ein Rock-Kabarett zu Gunsten des Musikvereins Hackerberg-Neudauberg veranstaltete.

Welche ist die seltenste oder wertvollste Platte, die Du je verkauft hast?

Das kann man so nicht sagen; für mich sind alle Platten wertvoll und werden auch so behandelt. Alle Secondhand-Platten werden gründlich inspiziert und für die Kundschaft aufbereitet. In dieser Branche gibt es immer wieder seltene Platten aus den verschiedensten Gründen. Meine Devise ist aber Fairness und Ehrlichkeit – überteuerte Ware wirst du bei mir nicht finden!

Kam schon einmal jemand mit einer richtigen „Schatzkiste“ an Platten vorbei?

Ich habe schon einige kleine Schätze in Sammlungen mitangekauft – ohne es vorher zu wissen. Aber da sind eher Dinge zum Schmunzeln dabei. Wie zum Beispiel alte Briefe oder eine Platte vom “Dragoner Sextett” oder eine Schul-Schallplatte vom BORG aus Bad Radkersburg. Aber so einen richtigen, millionenschweren Schatz hat es noch nicht gegeben!

Zukunft & Persönliches

Wie siehtst Du die Zukunft von Schallplatten und kleinen Plattenläden?

In die Zukunft zu sehen ist immer schwierig. Ich würde mir wünschen, dass die kleinen Läden wieder mehr Chancen in der Wirtschaft haben. Funktionieren kann das oft nur mit viel Anstrengung, tollem Fachwissen, persönlicher Betreuung und Unterstützung der Familie. Diese Kombination ist nicht leicht durchzuhalten und zu finden, aber es ist möglich. Kleine Läden haben den Vorteil, dass der Kunde hier keine Nummer ist und auf die Vorlieben eingegangen werden kann. Der “SchallplattenHannes” ist ja auch nicht meine Haupteinnahmequelle – das würde nicht funktionieren. Aber mein Geschäft ist meine Leidenschaft und wer weiß?

Hast Du Pläne für Veranstaltungen, z. B. Hörabende oder Live-Musik?

In den letzten 5 Jahren ist schon sehr viel passiert, was ich mir nie so vorgestellt hätte. Es gibt Garagenkonzerte, Beate Maxian hat schon eine Lesung aus ihrem neuen Buch gehalten, der Erlös ging damals an den Musikverein Hackerberg-Neudauberg, meine GlühweinTime zu Gunsten der Freiwilligen Feuerwehr Hackerberg, Schallplatten-Ausflug mit meiner Stammkundschaft, Sponsoring einiger Veranstaltungen und jede Menge Ideen für die Zukunft. Wohin es allerdings geht, kann ich noch nicht genau sagen. Vieles ist noch in den Kinderschuhen und wird vielleicht auch nie umgesetzt, manches ist schon in der Endphase und soll eine Überraschung bleiben.

Welche Platte würdest Du jemandem empfehlen, der gerade erst mit Vinyl anfängt?

Eine richtige Empfehlung gebe ich nie ab. Wichtig ist, dass die Kundschaft die Musik gerne hört. Aber wenn mich jemand fragt, erzähle ich immer, wie es bei mir angefangen hat. Dann kann es schon einmal vorkommen, dass die Kundschaft dann auch als erste Platte zur EAV greift.

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By Olli C

Passionierter Motorradfahrer sowie "Möchtegern"- Schlagzeuger und Fotograf aus Österreich. Bevorzugt Powermetal, traditionellen Heavy Metal, NWOBHM, Thrash, Melodic Death,Sleeze, Gothic, Symphonic Metal, Glam aber auch Hard Rock. Ist mit seiner Kamera in Wien, Niederösterreich, der Steiermark dem Burgenland, Slowenien, Ungarn und in Tschechien unterwegs für Konzert und Festivalreportagen. Macht jedoch auch Albumreviews und wirft ein Auge auf Undergroundbands. Moderierte früher Metalshows auf diversen Internetplattformen.

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