Genre: Pop-Punk, Alternative Rock, Core
Land: Deutschland
Waiting For Summer ist eine Band, die sicher nicht nur mir lange Zeit entgangen ist. Gut, zwischen dem Debut „Long Nights & Broken Hearts“ und „Winter“ liegen fast fünf Jahre. In der heutigen Zeit schon deutlich zu viel. Nachdem ich durch ihre Single Feelings im letzten Jahr auf die Band aufmerksam wurde, habe ich mir aber auch das eine oder andere Mal ihr Debut Album angehört. Und wüsste ich es nicht, würde ich meinen, dass es sich um zwei komplett verschiedene Bands handelt.
„Long Nights & Broken Hearts“ ist ein unbeschwertes Pop-Punk Album. Nicht schlecht, aber tut halt auch keinem weh. Anders bei „Winter“, dieses ist im Vergleich zum ersten Longplayer deutlich ausgereifter, härter und vor allem mitreißender. Schon im Opener wird der Begriff der Quaterlifecrisis eingeworfen, ein Thema das sich hörbar durch das Album zieht und gerade in der heutigen Zeit, speziell in Verbindung mit der für alle fordernden Corona-Pandemie enorm viel Gewicht bekommt. Soweit zum lyrischen Background, was ist Winter aber nun?
Der eröffnende Titelsong Winter leitet vor allem den lyrischen Kontext ein und auch wenn mir hier schon der Aufbau extrem gut gefällt, ist er für mich wohl einer der schwächeren Songs des Albums, der aber immer noch besser ist, als vieles was zur Zeit aus dem US-Markt zu uns rüberschwabt. Winter ist instrumental recht harter Alternative Rock, der einfach nur einen Kloß in den Hals zaubert, am Ende aber doch nicht mehr als ein gelungenes langes Intro ist.
Wie viel Substanz die Musik der Jungs aber hat zeigt dann bereits das folgende One Thousand. Instrumental wieder extrem ausgeklügelt und schönerweise auch anspruchsvoll. Irgendwo zwischen Core und Pop-Punk haben sich Waiting For Summer ihre neue Heimat erschaffen. Neben den tollen Clean Vocals bekommen wir auch immer wieder fein eingesetzte Screams geboten, die noch einmal die Intensität der Lyrics untermalen.
Nach den ersten beiden schweren Songs folgt mit Trigger ein angehender Radio Hit und zeigt, wie eingängig „Winter“ klingen kann. Das disharmonische Intro gibt da noch etwas anderes vor, doch mit einsetzen der Beats und den intensiven Basslines fällt der Groschen. Der Refrain ist über jedem Zweifel erhaben und leitet in die zweite wieder deutlich rockigere Hälfte ein. Hier bekommen wir wieder das geboten, was uns Winter und One Thousand auch schon zeigten, aber dann doch nochmal mit etwas mehr von allem. Mehr Power, mehr Abwechslung, mehr Screams, mehr Emotionen.
Für mich war die Initialzündung ja wie eingangs erwähnt die Single Feelings, in der Lonely Spring Sänger Jules Vocals beisteuert, was für mich auch der Grund war weshalb ich mir den Song angehört habe. Die Vocals von Jules sind wie erwartet einfach toll und passen sehr gut rein, doch der Song würde auch ohne die Gastvocals hervorragend auskommen. Die Stimme von Sänger Tom wird hier nochmal deutlich abwechslungsreicher eingesetzt als bisher. Der Bass und Synths spielen eine zentrale Rolle und machen Feelings zum absoluten Hit.
Etwas nach den alten Waiting For Summer klingt First Time. Eine geradlinige Pop-Punk Nummer, die sich nicht wirklich Experimente leistet und mit unter auch deswegen einfach toll ist. Feine Riffs (inklusive Solo), Drumming on point und wie immer tolle Vocals.
Ich muss ganz ehrlich sagen, seit dem Debut Album von Lonely Spring hat mich kein Album oder EP mehr so mitgerissen wie es „Winter“ getan hat. Diese wunderbare Mischung aus Alternative Rock und Pop-Punk mit feinen Coreelementen ist für mich persönlich einzigartig und unfassbar intensiv. Im Grunde könnte ich hier jeden Song zerpflücken, weil er es einfach verdient hat, aber etwas Spannung soll natürlich auch noch bleiben.
Das abschließende Qlc lässt das Album unerwartet schwer und düster enden. Am Ende bleibt leider zusagen: I´m not fine at all. Ein Satz den wohl viele junge Leute nachvollziehen und fühlen können. Die Jungs geben uns als Abschluss nicht die Hoffnung, dass am Ende alles gut ist sondern unterstreichen noch einmal, dass es nicht ok ist. Verpackt in einen Song den man schwer in ein Genre drücken kann, am ehesten wohl noch in Richtung melodischer Metalcore. Qlc ist schwer und doch ein extrem gelungenes Ende eines unfassbar schönen, traurigen, lauten und leisen Album.
Fazit:
„Winter“ fehlt nur wenig um als perfekt bezeichnet werden zu können. Es ist ein tolles klischefreies Pop-Punk und Alternative Album. Seit dem Release im April tauche ich immer wieder und in kurzen Abständen in die Welt von „Winter“ ein weshalb es mir ein persönliches Anliegen war, einige Worte zu diesem tollen Album zu verlieren.
Für mich ganz klar das bisherige Album des Jahres. Die kleinen Abzüge rütteln auch nicht an meiner abschließenden Wertung.
Ich vergebe 10 von 10 Bängs, tolles Album macht weiter so Jungs!
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„Winter“ erschien am 15. April und ist als CD, Vinyl, Digitales Album und Stream erhältlich.
Waiting For Summer sind:
Tom Eberl – Vocals
Florian Flotzinger – Rhythm Guitar
Danny Hörber – Drums/Backing Vocals & Screams/Programmings
Dave Rückerl – Bass/Keys
Alex Stelzl – Lead Guitar
Tracklist:
1. Winter
2. One Thousand
3. Trigger
4. Can You Hear Me
5. Road (Blinded by the Lights) feat. Romana Aufinger (Attic Stories)
6. To a Younger Me
7. Feelings feat. Jules Fuchs (Lonely Spring)
8. First Time
9. Comfort Zone
10. I Just Wanna Live
11. Qlc
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