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Turbostaat – Uthlande – Albumreview

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Turbostaat melden sich mit ihrem bereits siebten Album zurück. Das gute Stück trägt den Namen Uthlande und ist ab dem 17.01.2020 erhältlich. Im Vorfeld veröffentlichte die Band vier Lieder der neuen Platte. Die jüngste Veröffentlichung gibt es seit heute auf den bekannten Kanälen zu hören.

Wer Turbostaat schon länger verfolgt, kann sich sicher noch an die letzten beiden Alben erinnern. Das vorletzte Album Stadt der Angst handelte von Orten, an denen die Angst regiert. Das letzte Album Abalonia handelte von der Geschichte eines Aufbruchs an einen nicht existierenden Ort.

Im Vordergrund des aktuellen Albums steht diesmal das Übrigbleiben und Beharren im Mosaik der Möglichkeiten. Uthlande ist ein alter Begriff für die Inseln, Halligen und Marschen vor dem nordfriesischen Festland. Ein Teil der Uthlande ist bereits Stück für Stück im Meer versunken. Manche Teile kämpfen dagegen an, ähnlich wie das Ich-Land und seine Umgebung, welches schon immer der zentrale Bezugspunkt der Turbostaat-Lyrik war.

Die Band bleibt sich also musikalisch treu und so gibt es auch auf der neuen Platte den gewohnten Post-Punk zu hören.

Der erste veröffentlichte Song Rattenlinie Nord ist auch der erste Track auf dem Album. Mit diesem bezieht sich die Band auf ein besonders dunkles Kapitel der deutschen Geschichte. Als „Rattenlinie“ bezeichnete der amerikanische Geheimdienst die Fluchtrouten des NS-Regimes während des zweiten Weltkriegs. Doch die „Rattenlinie Nord“ führte nicht aus Europa raus, wie es andere Rattenlinien taten, sondern Richtung Flensburg, wo die letzte Reichsregierung im Mai 1945 entstand. Thematisiert wird das Erstarken rechter bzw. nationalistischer Tendenzen in Deutschland. Die Geschichte wird jedoch vom Ende her erzählt. Mit dem Lied soll aber nicht nur mit der Vergangenheit abgerechnet werden, sondern vielmehr auch auf die Gegenwart hingewiesen werden. So singen Turbostaat „Und so langsam sterben die Opas und die Wohnungen werden frei und es bleiben reine Pflichten und neue Henker ziehen ein“.

Über den zweiten veröffentlichten Song Ein schönes Blau schreibt Nils Schumacher: „Ein beschwingt-hymnisches Schönes Blau, das im Block zurück diverse Gründe auflistet, aus denen junge Menschen in der Provinz eigensinnige, abweichende Bands, Szenen und Einstellungen hervorbringen.“ Der Song ist einer dieser typischen Turbostaat-Stücke, melancholisch und treibend. Hört man sich den Text genau an und schaut auch das Video dazu, so kann man auf die Idee kommen, dass das Lied der Heimatstadt der Band  – Husum – gewidmet ist. Mittlerweile wohnen alle Mitglieder der Band in Flensburg, ein Teil von ihnen ist jedoch in Husum aufgewachsen. Und obwohl sie gerne in der Heimat sind, ist das Leben zu kurz, um dort alt zu werden.

Auch der vorletzte Song des Albums wurde bereits im Vorfeld veröffentlicht. Benannt nach einer Gemeinde in Schleswig-Holstein, passt der Titel Hemmingstedt in das nordfriesische Motiv des neuen Albums.

Eigentlich sollte mit Hemmingstedt vorerst der letzte Song vor Erscheinen des Albums veröffentlicht werden. Doch bereits Anfang der Woche gaben Turbostaat bekannt, dass heute noch eine Neuerscheinung veröffentlicht wird. Mit Brockengeist hat man nun die Möglichkeit, einen vierten Song der neuen Platte zu hören.

Fazit: Das Album ist ein typisches Turbostaat-Album. Wer die Band mag, dem wird vermutlich auch das neue Album gefallen. Ich finde es jedenfalls sehr gelungen, weshalb es von mir auch 9 von 10 Bängs gibt.

Das Album erscheint am 17.01.2020 über das Label Pias/Rough Trade. Erhältlich ist es als CD, dickes Vinyl mit beigelegter CD, als digitale Version oder zum Streamen.

Tracklist:

Rattenlinie Nord

Meisengeige

Ein schönes Blau

Schwienholt

Stine

La Hague

Nachtschreck

Luzi

Heilehaus

Brockengeist

Hemmingstedt

Stormi

Wer die Jungs live sehen möchte, hat an folgenden Terminen die Chance dazu:

13.02.20 – Jena, Kassablanca

14.02.20 – Köln, Kantine

15.02.20 – Mainz, Kuz

19.02.20 – Hamburg, Markthalle

20.02.20 – Berlin, Festsaal Kreuzberg (Zusatzkonzert)

21.02.20 – Berlin, Festsaal Kreuzberg (ausverkauft)

22.02.20 – Dresden, Tante Ju

03.04.20 – Bremen, Schlachthof

04.04.20 – Düsseldorf, Zakk

05.04.20 – Aschaffenburg, Colosaal

07.04.20 – Marburg – Kfz

08.04.20 – Wien, Werk

10.04.20 – Leipzig, Conne Island

11.04.20 – Rostock, M.A.U. Club

30.10.20 – Hannover, Capitol

31.10.20 – Münster, Sputnikhalle

Line Up:

Jan Windmeier, Gesang

Rollo Santos, Gitarre

Tobert Knopp, Bass

Peter Carstens, Schlagzeug

Marten Ebsen, Gitarre

 

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Jasmin

Jasmin

Als Musikliebhaberin und leidenschaftliche Konzertgängerin macht Jasmin für uns die Konzerte in Hannover und Umgebung unsicher. Neben Punkrock und Hardcore hört Jasmin Rock und Alternative.

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