Interview, Reportagen

Stiletto Stohl von der IG VeranstaltungstechnikerInnen zur Situation in Österreich – Interview

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Stiletto Stohl, selbst Musiker und Stagemanager, hat Mitte März mit der Gründung der IG VeranstaltungstechnikerInnen aufhorchen lassen. Plötzlich hatte eine Branche, die vorher eigentlich nur am Rande wahrgenommen wurde, ein Sprachrohr in Österreich.

Die Interessensgemeinschaft, die auch die Aktion „OHNE UNS – ist es dunkel und still“ ins Leben gerufen hat, zählt mittlerweile mehrere tausend Unterstützer.

Unser Uli hat Stiletto in einem Videointerview zu seiner Einschätzung der Lage in Österreich befragt. Das ganze Interview findet ihr auf unserem Youtube Kanal zum Nachhören.

Stiletto betont mehrfach, daß es in der Veranstaltungsbranche derzeit einen 100% igen Ausfall gibt, und Großveranstaltungen bis ins Jahr 2021 nicht stattfinden werden. Aufgrund der langen Vorlaufzeiten für Events (bis zu 12 Monate) ist eigentlich auf lange Zeit alles abgesagt. Die Stimmung in der Branche ist aus diesen Gründen natürlich schlecht.

Auch wenn die Gespräche mit Politik und Wirtschaftskammer momentan in die richtige Richtung gehen, kritisiert er die überbordende österreichische Bürokratie. Die ständigen Änderungen  bei Anträgen, die langsame Abwicklung, und der sehr langsame Geldfluß bei Fördermitteln sind das grösste Problem.

Als kleine Anektote wirft er das Beispiel des Tontechnikers ein, der in Österreich 24 verschiedene Gewerbescheine haben kann, und als Berufsvertretung in der Sparte Metall angesiedelt ist. „Tontechniker sind halt keine Eisenbieger„, so Stiletto, „und die Vertretung der Eisenbieger hat eben keine Ahnung von Tontechnik.“

Ein weiteres Problem sieht Stiletto in der mangelnden Organisation der Branche selbst. Bisher gab es in der Wirtschaftskammer keinen Vertreter der Branche, die aber immerhin 3,3 % des österreichischen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Die Kammer war aber auch über die Größe der Branche (Die Veranstaltungswirtschaft macht mehr als 8,9 Milliarden Euro Umsatz) nicht informiert.

Die Einführung eines generellen Gewerbescheines für die Veranstaltungs- und Eventbranche und Branchenvertreter bei Wirtschaftskammer und Gewerkschaft würden vieles einfacher machen„, so Stiletto.

© ohne-uns.at
© ohne-uns.at

Trotz allem zeigt er sich aber optimistisch. „Die Gespräche mit der Kammer und den Vertretern der politischen Parteien zeigen, daß es in die richtige Richtung geht.“ Die wichtigsten Forderungen der Branche umreisst er kurz wie folgt:

  • Verlängerung aller Hilfsmaßnahmen bis 2021. Durch die langen Vorlaufzeiten, und die Terminknappheit ist die Veranstaltungsbranche sicherlich bis 2021 blockiert.
  • Streichung der Stundungen, z.B. bei Steuern und Abgaben. Stundungen können wegen ausgefallener Events sicherlich nicht zurückgezahlt werden.
  • Einkommenssteuererklärung für 2018 und 2019 sollen verschoben werden können, da die Firmen derzeit keinerlei Liquidität haben, und alle Rücklagen aufgebraucht sind.
  • Der Fixkostenzuschuss soll zeitlich variabel gewählt werden können, und nicht für drei Monate im Block

Die Maßnahmen der Politik zur Coronaepedemie, speziell im Gesundheitsbereich, lobt Stiletto aber ausdrücklich. Im Wirtschaftsbereich ortet er aber schwere Verfehlungen. „Das Schweizer oder Berliner Modell, Förderungen umgehend auszuzahlen, und erst im Nachhinein abzurechnen, hätte sich auch Österreich leisten können„, so der Sprecher der IG VeranstaltungstechnikerInnen.

Und einen kleinen Seitenhieb kann er sich auch nicht verkneifen: „Sie sagen, wir sind nicht systemrelevant. Wir würden ja sehen, wenn bei der Wahl in Wien im Herbst dieses Jahres keine Technik für Partei- und Wahlveranstaltungen da wäre. Was würden sie wohl machen? Aus Papier Stanitzel (österreichisch für kleine, spitze Papiertüte) falten, und ihre Ansprachen damit ins Volk schreien?

Bei der Frage zur Zukunft der Branche kommt wieder Optimismus auf. „Die Branche ist durch diese Krise zusammengewachsen, eine Interessenvertretung war schon seit 20 Jahren geplant. Jetzt ging es auf einmal schnell.“ Generell werden Veranstaltungen teurer werden, da die Firmen jetzt unbedingt Rücklagen bilden müssen. Dazu ist aber auch eine Anti Dumping Regelung nötig, die ein stabiles, europaweites Preissystem unterstützt.

Wir sagen „DANKE“ für dieses aufschlussreiche Gespräch, und wünschen allen Menschen in dieser wichtigen Branche vom Herzen nur das Beste. Mögen sich Eure Wünsche erfüllen!

Homepage „Ohne Uns“ – IG VeranstaltungstechnikerInnen

Das komplette Interview auf Youtube

 

 

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Uli

Uli

Seit den 90er Jahren journalistisch unterwegs. Sehr schlechter Schlagzeuger mit deutlichen Rechtschreibschwächen. Mitbegründer der legendären Punkrockband "The Ketchup Boys", welche 1989 ihren einzigen Auftritt hatte. Spricht mehrere Sprachen, kann einhändig Fahrrad fahren und mag Musik.

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