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Neckbeard Noose – Assorted Remains 10oz – Album Review

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Wir haben Gottes Matrix manipuliert und die Hölle illegal verlassen, um unsere Musikkarriere weiterzuführen und von der allmählich gesättigten Metalszene los zu kommen. Wir riskieren unsere Existenz, um uns selbst und unsere Musik für menschliche Ohren statt für Dämon-Ohren neu zu erfinden.“, schreiben Neckbeard Noose auf ihrer Website.

Das Solipsynth Metal-Duo (so bezeichnen die Zwei ihren Musikstil) aus Dallas, bestehend aus Ddjroo und Djess bzw. ihrem Drag King-Alter Ego Richard D. Flowers, veröffentlichte im April das Debüt-Album „Assorted Remains 10oz„. Paradoxerweise haben wir es hier auch nicht mit einem richtigen Metal-Album zu tun. Analoge Instrumente treten auf „Assorted Remains 10oz“ nur am Rande in Erscheinung. Eine gewisse Metal-Ästhetik ist durch die teils brachialen Elektro-Spielereien aber nicht von der Hand zu weisen. Dazu kommt Ddjroos gutturaler Gesang, der ein wenig an den alten Corey Taylor erinnert. Richard Flowers konzentriert sich hingegen auf den Klargesang, versucht sich hier und da allerdings auch am Schreien (es klingt zumindest so), was aber zuweilen unfreiwillig komisch wirkt, wie beispielsweise in 2 cents. Dieses Lied ist ohnehin ein kleines Mysterium. Scheinbar geht es um Klassenunterschiede und versnoppte Metaller. Aber was meint Didjroo mit den Zeilen Pee is stored in the balls/ prove me wrong/ change my mind on that ? Wir werden es vielleicht nie erfahren.

Ich will jedoch auch nicht zu negativ klingen, da man der Scheibe durchaus eine Chance geben sollte, gerade wenn man auf Metal mit elektronischen Elementen steht.

Positiv hervorzuheben ist die Abwechslung des Albums. Mit Lackluster geht man gleich zu Beginn voll aufs Ganze. Ballernde Synthies und ein ans äußerste gehende Ddjroo geben die Marschrichtung der Platte vor. Melodischer kommt Scrapegoat daher. Ddjroo greift hier wirklich zum Didjeridoo. Und es funktioniert. Songs wie Hornets Nest erinnern musikalisch hingegen an alte Nine Inch Nails-Sachen, während Paperdoll mit einem Hip-Hop-ähnlichen Beat um die Ecke kommt. In Orbital Fossa legen Neckbeard Noose in der Mitte des Albums eine kleine Verschnaufpause ein und Flowers Gesang steht hier im Vordergrund, bevor mit Hazard Label wieder ein Gang hochgefahren wird. Das abschließende Moonbowed ist mit zwölf Minuten das längste, aber auch das intensivste Stück des Albums. Die Percussions geben einfach nicht nach, variieren hin und wieder und setzen sich unweigerlich in den Gehörgängen fest. Ein fulminanter Abschluss.

Fazit: Auf knapp fünfzig Minuten verteilt, bieten Neckbeard Noose auf „Assorted Remains 10oz“ solide Industrial/Synth-Kost. Ein Großteil des Materials weiß zu überzeugen. Leider beginnen ein paar Songs verheißungsvoll, ehe Flowers „Schreiversuche“ die guten Ansätze ein wenig ausbremsen. Trotzdem legen die beiden einen vielversprechenden Grundstein für weitere Ausflüge in elektronische Klanggefilde, welche auch viel Raum für Innovation bieten. Von mir gibt es siebeneinhalb von zehn Bängs.

Assorted Remains 10oz“ gibt es seit dem 9. April 2021 auf den gängigen Streamingplattformen zu hören.

Tracklist:
1. Lackluster
2. Scrapegoat
3. Hornet’s Nest
4. 2 Cents
5. Orbital Fossa
6. Hazard Label
7. Defrag
8. Muted
9. Paperdoll
10. Moonbowed

Bandmitglieder:
Ddjroo – Gesang, Didjeridoo, Samples
Richard D. Flowers – Gesang, Perkussion, Samples

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Dennis

95er Jahrgang. Buddelt gerne alte Platten auf Spotify aus, die längst in Vergessenheit geraten sind. Hat eine besondere Vorliebe für die 80er, begeistert sich aber für Musik aus allen Jahrzehnten. Dennis spielt selbst Gitarre und singt, oder versucht es zumindest.

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