Genre: Power Metal
Ganz ehrlich: Neu ist die Idee wohl eher nicht, als Metal Band 80er Jahre Pophits zu covern. Die Liste an Musikern, die das bereits gemacht haben, ist lang. Wundern muss sich also niemand, wenn man bei dem Thema reflexartig mit den Augen rollt. Oft sind solche Alben nämlich nichts weiter als eine schnell zusammengeschusterte Sammlung von Songs, die irgendwann einmal in den Charts waren. Diese bewegen sich dann meist irgendwo zwischen liebevoller Hommage, nostalgischem Augenzwinkern und, seien wir ehrlich, gelegentlichem Lückenfüller im Veröffentlichungsplan.
Wenn also eine Band wie Iron Savior ein Album mit dem Titel Awesome Anthems of the Galaxy ankündigt, das sich ausschließlich aus 80er-Pop-Songs zusammensetzt, darf man durchaus skeptisch werden. Die Frage liegt sofort auf der Hand: Braucht man das wirklich?
Die Band um Piet Sielck nimmt sich nämlich eine ganze Wagenladung 80er Pop Klassiker vor, nämlich ganze 17 Titel und gießt sie in ein metallisches Gewand. Und zwar so, dass sie nach Iron Savior klingen, ohne den Spirit der Originalsongs komplett zu verlieren. Genau hier liegt aber auch zugleich der Reiz und das Problem von Awesome Anthems of the Galaxy: Die Idee ist gut, die Umsetzung dagegen schwankt.
Denn Iron Savior machen letztlich genau das, was man erwartet. Sie nehmen die Songs, legen eine ordentliche Portion Gitarren darüber, schieben Doublebass darunter und lassen Piet Sielck mit seiner gewohnt rauen Stimme darüber hinwegziehen. Das funktioniert bei einigen Stücken überraschend gut, bei anderen wirkt es dagegen eher wie eine musikalische Pflichtübung.
Zu Beginn ist das Album allerdings stark, und die ersten Songs gehen richtiggehend in die Beine. Die Version von Fame (im Original von Irene Cara) wird zum druckvollen Midtempo-Power-Metal-Stampfer mit massiven Gitarren und einem Refrain, der sich sofort ins Ohr fräst. Wer sich hier stillhalten kann, muss taub sein oder stimmungstechnisch so abgestumpft, dass ohnehin alles zu spät ist. Das gilt auch für Songs wie Maniac, What a Feeling oder Relax, die ein ordentliches Metal-Upgrade bekommen haben. Statt Synth-Groove gibt es hier riffbetonte Bretter mit ordentlich Schub.
Allerdings wäre im Gesamten gesehen weniger mehr gewesen. Der Nostalgietrip mit Warp-Antrieb verliert ab der zweiten Hälfte deutlich an Reiz. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass die Band ab Suburbia gefühlt vom Gas geht – oder ob einem selbst nach der ganzen Tanzerei einfach die Puste ausgegangen ist. Wenn ich Kuschelrock will, würde ich schließlich auch einen der berüchtigten Kuschelrock-Sampler auflegen.
Fazit: Dieses Album funktioniert zu Beginn besser, als man vielleicht erwarten würde, und überrascht mit deutlichem Hitpotenzial. Somit ist Awesome Anthems of the Galaxy kein Totalausfall, dafür sind Iron Savior schlicht zu routiniert. Eine abgespeckte Version hätte dem Ganzen allerdings gutgetan. Am Ende bleiben dennoch 7,5 von 10 Bängs.

Awesome Anthems Of The Galaxy erscheint am 27. März über PERCEPTION
Line Up:
Piet Sielck – Guitars & Lead Vocals
Joachim „Piesel“ Küstner – Guitars & Backing vocals
Patrick Opitz – Bassguitar & Backing Vocals
Patrick Klose – Drums & Percussion
Track List:
Fame
All I Need Is A Miracle
When The Rain Begins To Fall
Maniac
Take On Me
Relax
What A Feeling
Against All Odds
Separate Ways
Suburbia
Here Comes The Rain Again
She’s Like The Wind
(I Just) Died In Your Arms
Forever Young
Since You Been Gone
Call Me
Catch Me I’m Falling
