Interview

Doro Pesch im Interview vor ihrem Strandkorb -Konzert in Mönchengladbach am 21.08.2020

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Titelfoto: Emeraldpics @Oliver Haremsa

Am Telefon hatte ich die mega sympathische Powerfrau Doro Pesch,  die am 21.08.2020 im Sparkassenpark Mönchengladbach im Rahmen der Reihe Strandkorb Open Air auftreten wird.

RM: Hallo Doro, schön, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview nehmen konntest. Du hast schon drei Auto-Konzerte gespielt dieses Jahr und am 21.08.2020 tretet ihr „vor Strandkörben“ in Mönchengladbach auf. Ich bin schon sehr auf das Konzept in Mönchengladbach gespannt.
Doro: Hallo Karina, ja, die Auto-Konzerte waren super! Was anderes natürlich, aber ich finde das toll, was sich die Veranstalter ausdenken. Es ist natürlich kein Vergleich zum letzten Jahr. Da muss man wohl flexibel sein. Und jetzt sind wir ja bald bei Euch. Da freue ich mich schon riesig drauf und finde, das ist eine gute Idee. Da können die Leute feiern und einfach sicher sein. Das ist mir das Allerwichtigste, dass alle sicher sind und sich keiner ansteckt.

RM: Ich glaube, wir sind hier in Deutschland so ein bisschen die Vorreiter, was alternative Auftrittskonzepte betrifft. Bei den Auto-Konzerten habe ich Berichterstatter aus dem Ausland getroffen, die sich das alles sehr interessiert angesehen haben.

Doro: Wir waren ja mit eine der ersten Metallbands, die das veranstaltet haben. Das gab ein Wahnsinns-Feedback. Auf Facebook hatten wir einen kleinen Video-Ausschnitt vom Auftritt. Noch nie ist ein Beitrag von uns so oft geshared worden. Das waren in Nullkomanix 600.000 Leute, die sich das angesehen haben. Und dann kamen ganz viele Interview-Anfragen, auch aus den USA. Die fanden das super, was wir hier so machen. In Amerika gibt es auch Autokino, aber da werden keine Live-Konzerte gespielt, sondern eher Konzertfilme gezeigt.
RM: Ist natürlich auch eine Kostenfrage, denn da passen ja nicht so viele zahlende Gäste rein, aber die Kosten sind ja die gleichen wie bei einem normalen Konzert. Wenn nicht noch höher wegen der Sicherheits- und Hygiene Auflagen.
Doro: Das ist das Ding. Wir konnten auch unser normales LineUp zum Teil gar nicht spielen, weil unser Basser Nick auf gar keinen Fall aus den USA einreisen konnte.  Unser italienischer Gitarrist Luca durfte auch nicht aus Italien raus. Da waren etliche Sachen, wo wir uns etwas ausdenken mussten, damit wir das irgendwie bewerkstelligen konnten. Es ist einen ganz heftige Situation. Wir versuchen immer, ganz positiv zu bleiben, aber es ist schon schwer. Das haben wir ja alle noch nie erlebt. Aber ich habe das Gefühl gehabt, dass es viel mehr Miteinander und Zusammenhalt gibt und das die Leute sich wieder viel mehr gegenseitig geholfen haben.  Das habe ich als ganz positiv empfunden! Das ist ja auch, was den Metall so ausmacht: diese tiefe Verbindung.  Und das hat die Zeit wirklich gezeigt, das die Menschen ziemlich zusammengehalten haben.
RM: Zumindest die ersten Monate. Ich glaube aber, man muss jetzt so langsam aufpassen, dass die Stimmung nicht kippt.
Doro: Ja, vor allem wenn man sieht, das die Zahlen jetzt wieder hochgehen. Oder das Fachleute von einer zweiten Welle sprechen. Einmal kann man es aushalten für ein paar Monate. Aber wenn das noch einmal so heftig wird…
Wir versuchen auf jeden Fall alles, um den Leuten mit Konzerten, die absolut safe sind, ein bisschen Freude zu machen.  Es ist schwer für die ganzen Musiker, die Techniker… Das fängt schon beim Tour-Busfahrer an. Alle sind hart am kämpfen, um zu überleben.  Deshalb finden wir es gut, dass die Veranstalter sich etwas ausdenken, damit man Konzerte machen kann.
RM: Wie hast Du die Zwangspause genutzt?
Doro: Ich war im Studio und habe an der neuen Platte gearbeitet. Wir haben die neue Single Brickwall herausgebracht. Dazu haben wir auch ein Video produziert, aber das war auch ganz anders als sonst. Mitten im Lockdown, da gab es keine dicke Videoproduktion mit 1000 Leuten. Wir haben das an ganz vielen Tagen gedreht und es hat immer nur einer mitgefilmt. Dazu haben wir ein paar Wacken-Aufnahmen mit rein geschnitten. Und jetzt sind wir auch wieder im Studio und machen ein Best Of Album, Magic Diamonds. Das wird ein 3 CD- oder 4 Vinyl Set mit Live-Aufnahmen von der letzten Tour. Da blutet das Herz, wenn man die ganze Stimmung hört, so wie es ja immer war. Ein paar alte Songs haben wir neu arrangiert, manche mit Orchester. Sie soll vor Weihnachten im Oktober/November rauskommen, weil wir im Moment nicht an der neuen Platte zusammen arbeiten können und das deshalb noch etwas dauert.  So machen wir aus den vorhandenen Sachen etwas Schönes. Die Tour soll ja im November stattfinden. Im September gibt es auch noch Termine, aber da habe ich schon so meine Zweifel dran.
RM: Du gehst da lieber auf Nummer sicher?
Doro: Ich bin eine hochgradige Risikopatientin. Als Teenager hatte ich eine schwere Lungenkrankheit, da war ich mit Tuberkulose im Endstation ein ganzes Jahr in vielen Krankenhäusern. Wenn dann am nächsten Morgen der Zimmernachbar oder die Zimmernachbarin nicht mehr da ist, weil sie es nicht überlebt haben…das ist ganz schwer.
Unsere Musiker, Techniker und ich  tragen Maske und meistens noch dieses Plexiglas (Anm.: face shield).  Ich bin da so ganz ganz vorsichtig, vielleicht weil ich weiß, wie es sein kann.  Ich versuche alles so zu machen, das es 100 %ig safe ist. Wenn man das nicht erlebt hat, geht man da wahrscheinlich lockerer mit um und denkt, es wird schon gut gehen. Ich habe damals dem Tod ins Auge gesehen, das ist eine Erfahrung, die ist mir ewig und besonders jetzt wieder hochkommt. Ganz Viele um mich herum haben das nicht überlebt. Besonders in Amerika und auch in England sind viele Leute, die ich ganz doll mochte und die das nicht überlebt haben. Manche sagen, ich kenne gar keinen, der das hatte. Ich kenne dafür ganz Viele. Auf der letzten Kreuzfahrt, die wir gemacht haben, ist ein Techniker sehr krank geworden, und der hat es jetzt sogar zum zweiten Mal gekriegt.
Und dann habe ich ja auch noch eine Mom um die ich mich tagsüber kümmere, die ist jetzt 86. Ich möchte gar nicht,  dass da jemand kommt und sich um sie kümmert,  weil mir das alles zu gefährlich ist. Ich bin da sehr sensibel und warte lieber, bis der Impfstoff da ist.
Die Auto-Konzerte fand ich toll, da konnte jeder mit ganz viel Abstand mitfeiern.
RM: Das kann ich gut verstehen. Was dürfen die Leute bei der Strandkorb Show in Mönchengladbach am 21.08.2020 erwarten?
Doro: Wir werden natürlich alle unsere Highlights spielen, von jeder Platte kommen unsere Hits und unsere Hymnen werden wir spielen. Die werden ja immer ganz lautstark mitgesungen und gefeiert. Unsere erste deutsche Hymne Für immer ist natürlich dabei mit neuem Arrangement und dann natürlich All we are und viele Songs, die richtig abgehen, die einen positiv stimmen. Und ein paar schöne Balladen wie Love Me In Black, das ist eine meiner Lieblingsballaden. In den Zugaben dürfen die Leute gerne rausrufen, was sie noch hören möchten und was noch nicht in der Setliste war, spielen wir dann.  Wir werden ganz viel Power geben, damit die Fans mal den ganzen Alltag und den ganzen Stress vergessen können und viel mitnehmen, auch fürs Herz. Und das wir zusammen feiern und abrocken können, aber ganz vorsichtig und ohne ein Risiko einzugehen.
RM: Wie bereitest du dich auf diese Show vor?
Doro: Auf jeden Fall ist es bei diesen Shows anders, auch rein körperlich. Ich habe mich mehr vorbereitet, wie ich das bei den ganzen Auto-Kino Shows auch schon gemacht habe, weil man sich 10 mal mehr anstrengen muss, um die Leute zu erreichen, die wahnsinnig weit weg sind. Mit den Abstandsregeln war das manchmal so heftig, das man die Leute gar nicht richtig sehen konnte. Wo ich es doch sonst gewohnt bin, dass die Leute sofort an der Bühnenkante stehen, zusammen singen, am liebsten ins selbe Mikrofon und einem die nassen Haare beim Headbangen ins Gesicht klatschen. Jetzt mussten die Leute teilweise in den Autos sitzen bleiben.  Bei manchen Konzerten durften sie zwar ein paar Liegestühle vor die Bühne stellen, aber sie durften nicht aufstehen.  Da muss man 10 mal mehr Gas geben, damit man überhaupt das Gefühl hat, man macht irgendwas zusammen.  Aber da ich das jetzt schon ein paar mal gemacht habe, weiß ich, das wird so sein und man kann auch nicht erwarten, dass es so eine Stimmung ist, wie auf Wacken, wo 80.000 Leute schreien und mitsingen. Man ist dann schon total happy, wenn man die ersten Reihen sieht und die sich freuen und mitsingen. Das ich nicht mehr so ganz nah bei den Leuten bin, nicht mehr ins Publikum gehen kann oder vom Publikum getragen werde,  das fehlt mir total. Aber es ist jetzt halt so – ist ok.
Ich bin ganz flexibel und wir machen das Beste daraus. Ich freue mich, das es so was gibt. Ist halt nicht mehr so wie letztes Jahr, aber ich hoffe, dass es nochmal wieder so normal wird.
RM: Das klingt toll und du hast tatsächlich schon alle meine Fragen beantwortet. Dann freue ich mich jetzt noch in bisschen mehr auf das Konzert am 21.08.2020.
Doro: Da freue ich mich auch drauf, das wird bestimmt super und Hauptsache, das Wetter spielt mit. Das wäre schön. Aber wir spielen auch im Regen, ganz egal. Bei den Temperaturen.. und wer schon mal in Wacken war..
RM: Das stimmt natürlich! Liebe Doro, ich danke Dir für Deine Zeit und dieses schöne und sehr persönliche Interview.
Doro: Mir hat es auch Spaß gemacht und ich freue mich jetzt auf den 21.08.  Das ist auch für mich das erste Mal mit den Strandkörben.
RM: Dann lassen wir uns mal überraschen, was uns da erwartet.
Doro: Die Leute sollen einfach nur kommen, die gute Stimmung – das machen wir schon.
RM: Das ist ein tolles Schlusswort! Ich danke Dir ganz herzlich und bleib gesund!
Doro: Ja, Du auch – bis in ein paar Tagen!
Tour
05.09.20 AT Innsbruck Wildstyle Tattoo Messe
17.09.20 DE Köln Lanxess Arena
19.09.20 AT Salzburg Wildstyle Tattoo Messe
26.09.20 AT Wien Wildstyle Tattoo Messe
04.11.20 DE Hamburg Große Freiheit 36
06.11.20 DE Oberhausen Turbinenhalle
07.11.20 NL Leeuwarden Neushoorn
08.11.20 BE Antwerp Trix
10.11.20 FR Paris La Maroquienerie
11.11.20 CH Pratteln Z7
13.11.20 DE Winterbach Salierhalle
14.11.20 DE Ingolstadt Eventhalle Westpark
17.11.20 UA Lviv Malevich Club
18.11.20 PL Warsaw Proxima
20.11.20 DE Neuruppin Kulturhaus
21.11.20 DE Vacha Vachwerk
22.11.20 DE Frankfurt Main Batschkapp
30.04.21 FI Helsinki Kulttuuritalo
06.05.21 DE Lübeck Kulturwerft Gollan
07.05.21 DE Osnabrück Hyde Park
08.05.21 DE Wetzlar Eventwerkstatt
09.05.21 DE Memmingen Kaminwerk
11.05.21 DE Jena F-Haus
12.05.21 DE  Görlitz Kulturbrauerei
13.05.21 DE Heidelberg Halle 02
05.06.21 CZ  Pilzen Metalfest
15.07.21 DE Leipzig Parkbühne
17.07.21 DE Wertheim Burg Wertheim
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Karina

Karina

Karina ist für uns an Rhein und Ruhr unterwegs. Sie hört neben Metal auch Irish Folk Punk, Deutsch- und Mittelalterrock. Für gute Musik ist ihr kein Weg zu weit.

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