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Bring Me The Horizon – Post Human: Survival Horror – EP Review

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Genre: Metalcore, Alternative Metal, Modern Metal, Trancecore, Rock

Land: UK

Credit: Sony Music

Als BMTH letztes Jahr angekündigten, wohl kein Album sondern nur noch kürzere Platten zu veröffentlichen um dann auch wirklich alles davon live spielen zu können, war ich doch etwas enttäuscht. „Sempiternal“, „That´s The Spirit“ und „amo“ zählen ohne Frage zu meinen Lieblingsalben. Umso überraschter war ich von der Ankündigung des Post Human Projekts: Vier Veröffentlichungen soll dieses Projekt umfassen. Den Auftakt macht nun „Post Human: Survival Horror“.

Nach „amo“ haben wohl viele, gerade ältere Fans die Band abgeschrieben, auch wenn „amo“ doch noch eine angenehme Härte hatte. Mit Ludens, welcher Teil des Soundtracks zum Paketdienst Simulator Death Stranding war, erreichte uns eine harte Nummer, gefolgt von Parasite Eve, Obey und zuletzt Teardrops, die nur wenig vom Stil von Ludens abgewichen sind.
Was mir, je öfter ich die Nummer höre aber immer bewusster wird: Von der künstlerischen Seite sind BMTH ganz klar die Linkin Park der Gegenwart. Ähnlich wie auch bei LP müssen die Fans bei BMTH oft starke Stiländerungen akzeptieren (oder auch nicht). Nun stellt sich aber die Frage, wie klingt der erste Teil von Post Human im Ganzen?

Den Einstieg macht Dear Diary, und ganz ehrlich, was uns hier um die Ohren geschmissen wird, habe ich beim besten Willen nicht erwartet. Man darf gewiss kein Brett wie zu Anfangszeiten erwarten, dennoch ist Dear Diary die wohl härteste Nummer seit „Sempiternal“ und geht ganz klar wieder in Richtung Metalcore. Oli schreit sich einmal mehr seine Seele aus dem Leib, die Drums prügeln nach vorne, die Riffs sind super hart und auf dem Punkt. On top haben wir dann aber natürlich ein paar elektronische Akzente. Insgesamt ein mehr als gelungener Start.

Auf den harten Opener folgen drei der vier bereits bekannten Songs. Den Anfang macht Parasite Eve, der mit einem Chor eingeleitet wird und von einem schon fasst rappenden Oli fortgesetzt wird. Nach dem sehr elektronischen Beginn brechen dann im Refrain die Instrumente hervor und wir bekommen herrlich kräftigte Clean Vocals geboten. Doch auch seine Screams knallt er uns um die Ohren und erinnert mich so speziell zum Ende hin an Shadow Moses („Sempiternal“). Lyrisch wird definitiv immer wieder auch auf die gegenwärtige Pandemie angespielt.

In einem Interview hatte Oli unlängst gesagt, dass die bisher letzte Single Teardrops sein Favorit auf der EP ist. Das kann ich verstehen und bin selbst immer noch fasziniert von der Nummer. Erst am letzten Freitag erschien der Song und ich hab ihn alleine an diesem Tag gefühlt hunderte Male gehört. Getragen von einem leicht verstörenden Beat und atmosphärischen Gitarren. Auch die Drums sind wieder auf dem Punkt und was man schon sagen kann: Instrumental ist „Post Human: Survival Horror“ extrem vielseitig und wirklich hart. Sollte man einen Vergleich ziehen würde ich sagen Teardrops erinnert von der Dynamik her etwas an Throne („That´s The Spirit“).

Bevor uns wirklich ganz unbekannte Tracks erwarten wird uns noch Obey um die Ohren geworfen. Sollte eigentlich schon bekannt sein, sticht für mich aber noch einmal ordentlich heraus und das liegt nicht nur an dem Gast Yungblud. Obey atmet wie kaum eine andere Nummer von Bring Me The Horizon so das Flair von Linkin Park wie sie selbst. Instrumental bekommen wir eine richtig angenehm harte Nummer, bei denen auch wieder mehr Screams am Start sind. Super Melodien und mit Yungblud einen jungen Vertreter der Rockmusik, dessen Vocals sich wirklich super einfügen. Obey ist aber eigentlich viel mehr als ein weiterer starker Track. Ich finde, er baut eine wunderbare Brücke zwischen der aktuellen und der kommenden Ära der Musik.

All Killer No Filler? Bisher schon. Itch For The Cure (When Will We Be Free?) könnte man zwar als Filler bezeichnen, viel mehr ist es aber als Intro zu Kingslayer gedacht und als solches funktioniert es wunderbar. Oli haut seine gerappten und angepissten Vocals über einen elektronischen Klangteppich. Zum Ende der knapp 1,5 Minuten gesellen sich auch die Mädels von Babymetal dazu.

Ja, ihr habt richtig gelesen: Die Briten haben sich Babymetal mit ins Boot geholt und was soll ich sagen? Das passt aber so was von wunderbar. Kingslayer klingt nach Trancecore im Stile der alten Enter Shikari, mit einem Hauch J-Pop. So ist der Track zum einen bockhart, zum anderen Zahnschmerzen verursachend süß. Ich bin sogar geneigt zu sagen das BMTH hier einen Song haben, der sich stilistisch zwischen „There Is A Hell Believe Me I´ve Seen It. There Is A Heaven Let´s Keep It A Secret.“ und „Sempiternal“ einordnen lässt. Oli schreit in allen möglichen Variationen, sogar richtig fette Growls sind wieder am Start. Der Part von Babymetal ist dann sowas von süß, passt aber eben wirklich gut rein, weil es diesem Brett etwas das Tempo nimmt.

Bei 1×1 kommen mir dann gleich beim ersten Ton Papa Roach in den Kopf. Die Nummer ist auch wie Kingslayer sehr elektronisch und hätte so auch gut auf „The Connection“ von Papa Roach gepasst. Definitiv nicht ganz so hart wie der vorangegangene Track aber ebenfalls wieder mit einem spannenden Featuregast. In diesem Fall das Duo Nova Twins, mir bisher absolut unbekannt.  Die Vocals machen aber echt Lust auf mehr, weshalb ich demnächst auch die Mucke der beiden Frauen auschecken muss. Insgesamt ein Song, der auch im Radio laufen könnte.

„Gimme a break!“ fordert Oli im vorletzten Song Ludens. Wie oben erwähnt die erste Single die -zum Glück- ihren Weg auf den Dreher gefunden hat. Was soll man noch dazu sagen? Nach „amo“ ganz klar eine richtige Überraschung in punkto Härte. Aggressiver als auf dem noch aktuellen Album, ohne dabei die neue Ausrichtung ganz abzulegen. Bei Songs, die eigentlich nicht für ein Album oder eine EP geschrieben wurden, läuft man aber immer Gefahr, dass sich eine zu große stilistische Kluft zwischen den Songs auftut. Das ist bei Ludens aber auf gar keinen Fall so. Der Track passt perfekt auf die EP und könnte meiner Meinung nach auch stellvertretend für die ganze EP stehen, da Ludens so gut wie alle Aspekte der EP zumindest in Ansätzen in sich vereint.

Möchte man Jemandem Bring Me The Horizon zeigen, so eignet sich der abschließende Track ganz klar am wenigsten. One Day The Only Butterflies Left Will Be In Your Chest As You March Towards Your Death ist eine waschechte Ballade. Unterstützung bekommen sie für ihre erste richtige Ballade dabei von der großartigen Amy Lee (Evanescence) und was soll man sagen? Amy leitet den Track ein und verpasst uns eine fette Gänsehaut. Etwas später stößt auch Oli dazu und zeigt sich anfangs so zerbrechlich, wie man ihn noch nie erlebt hat. Zwar steckt er relativ schnell wieder etwas mehr Power in seine Stimme, was aber der Dramaturgie zugutekommt. Soweit haben wir also ein ganz gewöhnliches Feature, bei dem jeder seinen Part singt. So bleibt es aber nicht. Über die Laufzeit wird daraus ein richtiges Duett. Wirklich wunderschön und für mich sogar ein noch besseres als es Love Is Madness von 30 Seconds To Mars und Halsey waren. Das Ende ist dann überraschend düster und auch wieder deutlich härter. Vielleicht schon als Übergang zum zweiten Teil geplant?

Fazit:

Bring Me The Horizon haben ihre Vergangenheit endgültig begraben, erweisen dieser aber auch immer wieder ihre Ehre. Man darf die Band nicht mehr als die Core Boys von damals sehen. Die Kombo um Oli Sykes hat sich zu einer gestandenen Band entwickelt, die machen worauf sie Bock haben. Nach „Post Human: Survival Horror“ bin ich gespannt, was uns in den noch folgenden drei Teilen des Post Human Projekts erwartet.

Auf jeden Fall haben sie mit dieser EP ihren Status als eine der wichtigsten und prägendsten Rock Bands der Gegenwart gefestigt.

„Post Human: Survival Horror“ ist ein Meisterwerk, an dem jede Sekunde stimmt. Die neun Songs wirken wie aus einem Guss.

Ich vergebe 10 von 10 Bängs.

zehn von zehn

„Post Human: Survival Horror“ erscheint  digital am 30. Oktober und physisch auf CD, Vinyl und Tape am 22. Jänner 2021 via RCA / Sony Music.


Line-Up:

Oliver Sykes – Lead Vocals/Production

Lee Malia – Guitars

Jordan Fish – Programming/Keyboards/Backing Vocals/Production/Engineering/Percussion

Matt Kean – Bass

Matt Nicholls – Drums/Percussion


Tracklist:

1. Dear Diary,

2. Parasite Eve

3. Teardrops

4. Obey feat. Yungblud

5. Itch For The Cure (When Will We Be Free?)

6. Kingslayer feat. Babymetal

7. 1×1 feat. Nova Twins

8. Ludens

9. One Day The Only Butterflies Left Will Be In Your Chest As You March Towards Your Death feat. Amy Lee   


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Patrick

Patrick

geb. 1993. Musik-Fan seit 2010. Verlobt Ein Sohn. Bevorzugte Genres: Metalcore, Post-Hardcore, Progressive Metal, Pop-Punk. Neben seiner sozialen Ader ist Patrick auch für feinste Recherche und Tiefe in seinen Reviews und Berichten bekannt.

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