A LIFE DIVIDED – Konzertbericht zur Anniversary-Show für das „Human“-Album im „Spectrum Club“ in Augsburg

Trotz inzwischen über 40-Jahren Konzerterfahrung hat man doch immer mal wieder Bands, die eher unter dem Radar laufen und die man Live noch nicht zu Gesicht bekommen hat. So ein Band ist in meinem Falle die bayrische Gruppe A Life Divided aus Geretsried, deren Gig ich bei der letzten Tour wegen einer Konzertüberschneidung leider verpasst habe. Dieses Missgeschick galt es nun im Jahr 2026 endlich auszubügeln.

Wenn es sich dann bei aktuellem Anlass noch um einen exklusiven Anniversary-Gig von A Life Divided zum 10-jährigen Jubiläum ihres Albums „Human“ handelt, bietet es sich doch geradezu an, dies als Anlass für einen kurzen Wochenendtrip zu nehmen und das Konzert mit einem Besuch der bayrisch-schwäbischen Metropole Augsburg zu verbinden. Zumal die Band einer der heißen Faves meiner Frau geworden ist, die mir die Band in den letzten beiden Jahren auch schmackhaft gemacht hat.

Da meine bessere Hälfte mir schon des Öfteren vorgeworfen hat, dass ich Städtetrips immer nur wegen der Konzerte machen würde, musste die ganze Planung im Vorfeld natürlich fast konspirativ unter strengster Geheimhaltung ablaufen.

„Schatz, wir machen einen Wochenendtripp nach Augsburg!“ so mein Vorschlag Anfang des Jahres, worauf natürlich prompt die Rückfrage meiner Frau kam „Was für ein Konzert ist denn da wieder? “. Mit voller Überzeugung kam prompt von mir “Die Augsburger Puppenkiste“ als Antwort. Ob sie mir das anfangs abgenommen hat, bezweifelte ich aufgrund des skeptischen Ausdrucks in ihren Augen, doch ließ sie sich auf den Tripp ein, zumal ich ihr versprach, dass es sich auf alle Fälle für sie lohnen würde.

Also Urlaub beim Chef eingereicht, Hotel gebucht, und dann auch noch eine Konzertankündigung im Rockmagazin geschrieben, alles heimlich und mit der Hoffnung, dass Sie den Beitrag hoffentlich übersieht und nichts von dem Konzert mitbekommt. Glücklicherweise hat sie sich im Vorfeld nicht die Mühe gemacht und den Konzertkalender in Augsburg für dieses Wochenende durchforstet, denn bis zu unserem Start am Freitagmorgen Richtung Augsburg fragte Sie immer wieder mal, weshalb und wohin die Reise gehen sollte. Doch ich schwieg beständig wie ein Grab.

Nach einem Bummel durch die schöne Altstadt von Augsburg am Nachmittag gehts gegen 19 Uhr Richtung Spectrum Club, der Location in der das heutige Konzert stattfinden soll. Dort angekommen, hoffe ich das nicht alles mit Plakaten des Konzerts vollgekleistert ist und die Spannung noch etwas hochgehalten werden kann. Das es an diesem Abend „doch wieder“ einen Konzertbesuch geben würde, wird Ihr spätestens dann klar, als ich unsere Metalshirts und Hoodies aus dem Kofferraum hole, um uns passend in die „schicke schwarze Schale“ zu werfen. Auch die Rock- und Metalfans vor dem Club sind ein weiteres Anzeichen für einen bevorstehenden musikalischen Event. Doch das Geheimnis um die heute auftretende Band ist bis direkt vor der Ankunft an der Abendkasse noch nicht gelüftet! Dann die erste Begeisterung als meine Frau das Tourplakat von A Life Divided sieht, doch genauso schnell weicht auch wieder das Funkeln in den Augen, als sie bemerkt, dass es sich um die Tourdates von der kommenden 2027er -Tour von A Life Divided handelt.

Erst als direkt vor der Abendkasse für das heutige Event tatsächlich der Name A Life Divided auftaucht, ist die Freude umso größer, zumal auch der Merch-Stand den Eindruck bestärkt, dass heute wirklich die Jungs von besagter Band auf der Bühne stehen werden. Die Überraschung ist also definitiv geglückt!

Der Spectrum Club ist bereits ziemlich gut gefüllt und so ist alles angerichtet für die große Geburtstags-party für das „Human“- Albums. Neben den bestimmt 600 Metalheads dürfen A Life Divided als Gäste die Münchner Band Versus Goliath, kurz VSG als Einheizer begrüßen.

Schon der erste optische Eindruck von Sänger und Frontmann Florian Mäteling zeigt wohin die musikalische Reise der Band gehen dürfte. Die auffällige gelbe Bomberjacke sticht sofort ins Auge und ist ein deutlicher Hinweis auf das was wohl kommen wird. Metal kann man aufgrund des grellen Outfits heute wohl nicht erwarte und so tönt aus den Boxen die kommenden 35 Minuten eher ein Mix aus Rap und Alternative Rock mit deutschen Texten. Nach einem computeranimierten Intro geht’s los mit „Virus“ als Opener und Sänger Florian rappt gleich mal kräftig ab. Das Trio müht sich die Stimmung anzuheizen, mal mi rockigen Riffs, dann mit nachdenklichen Texten. Doch so richtig will der Funke anfangs noch nicht auf das Publikum überspringen. Etwas zu konträr ist wohl der Musikstyle von VSG und der rappige Sprachgesang ist wohl nicht jedermanns Sache. Recht gelungen ist dann die Ballade „Stille“, etwas ruhiger und emotional angehaucht, bei der Gitarrist Andreas Zöller Sänger Florian am Keyboard begleitet.

Andreas entpuppt sich während des Auftritts als echtes Energiebündel in der Band, der abgeht wie das berühmt berüchtigte Zäpfchen. Ständig in Bewegung bangt er mehr als einmal, als ob er bei einer waschechten Metalband spielen würde. Am Ende erhalten VSG dann aber doch noch den erhofften Applaus vom Augsburger Publikum. Ein ordentlicher Auftritt von Versus Goliath, wenn man mit dem rappigen Sprachgesang klarkommt. Mir als eher waschechter Metaller ist das auf Dauer doch etwas zu viel des Guten und die harten Rythmen fehlen mir doch an vielen Stellen. Rapp ist und wird nicht mein Ding werden.

Als gegen 21 Uhr A Live Divided mit einem Intro angekündigt wird, schlägt die Stimmung schlagartig um. Unter tosendem Applaus starten die vier Musiker mit „Burst“ vom Jubiläumsalbum in ihr Set, das sich zunächst ausschließlich auf das „Human“-Album konzentriert und bis auf „Just Nothing“ und „Lay me Down“ komplett durchgespielt wird. Wie Sänger Jürgen Plangger bemerkt, gilt es am heutigen Abend eigentlich bereits der 11. Geburtstag des Albums zu feiern, denn es wurde bereits am 10. April 2015 veröffentlicht. Doch dieses kleine Missgeschick bei der Terminplanung ist den Fans völlig egal, denn Sie feiern die Songs der 2015er-Scheibe auch im Jahr 11 nach dem Release. Gleich beim Opener ist das Publikum zur Stelle und stimmt textsicher in die Songs ein. Als erster Höhepunkt entpuppt sich die Darkrock-Perle „Inside Me“, die ursprünglich als Beitrag für einen Science-Fiction Film geplant war, erklärt Jürgen. Leider wurde aus dem Film nichts, der Song entpuppte sich dagegen als einer der Highlights des „Human“-Albums.

Mit fetten Synthie- und Elektrobeats punktet „Could You“ bei den Fans, die lautstark in den Chorus einsteigen, und auch beim Dauerläufer „Drive“ geht die Post ab, der laut Jürgen seit seiner Veröffentlichung eigentlich immer auf der Setlist der Band steht. Für alle Die Hard-Fans gibt es mit „Believe“ eine Livepremiere, denn der Song gehört bislang noch nicht zum Liverepertoire von A Life Divided. „Lay it Down“ überzeugt mit einem der wenigen waschechten Gitarrensoli von Tony Berger. Gerne hätte bei einigen Songs das Gitarrenspiel von Tony etwas dominanter ausfallen dürfen und im Gegenzug die elektronischen Keyboardsounds etwas runtergefahren werden können, da diese doch stark im Mittelpunkt der Songs stehen. Den Abschluss des ersten Teils des Abends bildet das flotte „Happy End“, bei dem sich die Elektrobeats und das Schlagzeug sehr gut ergänzen. Starker Abschluss von „Human“ bevor es ein kurzes Verschnaufpäuschen gibt.

Nach dem kurzen Break geht`s nach knapp einer Stunde in den zweiten Teil des Abends, in dem man sich den vier neueren Studioalben „Passengers“, „The Great Escape“, „Echoes“ und „Down The Spiral Of A Soul“widmet.

Nach dem Zwischenintro geht’s mit dem stampfenden „Words“ vom 2011er „Passengers“-Album fulminant weiter. Beste Stimmung auf der Bühne und im Crowd, die fast tanzbaren Rhytmen lassen die Füße im Takt mitwippen und so entwickelt sich der Auftritt mit jedem Song mehr zum Siegeszug. Es wird ge-“Push“-ed und gerockt, mit „Space“ hat man sogar einen Radiohit im Programm, der in der Vergangenheit für ordentlich Airplay sorgte.

Die meisten Besucher kommen heute von außerhalb von Augsburg und viele der Anwesenden sind Wiederholungstäter in Sachen A Life Divided, und so freut sich Jürgen besonders über die zahlreichen Erstbesucher ihrer Konzerte. Wir Rookies sind ganz klar in der Minderheit, doch geht auch uns der eingängige Refrain von „Life Goes On“ fließend über die Lippen und entpuppt sich als Stimmungsgarant.

Etwas Überraschend wird das erst vor 6 Wochen veröffentlichte Cover-Album „Rewind“ bei der Songauswahl nicht berücksichtigt, stattdessen greift man auf das bewerte Real Life- Cover „Send Me An Angel“ zurück, dem im Zugabenblock noch „Sound Like A Melody“ von Alphaville folgt, der bereits erstmals auf dem Debutalbum seinen Platz hatte. Hier hatte ich eigentlich eher das ein oder andere starke Cover wie beispielsweise „Fade To Grey“ (Visage) vom Neulingswerk erwartet, um so auch den Verkauf des neuen Albums etwas zu pushen. Doch werden die Songs wohl dann bei der nächsten Tour im Januar 2027 zum Zuge kommen. „Best Time“ gibt`s dann passend zum Abschluss des regulären Sets.

Das erwähnte Alphaville-Cover ist als erste Zugabe in einer deutlich härteren Version mit fettem Beat der perfekte Einstieg in den Zugabenteil und lässt die Stimmung nochmal ansteigen. Lautstarke Zugabe-Rufe aus dem Publikum pushen die Band nochmals zu Höchstleistung und so entwickelt sich das starke „Hearts On Fire“ auch dank des laustarken Publikums zu einem Höhepunkte des Abends, bevor nach „Last Dance“ dann der letzte Hammer fällt und nochmals deutliche Discobeats aus den Boxen schallen.

Nach knapp 130 Minuten (!) ist dann allerdings endgültig Schluss im Spectrum, und die Band verabschiedet  sich mit dem obligatorischen Stagefoto gebührend von ihren Fans. Im Gegensatz zu den heutzutage oftmals nur noch maximal 90 Minuten Spielzeit auf Sparflamme haben uns A Life Divided eine dem Anlass des Abends gebührendes Programm geboten, über das man nicht meckern kann. Ganz nach dem Motto „nicht klecken sondern klotzen“ dürften alle Fans glücklich den Heimweg aus Augsburg von dieser gelungenen Anniversary-Party angetreten haben.

Fazit:

Meinem ersten A Life Divided – Gig kann ich ein durchweg positives Fazit bescheinigen. Ausgelassene Partystimmung im Publikum, eine gut gelaunte Band und mit Jürgen Plangger haben die Jungs zudem den perfekten Frontmann (und Gitarristen), der sehr sympathisch mit dem Publikum kommuniziert und die  Fans zu jedem Moment fest im Griff hat. Auch der Sound im Spectrum war gut abgemischt, wenn mir auch das ein oder andere Mal die Einspielungen vom Band etwas zu dominant ausfielen und die Gitarren von Tony teilweise zu sehr in den Hintergrund drängten (zumindest an meinem Standort) . Glücklicherweise konnten hier Drummer Manuel Di Camillo und Basser Tobi Egger während des Gigs als Rhythmussektion für die nötige Härte und Wucht sorgen und bildeten einen guten Gegenpol zu den vielen elekronischen Samples. Hier würde vielleicht ein fünfter Mann am Keyboard live für etwas mehr musikalische Ausgewogenheit und Livefeeling sorgen. Das jedoch nur meine ganz persönliche Anregung. Größter Kritikpunkt meinerseits war die Ausleuchtung während des gesamten Abends. Hier hatte man als Fotograf nicht gerade perfekt Lichtverhältnisse, um das Geschehen auf der Bühne ordentlich einzufangen. Durch den vielen Dunst und Nebel sowie die recht penetrante blaue und rote Grundausleuchtung hatten sicherlich auch viele Zuschauer nicht gerade beste Sichtberhältnisse und so wirkte es oftmals, als ob man einen gewissen Schleier vor den Augen hat. So blieb leider auch die Fotoausbeute recht bescheiden – das geht definitiv besser und davon profitieren nicht nur wir Fotografen.

Um zum Ende nochmals auf den eingangs erwähnten und eher vorgeschobenen Grund für die Augsburg- Reise zurück zu kommen, „Die Augsburger Puppenkiste“ stand natürlich am zweiten Tag auf dem Programm, der Kindheitserinnerungen wegen kann ich den Besuch von Jim Knopf, Lukas und Urmel nur jedem empfehlen.

Und auch aus Sicht eines Rockfans gibt es mit Freddy Mercury, den Beatles, Elvis und Tina Turner einige interessante Marionetten mit Bezug zu unserem geliebten Hobby zu bestaunen.






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A LIFE DIVIDED ON TOUR:

18.07.26 Benediktbeuren (Eisbrecher Open Air)

14.01.27 Frankfurt, Das Bett*

15.01.27 Oberhausen, Kulttempel*

16.01.27 Lübeck, Riders Cafe*

22.01.27 München, Backstage Werk*

23.01.27 Leipzig, Hellraiser*

29.01.27 Nürnberg, Hirsch*

30.01.27 Hameln, Sumpfume*

31.01.27 Berlin, Frannz Club*

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A LIFE DIVIDED – Lineup:

Jürgen Plangger – Vocals, E-Gitarre

Tobi Egger – Bass,

Tony Berger – E-Gitarre

Manuel Di Camillo – Drums

A Live Divided im Web:
Website / Facebook / Instagramm / Youtube

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VERSUS GOLIATH – Lineup:

Florian Mäteling – Rap, Gesang

Andreas Zöller – Gitarre , Keyboards

Jonas Keller-May – Drums

Versus Goliath im Web

Website / Facebook / Instagramm / Youtube

Text: Thomas & Simone Jenne

Fotocredits : „Live it Loud Pix“ by Thomas Jenne

By Thomas

Musikalisch bin ich seit den 80er vor allem im melodischen Hard& Heavy-Dschungel unterwegs und immer auf der Suche nach neuen und alten Perlen. Meine absoluten Faves sind Queenaryche, Y&T, Die Toten Hosen... u.v.a.....inzwischen kann ich mich aber auch für Mittelalterrockband wie Feuerschwanz oder Saltataio Mortis absolut begeistern. Ab und an geht mein Blick aber auch mal über den Tellerrand in Richtung Speed/Trash/Death...solange Melodien erkennbar sind. Auch wenn ich schon zu der Ü50-Fraktion gehöre, findet man mich bei Konzerten und Festivals fast immer Front of Stage, denn Sitzplatz beim Rockkonzerten, das passt bei mir einfach nicht zusammen. Erst wenn es ohne Rollator mal nicht mehr gehen sollte, ist die Tribüne vielleicht ne Alternative.

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