SKÁLD und The HU live in der Tonhalle München

Manchmal lohnt es sich, die ausgetretenen Pfade des Hard & Heavy zu verlassen und musikalisch über den eigenen Tellerrand zu schauen. Wenn französische Wikinger-Barden auf mongolische Steppenrocker treffen, ist das jedenfalls Grund genug, die heimischen vier Wände hinter sich zu lassen. Unter dem Banner der Warrior Chant-Tour machten SKÁLD und The HU am 17. Oktober Halt in der Münchner Tonhalle. Eine durchaus passende Kombination, die neugierig machte.

Die Anreise aus unserer niederbayerischen Heimat Niederbayern begann noch bei strahlendem Sonnenschein. Aber je näher das oberbayrische München rückte, desto mehr machte das Wetter einen auf nordische Herbststimmung. So gab es erst Nebel und später dann auch noch Nieselregen. Für den Abend mit seinen musikalischen Ausflügen in nordische Mythen und mongolische Steppenwelten eigentlich eine ziemlich passende Einstimmung.

Angekommen in der Tonhalle, zeigte sich schnell, dass an diesem Abend ein etwas anderes Publikum zusammengekommen war als bei einem gewöhnlichen Metal-Konzert. Denn der Frauenanteil war auffällig hoch, dafür wurde die übliche schwarze Konzertuniform samt Bandshirts durch „Muggels“ aufgelockert, die in „normaler“ Straßenkleidung anwesend waren. Außerdem fanden sich auch Besucher in traditioneller mongolischer Kleidung ein, die definitiv ein Blickfang waren.

Punktabzug gab es gleich zu Beginn für das Bier. Der Brauerei, die das Zeug Bier nennt, sollte die Lizenz entzogen werden. Geschmacklich war das Ganze eine Erfahrung, auf die man hätte verzichten können. Überraschend war, dass man am Getränkestand nicht mehr bar zahlen konnte. Es war nur noch Kartenzahlung möglich, was so manchem wahrscheinlich einen trockenen Abend beschert hat.

Den musikalischen Teil des Abends eröffneten SKÁLD. Das Kollektiv aus Frankreich hat sich der altnordischen Dichtkunst und den überlieferten Gesängen der Skalden verschrieben. Die nahmen uns mit auf eine Reise in die Welt nordischer Mythen, getragen von traditionellen Instrumenten, mehrstimmigem Gesang und viel Atmosphäre. Mit Nyckelharpa, Rahmentrommeln und weiterer Percussion wurde von Beginn an eine mystische Klangwelt aufgebaut. So wurde die Tonhalle in einen nebligen, beinahe rituellen Ort verwandelt, und der Rhythmus der Trommel hatte eine Wirkung, die einen tranceartigen Zustand herbeiführen konnte. Da war auch die Auswahl der Titel, die sie an diesem Abend spielten, nicht wichtig, denn das Klangbild ergab einen stimmigen Klangteppich. Große Ansagen gab es kaum. Das war allerdings auch nicht nötig, denn die Musik sprach für sich.

Nach dem mystischen Auftakt wurde es bei The HU deutlich lauter und druckvoller. Die Band aus der Mongolei hat mit ihrem sogenannten Hunnu Rock längst eine ganz eigene Nische besetzt. Traditioneller mongolischer Kehlkopfgesang und traditionelle Instrumente paaren sich mit fetten Rockriffs und das funktioniert. Nach einem kurzen Intro legten The HU mit Lost Soul direkt energiegeladen los und sorgten sofort für Bewegung im Publikum. Dabei gelang es der Band, ihre musikalischen Wurzeln nicht als bloße Folklore-Schmuckstücke zu präsentieren, sondern sie ganz selbstverständlich mit ihrem modernen Sound zu verbinden. Dass die Mongolen auch emotional können, bewiesen sie bei Echoes Of My Father. Hier zeigte sich die ruhigere, gefühlvollere Seite der Mongolen, bevor die Stimmung gegen Ende mit Yuve Yuve und Wolf Totem noch einmal ordentlich nach oben ging. Ein besonderer Moment war der Geburtstag von Sänger Gala. Band und Publikum ließen es sich nicht nehmen, gemeinsam ein Happy Birthday anzustimmen. Eine schöne Geste, die für einen kurzen Augenblick den Konzertbetrieb zur Nebensache machte. Aber das war nicht die einzige Unterbrechung des Auftritts, denn aufgrund eines Zwischenfalls im Publikum reagierte die Band professionell und wartete ab, bis es weitergehen konnte. Was genau passiert war, ließ sich von unserer Position allerdings nicht beurteilen. Anschließend machten The HU mit derselben Energie weiter, mit der sie zuvor die Bühne übernommen hatten.

Für die Zugabe kehrten die Mongolen schließlich noch einmal zurück. Mit der Frage, ob die Zuschauer Iron Maiden kennen, war die Überraschung bereits angekündigt. Was folgte, war deren Version von The Trooper, natürlich auf Mongolisch! Dass die Fans dabei trotzdem textsicher mitgingen, versteht sich fast von selbst. Ein passender Abschluss, der noch einmal für ordentlich Stimmung sorgte.

By Christian B

Ich höre alles von traditionellem Heavy Metal, Black, Death, T(h)rash, Folk. Power über Punkrock und was es sonst noch so alles gibt, gut muss es halt sein. Wobei es mir allerdings die Zehennägel aufstellt, ist langweiliger Prog wie in Dream Theater, Queensrÿche, Opeth und Co. zelebrieren. Da schlafe ich schlichtweg ein.

Related Post