SHAKRA – das große Interview mit Mark Fox zum neuem Album – Just live it Loud!

Die Schweizer Hardrocker lassen keinen Zweifel daran, dass sie noch einiges vorhaben.

Ein neues Album bedeutet neue Songs, neue Geschichten und natürlich jede Menge Rock’n’Roll. Shakra melden sich mit frischem Material zurück und zeigen einmal mehr, warum die Schweizer Hard-Rock-Band seit Jahrzehnten eine feste Größe der Szene ist. Mit Just Live It schlagen Shakra das nächste Kapitel ihrer langen Hard-Rock-Geschichte auf. Ein Album voller Energie, Leidenschaft und jener kernigen Riffs, die seit jeher zum Sound der Schweizer gehören. Grund genug, bei Frontmann Mark Fox genauer nachzufragen. Im Interview sprechen wir über das neue Album, die Geschichten hinter den Songs, die Arbeit im Studio und darüber, wo Shakra heute stehen.

Bine: Just live it Loud! Ihr habt doch einige Zeit am Album gefeilt und die Songs wahrscheinlich hunderte Male gehört. Könnt ihr das Album hören, ohne zu denken, das wäre noch das eine oder möglich gewesen

Mark: Ganz abstellen kann man diesen Blick wahrscheinlich nie. Wenn man so lange an einem Album arbeitet, kennt man irgendwann jede Kleinigkeit. Aber es gibt einen Punkt, an dem man es auch loslassen muss. Sonst könnte man ewig weiterarbeiten. Ich bin mit «Just Live Loud!» sehr glücklich und auf meine Gesangsleistung besonders stolz. Für mich ist es meine bisher beste.

Bine: Just Live Loud! erscheint nach über 30 Jahren Bandgeschichte. Schaust du am Veröffentlichungstag noch nervös auf die Charts – oder ist dir das inzwischen ziemlich egal?

Mark: Natürlich interessiert mich das noch. Man steckt viel Arbeit und Herzblut in ein Album, und dann möchte man wissen, wie es ankommt. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, eine gute Platzierung sei mir egal. Aber beim Schreiben überlegen wir nicht, was uns möglichst weit nach oben bringen könnte. Wir machen zuerst einmal die Musik, die uns selbst gefällt.

Bine: Dazu möchte ich euch natürlich erst einmal gratulieren: Mit dem Album seid ihr wie der Blitz auf Platz eins der Schweizer Charts geschossen. Ein sensationeller Start für
Just Live Loud! – das macht doch sicherlich richtig stolz, oder?

Mark: Absolut! Es ist unsere dritte Nummer eins nach «Powerplay» und «Invincible». Das ist nichts, was man einfach erwarten kann. Und bei mir kam die Nachricht auch noch zum Geburtstag. Ein schöneres Geschenk hätten uns die Fans kaum machen können. Sie haben die CDs und LPs gekauft, das Album heruntergeladen und uns das ermöglicht. Dafür bin ich wirklich dankbar.

Bine: Nach über 30 Jahren habt ihr einen Sound, den man ziemlich schnell einen Wiedererkennungswert nennt. Gibt es trotzdem musikalische Ideen, bei denen selbst deine Bandkollegen vielleicht sagen: Naja das machen wir jetzt aber wirklich nicht?

Mark: Eine Idee muss uns überzeugen, nicht irgendeine Vorstellung davon erfüllen, was gerade angesagt ist. Wir haben natürlich einen eigenen Geschmack und wissen ziemlich gut, was zu uns passt. Trotzdem ist nicht alles ausgeschlossen, nur weil wir es noch nie gemacht haben. «Left Outside Alone» mit Seraina ist ein gutes Beispiel. Entscheidend war, dass wir selbst Lust darauf hatten und es sich für uns richtig angefühlt hat.

Bine: Wie ist die Idee für das Cover von „Just live it Loud entstanden? War zuerst die Musik und daraus entwickelte sich das Artwork oder gab es dieses Bild beziehungsweise die Grund Idee schon vorher?

Mark: Zuerst war der Titel da, dann kam das Cover. Die Faust hatte ich schon sehr früh in den ersten Skizzen. Anfangs kam sie aus dem Boden, in verschiedenen Umgebungen und aus unterschiedlichen Richtungen. Das ist das Tolle an der Arbeit mit CGI: Man kann sich richtig austoben und ein Modell zunächst in ganz verschiedenen Szenen ausprobieren. Die Faust frontal hatte am Ende einfach die stärkste Bildsprache. Sie ist direkt verständlich, ohne dass es dazu noch irgendwelche zusätzlichen Gedankengänge braucht.

Bine: „Lost Generation“ trifft für mich ziemlich gut einen aktuellen Zeitgeist. Beobachtest du manchmal die heutige Welt und denkst: Wo sind wir eigentlich falsch abgebogen?

Mark: Bei «Lost Generation» geht es für mich um einen ewigen Generationenkonflikt. Jede Generation nutzt ihre Ressourcen so stark, dass die nächste vieles wieder neu aus dem Boden stampfen muss. Das
Bine: Bei „Legends Never Die“ nehmt ihr deutliche Härte raus, ohne dass der Song an Kraft verliert. Wie schwierig ist es eigentlich, eine Ballade zu schreiben und zu singen, die Gefühle weckt, ohne in Kitsch abzurutschen?

Mark: Für mich liegt die Grenze darin, ob ich dem Song glaube. Ich möchte beim Singen nicht auf Knopfdruck möglichst viel Gefühl vorführen. Es muss aus dem Text und der Musik kommen. Weniger Härte heisst ja nicht weniger Intensität. Manchmal berührt einen eine zurückgenommene Stelle stärker als der grösste Ausbruch. Und wenn man merkt, dass man etwas nur noch aufbläst, damit es besonders emotional wirkt, ist es wahrscheinlich zu viel.

Bine: „Screaming Silence“ ist mit über acht Minuten für Shakra schon ein besonderes Kaliber. Wann habt ihr gemerkt: Diesen Song dürfen wir nicht auf vier Minuten zurechtstutzen?

Mark: Warum nicht? Wir machen uns keine Gedanken über die Länge eines Songs. Wenn ein Song diesen Raum verlangt, dann bekommt er ihn auch. Diskussionen gibt es bei uns deswegen nicht.

Bine: Bei „Wasteland Warriors“ wird es musikalisch härter und inhaltlich etwas düsterer. Braucht ein positives Album wie Just Live Loud! gerade solche dunkleren Momente?

Mark: Der Song hat ja selbst eine positive Aussage. Es geht um die unglaubliche Resilienz der Menschheit: Selbst aus dem kleinsten Hoffnungsschimmer können wir wieder Kraft schöpfen und weitermachen. Das finde ich faszinierend. Die Umgebung mag düster sein, aber die Aussage ist voller Hoffnung

Bine: Seraina Telli ist bei „Left Outside Alone“ alles andere als eine unauffällige zweite Stimme. Was hat sie in den Song gebracht, was Mark Fox allein nicht hätte hineinbringen können?

Mark: Sie bringt ihre eigene Stimme und Persönlichkeit mit. Es ging nicht darum, dass unserer Version noch etwas gefehlt hätte. Wir kannten Seraina von der gemeinsamen Tour und waren von ihrer Stimme begeistert. Deshalb wollten wir den Song mit ihr aufnehmen. Am Arrangement hat ihre Beteiligung nichts verändert, aber durch das Zusammenspiel unserer Stimmen entsteht natürlich etwas anderes, als wenn ich allein singe.

Bine: Eines die persönlichsten Momente ist der wunderschöne Song „High Above the Storm“, der Deiner Tochter gewidmet ist. Diesen Song ist Gänsehutfeeling pur, was bedeutet es Dir als Vater diese Momente mit der Welt zu teilen

Mark: Ich habe den Text geschrieben, um meiner Tochter zu sagen, dass ich immer für sie da bin, egal, welchen Weg sie einmal einschlägt. Dass so etwas Persönliches dann auch andere Menschen berührt, ist sehr schön. Sie schenkt mir ja umgekehrt auch unglaublich viel: Ich entdecke durch sie Dinge nochmals neu, an denen ich sonst vielleicht einfach vorbeigehen würde. Das wollte ich in diesem Song ausdrücken. Die Botschaft darf jeder hören, ohne dass ich deshalb unser ganzes Privatleben öffentlich machen muss.

Bine: Ihr habt eine ungewöhnlich enge Verbindung zu euren Fans. Gab es einmal eine Begegnung oder Geschichte eines Fans, bei der dir erst richtig bewusst geworden ist, welche Bedeutung ein Shakra-Song für einen anderen Menschen haben kann?

Mark: Vor einigen Jahren kam nach einer Show beim Autogrammegeben eine junge Frau völlig fasziniert auf mich zu und sagte, ich sei ein Engel. Das war keine Anmache und hatte auch nichts Religiöses oder Fanatisches. Es war einfach ein Ausdruck ihrer Emotionen. Das hat mich tief beeindruckt und mir gezeigt, wie weit wir mit unserer Musik in die Gefühlswelt eines Menschen vordringen können.

Bine: Ihr geht demnächst auf große Tour, um das Album zu promoten. Was bedeutet es für Euch auf Tour zu sein, die Momente mit der Band, den Fans und was passiert nach der Show bei Euch Backstage?

Mark: Nach der Show freuen wir uns darauf, Autogramme zu geben, mit den Leuten zu quatschen und eine gute Zeit zu haben. Man trifft wirklich überall so nette Menschen. Danach wird der Bus geladen, und es geht ins Hotel. Am nächsten Tag steht schliesslich die nächste Show an. Wir sind auch keine zwanzig mehr, deshalb ist diese kurze Erholung zwischen den Konzerten sehr wichtig.

Bine: Mehr als 30 Jahre Shakra bedeuten auch verdammt viele gemeinsame Geschichten. Über welche Episode könnt ihr fünf heute noch lachen, obwohl sie damals überhaupt nicht lustig war?

Mark: Da gibt es sehr viele Dinge. Meistens ist an einem Gig etwas schiefgelaufen, das damals unglaublich ärgerlich war und über das man im Nachhinein wirklich lachen kann. Beim Sweden Rock Festival musste ich mich zum Beispiel auf der Bühne übergeben. Unser damaliger Bassist konnte gerade noch einen eleganten Hüpfer zur Seite machen und bekam deshalb nichts ab. Damals war das schlimm. Heute lachen wir darüber, weil die Situation mit etwas Abstand betrachtet einfach komisch ist.

Bine: Hat man als Musiker manchmal das Gefühl, dass Streaming zahlen und Chartpositionen heute wichtiger genommen werden als die Frage, ob ein Album die Menschen wirklich erreicht.

Mark: Zahlen sind leicht zu vergleichen, deshalb wird oft zuerst darüber gesprochen. Was ein Song einem Menschen bedeutet, lässt sich dagegen nicht einfach in eine Tabelle schreiben. Trotzdem finde ich, dass sich das nicht ausschliessen muss. Wir freuen uns riesig über Platz eins. Aber ich würde nicht sagen, dass ein Album weniger wert ist, nur weil es keine hohe Chartposition erreicht. Entscheidend bleibt, was die Musik bei den Leuten auslöst.

Bine: Gibt es einen Song, den du schon unzählige Male gesungen hast und bei dem du trotzdem jedes Mal denkst: Auf den freue ich mich heute Abend?

Mark: «Rising High». Das war der erste Song, den ich mit SHAKRA gemacht habe. Er fehlt an keinem Konzert und ist seit Jahren der letzte Song jeder Show. Auf den freue ich mich immer wieder.

Bine: Und umgekehrt: Gibt es einen Song, den die Fans unbedingt hören wollen, bei dem du manchmal denkst: „Leute, wir haben doch noch so viele andere!“?

Mark: Natürlich möchte man auch neue Songs spielen. Gleichzeitig verstehe ich, dass die Leute ihre Lieblingsstücke hören wollen. Für sie hängen vielleicht ganz bestimmte Erinnerungen daran. Bei der Setlist muss man beides zusammenbringen: die Songs, auf die sich die Fans freuen, und das, was uns gerade musikalisch beschäftigt.

Bine: Auf der Bühne sieht man zwei Stunden Rock’n’Roll. Der Rest einer Tour besteht aber aus Bus, Warten, Soundcheck und wieder Bus. Was liebst Du am Tourleben – und worauf kannst Du mittlerweile sehr gut verzichten?

Mark: Ich liebe diese Entwurzelung auf Zeit. Sie gibt mir ein Freiheitsgefühl, das ich unbedingt in meinem Leben brauche und immer schon gebraucht habe. Für eine gewisse Zeit unterwegs zu sein, bedeutet mir sehr viel.

Bine: Mit Caroline Breitler hast Du den Titel „If Nobody Loves you (Will be there) eingesungen Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?

Mark: Ich habe für Caro schon viele grafische Arbeiten gemacht, und sie ist auch ein grosser SHAKRA-Fan. Letztes Jahr hat sie mich gefragt, ob ich dieses Duett mit ihr singen würde. Meine Antwort auf solche Anfragen ist immer, dass ich zuerst den Song hören muss – ganz egal, von wem er kommt. Erst danach entscheide ich. In erster Linie muss mich ein Song berühren und etwas in mir auslösen. Das hat dieser Song getan, deshalb habe ich sehr gerne zugesagt. Mit dem Resultat bin ich mehr als zufrieden. Und ich hoffe natürlich, dass mein Name Caro auch dabei helfen kann, mit ihrer Musik eine grössere Reichweite zu erzielen.

Bine: Kannst Du Die in nächster Zukunft mehr Duette vorstellen?

Mark: Ja, grundsätzlich schon. Entscheidend ist für mich das, was ich gerade beschrieben habe: Der Song muss mich berühren und etwas in mir auslösen.

Bine: Leider sind wir am Ende unseres Talks angekommen. Vielen Dank für Deine offenen Worte, die Geschichten und der Blick hinter die Kulissen von Shakra. Für Just Live Loud! und die kommenden Shows wünschen wir euch natürlich alles Gute und Dir lieber Mark, vor allem weiterhin genau das, was der Albumtitel schon sagt: Just Live Loud!

Mark: Vielen Dank, Bine, für dein Interesse und deine Unterstützung. Und danke an alle, die sich unser neues Album geholt haben und zu den Konzerten kommen. Hört rein, dreht auf, und wir sehen uns unterwegs. Just Live Loud!

Line Up:
Thom Blunier – Lead Guitars
Mark Fox – Vocals
Thomas Muster – Guitars
Cyril Montavon – Bass
Roger Tanner – Drums

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By Bine

Macht hauptsächlich Live Foto Reportagen & Interviews. Ist Fotografin diverser österreichischer Bands und Locations von Oberösterreich bis Tirol. Musikalisch unterwegs im Bereich Hardrock, Power Metal, Prog & Classic Rock. Kann von allen ein bisschen zB fotografieren, reden und lacht auch mal gerne über sich selber !

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