„No Sleep After X-mas 2025“ – Metallischer Jahresabschluss beim 2-Tages Indoor-Festival in Runkel/Hessen – Festivalreport

Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr gilt allgemein als Verschnaufpause vom Alltagsstress, die Zeit in der man die Seele baumeln lässt und sich wenn möglich ein paar Tage Auszeit und Entspannung gönnt. Nicht so die Metal-Community in beschaulichen Städtchen Runkel, unweit von Limburg an der Lahn in Mittelhessen, denn dort fand unmittelbar nach den Weihnachtsfeiertagen zum nun 3. Mal das „No Sleep After X-mas“-Festival statt. Runkel, äh wo liegt das denn? –  war mir bislang völlig unbekannt und erst ein Blick auf Google Maps zeigte, wohin nach Weihnachten die Reise für mich und meine Frau gehen sollte. 2 Tage Metal-Indoor-Festival zum Jahresausklang, das hört sich doch gut an und lässt sich wunderbar mit ein paar Tagen Urlaub am Jahresende verbinden.

So ging`s für uns am Samstagmorgen nach dem Frühstück in 2,5 Stunden Richtung Hessen, denn dort traten in der Stadthalle insgesamt 15 Metalbands der verschiedensten Metal-Genres auf. Von Folk Metal über Symphonic Metal, Power Metal und Hardrock war für alle Fans der harten Sorte einiges an diesem Wochenende geboten.

Für uns ein echter Katzensprung, vergleicht man die Anreise eines japanischen Metalfans, der tatsächlich den weiten Weg nach Runkel extra wegen dem Festival auf sich genommen hatte, um live mit dabei zu sein. Am Tag darauf ging´s für ihn dann wieder zurück ins Land der aufgehenden Sonne. Hut ab davor!

Nachdem bereits zur Premierenausgabe des Festivals mit Visions of Atlantis und Wind Rose sowie im Vorjahr mit Majestica, All For Metal und Gloryhammer international recht bekannte Namen auf dem Lineup auftauchten, hatte man sich auch in diesem Jahr wieder ein mehr als interessantes Billing zusammengestellt. Wenn auch die ganz großen Namen der Szene noch fehlten, wurden doch mit u.a. den Warkings und Manntra zwei Bands an die Spitze des Billings gesetzt, die gerade auf den besten Weg sind, in ein paar Jahren vielleicht die Lücken zu schließen, die dann durch das Ausscheiden der ganz „großen“ Bands der vergangenen Jahrzehnte im Rock Biz entstehen dürfte. So waren wir sehr gespannt, was uns in Runkel an den nächsten beiden Tagen musikalisch erwarten würde, zumal wir einige der auftretenden Bands bislang nicht kannten bzw. wir Sie erst als Vorbereitung auf das Festival kurz angetestet hatten.

Auch wenn die Weihnachtsfeiertage bereits vorbei waren, zeigte sich doch, dass Metaller auch eine weiche Seite haben. Die Weihnachtsdeko hatte ja noch lange nicht ausgedient und so wurde die Lichterkette kurzerhand als Kuttenbeleuchtung umfunktioniert.


Tag 1:

Battle Tales

Bereits um 12:30 gings musikalisch los und Battle Tales eröffneten das Festival mit einem Mix aus Pagan Metal und Power Metal. Bereits zu früher Stunde waren zahlreiche Zuschauer in der Halle, um sich die erste Band des Tages anzuhören.

Leider war der Sound zu Beginn der Show der schweizer Band recht dürftig und so gelang der Auftritt leider nicht ganz so gut, was wohl auch an den recht eintönigen Songs lag, die wenig Überraschungen bot. Besser gelungen war da schon das Maskottchen der Band, das ein tolles Fotomotiv darstellte.

Fabula Rasa

Weiter ging`s mit Fabula Rasa aus Düsseldorf, die mit Folk Metal die Metalheads für sich begeistern wollten, was jedoch leider nicht gelingen wollte. Bis auf das Blind Guardian-Cover „Valhalla“, bei dem erstmals das Publikum auftaute, war der Auftritt wenig spektakulär, ganz nett anzuhören, doch auch schnell wieder vergessen.

Timeless Rage

Bei der dritten Band des Tages Timeless Rage im Schwarzwald gab`s  erstmals einen richtigen Stimmungspeak im Publikum. Die Band aus Villingen-Schwenningen mit Frontmann Nicolaj Ruhnow (u.a. Ex-Tokyo Blade) schaffte trotz abermaliger Soundprobleme zu Beginn und dadurch entstehender langer Pause das Publikum erstmals mit ihrem Mix aus Power- und Symphonic Metal zum Mitsingen zu animieren. Das lag sicherlich neben einem guten Sänger am Mikro auch an den recht eingängigen Songs der Band, die deutlich mehr Metalfans ansprachen als die beiden Bands zuvor. Auch Keyboarderin Anna Keil konnte ihren Beitrag zu einem gelungenen Auftritt beisteuern.

Highlight sicherlich „Warriors“, bei dem das Publikum fleißig mitsingen konnte. Ein gelungener Gig, der Lust auf mehr machte. Timeless Rage sollten Fans von Bands wie Mob Rules oder auch Powerwolf auf dem Schirm behalten.

Elettra Storm

Mit Elettra Storm aus Italien folgte dann die erste Female Fronted Band des Festivals. Die Band um Sängerin Crystal Laura Emiliani verschreibt sich dem symphonischen Powermetal italienischer Prägung im Stile von Bands wieRhapsodie of Fire oder Frozen Crown, gepaart mit dem schnellen Gitarrenspiel vonDragonforce. Die Riffs der beiden Saitenhexer Francis D. Mary und Matteo Antonidürften wohl die schnellsten des gesamten Festivals gewesen sein, konnten aber nicht nur durch die Geschwindigkeit überzeugen. Leider ging mir das ständige Doublebass-Geprügel nach einigen Songs etwas auf den Nerv. Fans von weiblichem Gesang dürften auf die Kosten gekommen sein. Auch wenn nicht alle Songs zündeten, konnten Elettra Storm mit ihren melodischen Titeln  insgesamt doch überzeugen.

Serentity

Eigentlich waren nun als nächstes Skull & Crossbones angekündigt, doch da die Italiener von Derdian ihren Auftritt als Co-Headliner aus gesundheitlichen Gründen leider kurzfristig canceln mussten, wurde der Auftritt von Serenity vorgezogen, um Frontmann Georg Neuhauser etwas Zeit zum Verschnaufen zu gönnen, hatte er mit den Warkings doch am Ende des Tages noch einen zweiten Auftritt zu bestreiten.

Mit Serenity folgte das erste Highlight des Tages und auch die Stimmung in der Halle stieg nun merklich an. Die Symphonic-Metaller aus Österreich legten dank ihrer inzwischen auch schon fast 25- Jährigen Bühnenerfahrung eine deutlich professionellere Performance auf die Bühne. Mit Georg Neuhauser und Gitarrist Marco Pastorino hat die Band aus Tirol zwei Vollprofis in ihren Reihen, die nicht nur für Ihre Auftritte mit Serenity in der Szene bekannt sind. Melodischer Symphonic Metal mit eingängigen Songs sind die Kernkompetenz von Serenity, thematisch verankert in der Welt von Sagen und Königen aus dem Mittelalter.
Angeführt von Georg am Mikro legen die sympathischen Österreicher einen überzeugenden Auftritt hin. Die gute Laune der Band überträgt sich sofort auf die Fans und sorgt spielend für eine gute Stimmung in der Halle „Legacy of Tudors“ oder „Lionheart“ ragen als Highlight aus einer insgesamt tollen Show heraus.

Skull & Crossbones

Die aus Villingen -Schwenningen stammende Band Skull & Crossbones profitierte nun im Anschluss von der Absage von Derian und rutschte einen Platz im Linup nach oben, bekam so auch etwas mehr Zeit wie ursprünglich veranschlagt um ihr kürzlich erschienenes Album „Time“ ausgiebig zu promoten. Nachdem ich die Band im Oktober als Support von Q5 in Bruchsal erstmals live erleben konnte, zeigten die fünf Musiker um Frontmann  Tobi Hübner in Runkel  einen nochmals deutlich stärkeren Auftritt. Mit Songs wie dem saustarken „Echoes Of Eternity“ oder dem etwas progressiveren „The Illusionist“ konnte mich die Band richtig überzeugen und waren einer der positiven Überraschungen des Festivals für mich. Auch das Publikum war angetan von den Songs vom „Time“-Album, sodass der Auftritt bis auf die noch immer herrschenden Soundprobleme mehr als gelungen bezeichnet werden kann. Ich werde die Band künftig auf jeden Fall dem Schirm behalten.

Warkings

Das Finale am Samstagabend gehörte dann ganz dem Tribun, dem Gladiator, Crusader und dem Viking, besser bekannt als die Warkings, die mit ihrem Power Metal eine phantastische Show auf die Bühne zaubern. Mit ihren energiegeladenen Songs über die Schlachten und Kriege aus Zeiten der Römer bis ins Mittelalter begeisterten die vier Krieger das Publikum nachhaltig. Die Erweiterung der Band um Morgana Le Fay eröffnet auch an diesem Abend den Warkings nicht nur neue musikalische Facetten, sondern hebt auch die Bühnenperformance auf ein neues Level. Ihre Präsenz sorgt für Dynamik, Abwechslung und zusätzliche Spannung im Live-Auftritt. Highlight stellen die Songduelle in „Armageddon“ oder bei „Sparta“ zwischen Morgana und dem Tribun dar.

Leider verpasste ich den mittleren Teil der Warkings-Show und musste mich um meine Frau kümmern, die ausgerechnet zur Primetime mit Kreislaufproblemen zu kämpfen hatte und nach einem langen Tag in der Halle nach kurzem Blackout frische Luft benötigte. So ging leider ein Teil der Show an mir vorbei und erst zum Finale waren wir wieder in der Halle, glücklicherweise noch rechtzeitig um die letzten Songs einer grandiosen Show noch mitzubekommen. „Sparta“ zusammen mit den Crowls von Morgana schaffte Gänsehaut und Runkel dankte den Warkings in Form lauter Schlachtgesänge und „Ahu`s“. Die Begeisterung war unüberhörbar und die Metalheads hatten noch längst nicht genug der Schlachten.

Zum Finale wurden mit „We are Monsters“ die dunkle Seite von Kriegen und Soldaten textlich beleuchtet, bevor dann der „Gladiator“ in die Arena gelassen wurde, der heute mal nicht den Löwen zum Fraß, sondern einem begeisterten Publikum vorgeworfen wurde – einer der Highlights des Abends. Gelungen auch hier die dunklen Crowls von Morgana, die einen spektatulären Abschluss einer geilen Show bilden. Die Abschlussfrage des Tribuns „What is your Profession?“ wurden natürlich nochmal mit einem lauten „Ahu“ quittiert.

Nach 11 Stunden Metal war dann gegen 23:30 musikalisch zunächst mal für heute Feierabend, bevor es am nächsten Tag mkit Teil 2 genauso fulminant weitergehen sollte.


Tag 2:

Gutter Bones

Nach kurzer Erholung über Nacht, ging`s am Sonntag bereits um 12:30 schon wieder in die zweite Runde des NoSax 2025. Den Anfang machten Gutter Bones, die kurzfristig für Varus einsprangen. Mit Ihrem harten Rock`n Roll dürften sie ganz besonders Fans von Motörhead angesprochen haben. Nicht schlecht zum Einstieg, doch nicht ganz mein Ding.

Skytribe

Die folgenden Skytribe hatte ich mir kurz mal im Vorfeld angehört. Die neue Symphonic Metal Band aus Deutschland hatte vor einem Jahr ihre Debut-Single „Kingdom of the Sky“ veröffentlicht und im Juni mit „Legacy of Live“ nochmals nachgelegt. Leider konnte mich Frontfrau Dorothée Kahler mit Ihrer Stimme bis auf die beiden genannten Singleauskopplungen nicht richtigüberzeugen. Zu oft klangen die Töne etwas zu schrill und live konnte Sie das Niveau der beiden Singles nicht über den gesamten Auftritt halten. Aber Skytribe stehen ja auch erst am Anfang ihrer Bandkarriere, da muss man mal abwarten was die Zukunft bringt.

Deathless Legacy

Mit den Horror-Metaller Deathless Legacy folgte meine persönliche Überraschung des Festivals, zumal ich mich im Vorfeld neben den beiden Headlinern ganz besonders auf die Italiener mit ihrer spektakulären Show gefreut hatte. Mit ihrer phenomenalen Videosingle „Sanctified“ und ihrem aktuellen Album „Damnatio Aeterna“ hatten mich Frontfrau Eleonora „Steva“ Vaiana und ihre Mitstreiter im Vorfeld mächtig beeindruckt.

Trotz erneuter Soundprobleme zum Start mit dem Opener „Damnatio Aeterna“, bei dem die Stimme von Eleonor fast überhaupt nicht zu hören war, scherte sie sich im wahrsten Sinne des Wortes einen Teufel und legte los wie von der Tarantel gestochen. Das kleine Energiebündel war permanent in Action und war mit ihren diabolischen Gesichtsausdrücken für uns Fotografen ein mehr als dankbares Fotomotiv bei unserer Arbeit im Graben. Doch nicht nur Eleonora bot Anlass zu Dauerfeuer an der Kamera, auch ihre Mitmusiker und ganz besonders die Performance-Künstlerin der Band mit Namen „The Red Witch“ sorgte für prächtige Bilder und große Augen im beeindruckten Publikum. Nachdem dann auch endlich der Gesang im Publikum zu hören war, zeigte sich endlich auch das volle Potential der Band und besonders der Stimme von Eleonora. Mit ihren kraftvollen Vocals, die mit jeder Menge Power in den Stimmbändern ausgestattet sind, mal melancholisch sanft, dann wieder zum diabolischen Vocals hin und her wechselte, bot sie eine starke Metal-Performance mit Horror-Ästhetik. Neben den starken Songs vom aktuellen Album boten die Italiener auch einige Songs des Vorgängeralbums „Mater Lavarum“ und den Titeltrack „Ritual of Black Magic“ von Album Nr. 5. Die Band begeistert die Zuhörer trotz früher Stunde mit Ihrem dunklen und okkulten Gesamtkonzept, dass an vielen Stellen auch Dank der symphonischen Keyboardklänge etwas an ein Horror-Musical erinnerte.

Ein Priester, ein Engel und die Austreibung des Bösen einer besessenen Nonne wurden optisch sehr gelungen umgesetzt und unterstrichen die ungewohnte okkulte Ausrichtung der Band und machen die Show deswegen so besonders. Auch wenn Okkultismus wohl nicht jedermanns Sache sein dürfte, haben die Keyboardsvom Mann an den Tasten Alex van Eden gepaart mit dentreibenden Gitarren- und Schlagzeugparts die theatrale Szenerie nochmals verstärkt und machten aus der Deathless Legacy-Show insgesamt ein Gesamtkunstwerk der besonderen Art, dass einen unweigerlich faszinierte und in den Bann gezogen hat. Man möchte sich kaum vorzustellen, wie die Show erst zu späterer Stunde bei Dunkelheit und entsprechender Beleuchtung gewirkt hätte.

Doch überzeugte der Auftritt nicht nur showtechnisch auf ganzer Linie, auch musikalisch konnten Songs wie „Ora Pro Nobis“ und das abschließende „Gehenna“ mit seinem düsteren druckvollen Gesamtsound die Metalheads absolut begeistern. Dies war auch an der Reaktion des Publikums zu verspüren, das die Band lautstark abfeierte, und nach der Show für ordentlich Andrang am Merch-Stand sorgte.

Einziger Wehmutstropfen neben den Soundproblemen war das Fehlen der bereits erwähnten fast souligen Ballade „Sanctified“ und dem saustarken Metalstampfer „Nighshade“.

Trotzdem war der Auftritt v on Deathless Legacy mein persönliches Highlight.

Vansind

MIt Vansind ging`s  im den hohen Norden mit  einer mir bislang unbekannte Band aus Dänemark weiter. Die in Landessprache gesungenen Songs kamen eher für Freunde von Folk Metal oder Viking Metal in Frage. Neben den für unsere Ohren etwas ungewöhnlich klingenden Gesang in nordischem Dialekt trugen vor allem die Flöte und der Dudelsack von Keyboarderin zu einem eigenständigen Sound bei. Die Vocals teilten sich „Krieger“ J. Asgaard und Bandkollegin Line Burglin am Mikro. Die dunklen Parts und der hohe klare Gesang bildeten zwar einen guten Kontrast, wollten aber irgendwie den Funke bei mir nicht so richtig überspringen lassen. Obwohl mich der Sound von Mittelalterrock inzwischen wirklich begeistern kann, trafen die Songs an diesem Tag nicht ganz meinen Geschmack  und auch in der Halle war die Stimmung eher zurückhaltend, wohl auch, weil die wenigsten Zuschauer die Songs der Band kannten, geschweige denn mitsingen konnten.

Apostolica

Mit den im Fahrwasser von Powerwolf schwimmenden Apostolica ging´s dann wieder etwas mystischer zu. In dunkle Gewänder gekleidet, die Gesichter geheimnisvoll hinter Masken versteckt, kamen die Italiener um den sagenumworbenen Frontmann Ezekiel auf die Bühne. Mit ihrem melodischen Symphonic Power Metal mit leicht sakralen Touch kamen Apostilica in Runkel sehr gut an und ernteten ordentlich Applaus. Apostolica inszenierten ihre Musik stark symbolisch und historisch aufgeladen, die teils in Latein gesungenen Textstrophen verstärkten den epischen und religiösen Charakter der Show zusätzlich.
Vor allem mit Songs wie „Sanctus Spiritus“ vom Debutalbum „Haeretica Ecclesia“, dem Titeltrack ihres zweiten Album „Animae Haeretica“ oder meinem Favoriten „Skyfall“ konnte die Band ordentlich punkten. Schnelle Doublebass, dazu eingängige Melodien und starke Vocals, ergänzt um eine Prise mysteriösem Kirchensound, das Gesamtkonzept passte und machte Spaß, auch wenn an der ein oder anderen Stelle Atilla & Co grüßen lassen.

Wer die Band bislang nicht kannte, fragte sich vielleicht, wer wohl hinter den Masken stecken mag? Bei genauem Beobachten und scharfem Blick konnte man das Geheimnis jedoch lösen, denn trotz den Masken ließ sich die Identität einiger Bandmitglieder nicht ganz verbergen und man konnte feststellen, dass die geheimnisvollen Musiker zu späterer Stunde teilweise nochmals auf der Bühne stehen würden. Mehr sei jedoch an dieser Stelle nicht verraten.

Alles in Allem ein mehr als gelungener Auftritt.

Sellsword

Mit Sellsword ging`s dann mit waschechtem Power Metal weiter. Auch die Briten hatte ich bislang noch nicht gehört, doch begann der Auftritt recht vielversprechend. Mit „Against the Wind“ vom Debut …And Now We Ride“ aus dem Jahr 2016 hatte man einen echten Song mit Hitpotential an Bord, der sofort im Ohr hängen blieb und das Publikum sofort ansprach. Leider konnte das Niveau des Songs im Verlauf des Gigs nicht ganz gehalten werden und so verflachten die Songs leider im Laufe des Gigs etwas.

Temperance

Mit seinem insgesamt dritten Auftritt während des  diesjährigen NoSax angelt sich Marco Pastorino mit Temperance mit großer Wahrscheinlichkeit den Titel „Workoholic des Festivals“, denn neben den Auftritten als Sänger und Gitarrist war Marco auch längere Zeit am Merchstand für den Verkauf von Fanartikeln zuständig und hat sicherlich auch wieder den Bandbus nach dem Festivalende in Richtung Italien gesteuert. Unglaublich die Vielseitigkeit des Italieners, der neben der Gitarre bei Temperance auch mal schnell die Vocals übernimmt.

Doch wird die italienische Bandvon Ihren Fans natürlich vor allem wegen des Gesangsduo Michele Guaitoli (u.a. Vision Of Atlantis) und der US-Sängerin Kristin Starkey geliebt, die im Mittelpunkt der Band stehen  Kristin, übrigens mit abgeschlossenem Studium und Doktortitel dekoriert, bringt viel Erfahrung aus ihren Auftritten in der Oper in den USA mit in die Band. Ihre opernhafte Stimme prägt an diesem Abend den melodische Symphonic-Metals und unterstreicht mit ihrem Glitzerkleid zusätzlich den glamourösen Charakter des Auftritts. Bei „I am the Fire“ zeigt sie erstmals, zu welchen Höhenlagen sie Ihre Stimme treiben kann, sodass die Gläser an der Theke des Ausschanks zu platzen drohten.

Im Anschluss ein gefühlter  Cut: mit „Darkness is Just a Drawing“ wird man urplötzlich vom Metal-Konzert direkt in die Oper gebeamt und Kristin zeigt eindrucksvoll, dass sie eine klassische Ausbildung zur Opernsängerin durchlaufen hat. Den opernhaftem Gesang zu klassischer Musik, hört man nicht alle Tage bei einen Metalkonzert, am ehesten noch bei einem Konzert von Tarja Turunen. Besonders bemerkenswert der Klangunterschied zwischen Gesang und Ansagen, bei dem Kristin eher eine krächzige Stimmlage besitzt.

Zum Ende des Gigs folgen mit „Diamanti“ und „Of Jupiter and Moons“ meine Highlights des Auftritts. Das gefühlvolle Duett zwischen Michele und Kristin schafft Gänsehaut und beim Refrain geht richtig die Post ab. Auch „Of Jupiter… lässt das Publikum mit der Zunge schnalzen, ehe mit „Pure Life Unfolds“ das fulminante Ende angestimmt wird.

Manntra

Den Abschluss des Festivals übernehmen dann Manntra aus Kroatien. Die Band war für uns mit ein Hauptgrund, warum wir nach Runkel gekommen waren, hatten uns die Kroaten doch die letzten Jahre mehr als einmal mit ihren Alben und Konzerten faszinieren  können. Mit Ihrem etwas exotischen Stilmix aus Metal, Industrial und den traditionellen landestypischen Tönen haben Frontmann Marko Matijević Sekul und Kollegen ihren ganz speziellen Stil erschaffen, der für mich einmalig in der Szene ist. Zunächst in der Mittelalterszene durch Ihre Auftritte mit In Extremo bekannt geworden, sind Manntra gerade dabei sich auch in der Metalszene einen Namen zu machen. Und Deutschland ist ein echt gutes Pflaster für die Band. So auch in Runkel.

Leider gehören Manntra zu den Bands, die es den Zuschauern und uns Fotografen nicht gerade leicht machen, das Geschehen auf der Bühne klar und deutlich zu sehen oder auf Bildern einzufangen. Viele Rotlicht und eher dunkel gehaltene Bühnenausleuchtung, dazu ein Sänger, der permanent in Bewegung ist und „nicht still stehen kann“. Kein Vorwurf an Marko, vielleicht liegt es aber auch einfach nur an nachlassender Konzentration nach den vielen Bildern, die ich während der beiden Tage schon geschossen habe.

Mit energiegeladenen Songs, harten Riffs und eingängigen Melodien die zum Mitsingen einladen, begeisterten die 5 Musiker die Metalfans die 400 Fans. Den Anfang machte der Titeltrack des aktuellen Albums „Titans“, mit dem Manntra im Februar 2026 auf Headlinertour gehen. Sofort war das Publikum da und unterstütze die Band lautstark, ein gelungener Start in die nächsten 90 Minuten Showtime. Ob mit aktuellen Krachern wie „Teuta“ oder „Heart of The Storm“ (mein Highlight), oder den alten Klassikern wie „Ori Ori“ oder „Lipa“, Manntra brachte die Hütte nach einem langen Festival richtig zum Wackeln und es herrschte in der Halle zum Finale nochmals ausgelassene Partystimmung. Hüne und Gitarrist Baren King war mit seiner Maske natürlich neben Frontmann Marko Matijević Sekul das optische Aushängeschild, ob mit der 2. Gitarre, an der Flöte oder beim Surfen über den Köpfen der Zuschauer, er machte in jeder Position eine gute Figur.

Drummer  Andrea Kert und der barfüßige Basser Zoltan Lečei sorgenbei Manntra fürein fetten Sound während der Show. „In The Shadows“ perfekt zum Mitsingen und auch „Unholy Water“ überzeugt. Nach dem harten „Domain“ folgt der traditionellere Teil des Auftritts, bei „Ori Ori“ und „Lipa“ versucht sich die Crowd dann erstmals der kroatischen Sprache, was verständlicherweise nicht immer gelingt, der guten Stimmung jedoch keinen Abbruch tut.

Bei „Nightmare“ klappt das Mitsingen dann natürlich wesentlich besser und so entpuppt sich der Song zum Highlight des Abends und Manntra ernten nochmals frenetischen Beifall. Mit „Naranca“ beschließen Marko & Co dann den Abend endgültig und lassen sich zum Abschluss gebührend feiern. Ein gelungener Abschluss des wirklich tollen Auftritts und auch für das Festivals.

Sicherlich wird die Fangemeinde der „Heathens“, wie sich die Fans von Manntra nennen, wieder um zahlreiche neue Mitglieder begrüßen können. Die Kroaten führen ihren Siegeszug unbeirrt und sehr erfolgreich weiter. Im Februar steht ja schon die „Titans“-Tour an, alle Infos zur Tour findet ihr unter Manntra.hr.

Die Setlists der weiteren Bands findet Ihr hier bei Setlist.fm.

Auch die Metalfreunde von Metality waren in Runkel wieder mit einem Infostand am Start. Für ihre gemeinnützigen Verein konnte bei der Versteigerung eines einzigartigen Festival Shirts mit den Unterschriften aller aufgetretenen Bands ein schöner Beitrag ersteigert werden. Der Hammer fiel bei 250€

Mein Fazit zum „NoSax 2025“:

Das „No Sleep After XMax 2025“ war ein perfekter Jahresabschluss für mein Konzertjahr 2025! Ich kann das Festival jedem Metalfan empfehlen, der es zum Jahresausklang nach Weihnachten nochmals ohne Böller so richtig krachen lassen möchte.

Eine interessante Bandzusammensetzung mit einigen auch mal weniger bekannten Bands bringt Abwechslung ins Lineup und bietet den Besuchern Bands für jeden Geschmack. Auch das Preis-Leistungsverhältnis stimmte durchweg, sowohl beim Ticket wie auch bei Getränken oder Speisen. Überall spürte man die Liebe der Verantwortlichen und Helfer für den Metal, die Begeisterung in ihrem Ort ein Metalfestival mit internationalen Bands und Gästen zu feiern. Das hat sich inzwischen auch in der Metalszene rumgesprochen und besitzt inzwischen sogar Ausstrahlungskraft bis nach Japan. Immer nett und stets mit großer Freude waren alle Beteiligten bei der Sache -nur so kann ein solches 2-Tages Festival erfolgreich realisiert werden. Chapeau.
Etwas schade für die Veranstalter des Festivals, dass in diesem Jahr nur ca. 400 Metalheads den Weg nach Runkel fanden. Doch für die gute Athmosphäre in der Halle war dies nicht kriegsentscheidend und schadete der insgesamt guten Stimmung nicht.

Einzig in Sachen Soundtechnik und Zeitplan gibt es deutlich Verbesserungsbedarf für das Orga-Team. Ob es nun technische Probleme waren, ein Cyberangriff oder der Mann am Mischpult einfach einen schlechten Tag erwischt hatte, kann ich nicht genau sagen. Doch sollte man bei der nächsten Ausgabe des NoSax im Jahr 2027 solche Probleme tunlichst vermeiden.

Zum Leidwesen der Fans und auch der betroffenen Bands kam es mehrfach zu unnötigen Zeitverzögerungen und damit verbunden zu Spielzeitverlust für die Bands, obwohl trotz Ausfall einer Band eigentlich vom Start weg genügend Puffer vorhanden war. So bleiben viele fragende Blicke bei den Fans und auch bei der ein oder anderen Band waren deutliche Worte am Mischpult in Richtung „Mann hinter dem Mischpult“ zu vernehmen. Durch die zu langen Unterbrechungen kühlte auch die Stimmung in der Halle leider mehr als einmal deutlich ab. Dies sollte 2027 nicht nochmals passieren, will man sich die Fans nicht für die Zukunft vergraulen.

An dieser Stelle möchte ich mich bei Dirk Zimmermann und Vanessa von der 1A Special Events GmbH für die Akkreditierung und den Fotopass bedanken, genauso wie den zahlreichen Helfern, die an den Tagen vor und sicherlich auch nach dem Festival noch tatkräftig Hand anlegten, um das Orga-Team bei der Durchführung zu unterstützen.

Ein ganz besonderer Dank gilt von meiner Seite auch den Jungs vom DRK für das schnelle Eingreifen beim „Blackout“ meiner Frau, die an dem Tag einfach zu wenig (!) getrunken und nicht genügend gebangt hatte. Sie versprach schon Besserung!


Zum Abschluss noch ein paar Impressionen aus der Halle:


Nach dem Festival ist bekanntlich vor dem Festival und so wurden in der Halle für alle Wiederholungstäter auch schon die ersten Tickets für das nächste „No Sleep After X-mas“ an den Mann bzw. die Frau gebracht. Die nächste Ausgabe findet übrigens das nächste Mal erst am 02. + 03. Januar 2027 statt, da  wegen der Feiertage 2026 eine Verschiebung unumgänglich ist, um den Helfern genügend Zeit für die Aufbauarbeiten zu geben. Dies hat jedoch den entscheidenden Vorteil, dass man 2027 nach der Silvesterparty direkt im Partymodus in Runkel weiterfeiern kann.

Das Lineup ist noch nicht bekannt, erste Bandbestätigungen werden in den nächsten Tagen sicherlich bald folgen. Blind-Tickets kosten aktuell 79€ für die beide Tage und können hier erworben werden.

Wir bleiben am Ball und halten Euch in Sachen Lineup 2027 auf dem Laufenden

„NoSax“ Online:

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Text : Thomas & Simone Jenne
Fotocredits: „Live it Loud Pix“ by Thomas Jenne

By Thomas

Musikalisch bin ich seit den 80er vor allem im melodischen Hard& Heavy-Dschungel unterwegs und immer auf der Suche nach neuen und alten Perlen. Meine absoluten Faves sind Queenaryche, Y&T, Die Toten Hosen... u.v.a.....inzwischen kann ich mich aber auch für Mittelalterrockband wie Feuerschwanz oder Saltataio Mortis absolut begeistern. Ab und an geht mein Blick aber auch mal über den Tellerrand in Richtung Speed/Trash/Death...solange Melodien erkennbar sind. Auch wenn ich schon zu der Ü50-Fraktion gehöre, findet man mich bei Konzerten und Festivals fast immer Front of Stage, denn Sitzplatz beim Rockkonzerten, das passt bei mir einfach nicht zusammen. Erst wenn es ohne Rollator mal nicht mehr gehen sollte, ist die Tribüne vielleicht ne Alternative.

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