Als erstes möchte ich mich gleich mal auf diesem Weg bei Paolo von Scribabs entschuldigen das dieser Artikel jetzt erst erscheint. Spiel und Interview liegen schon seit September 2025 bei mir und warteten darauf getestet und bearbeitet zu werden. Vielleicht hat es auch an Armata Strigoi gelegen, mit dessen Game Play ich bis heute nicht klar komme, den das Spiel ist meiner Meinung nach etwas zu kompliziert für Gelegenheitsspieler.
Aber nun konnte ich mir für das von und mit Blind Guardian inspirierte Game, immerhin hatte hier auch Drummer Frederik Ehmke seine Finger mit im Spiel, ein paar Mitstreiter organisieren. Dazu das 1995 erschienene Masterpeace Imaginations From The Other Side aufgelegt, die Kelche mit leckeren Getränken befüllt, und schon kann es los gehen. Ziel des Spiels ist es genügend Spiegelscherben zu sammeln und Phylax den Drachen in seine Schranken zu weißen. Ausgelegt ist das Ganze für 2-5 Spieler und man kann sich einen der vier Bandmitglieder aussuchen und als Bonus den Blind Guardian Himself.

Nach kurzem studieren der Anleitung hat sich Erleichterung breit gemacht, diese ist größtenteils einfach zu verstehen und die Schritte dementsprechend umzusetzen. Allerdings (Tipp von mir) sollte man klein einfangen und sich erstmal nur einen Gegner vornehmen. Diese können Tiere, Humanoide, Untote oder Hexen sein und unterschiedliche Kampftechniken drauf haben und dementsprechend muss man seine Fähigkeiten anpassen. Langsam rantasten ist hier das Motto. Eine zusätzliche Komponente ist das eigene Würfelglück das, wie in jedem guten Rollenspiel, auch hier seinen Platz findet und nicht zu unterschätzen ist. Bei unserem ersten Versuch haben wir uns gleich mal gut übernommen und zu viele Räume aufgemacht und dementsprechend viele Monstern standen uns gegenüber und wollten gleichzeitig bekämpft werden. So hat sich der Drachen schneller gezeigt als wir schauen konnten und uns in unsere Schranken verwiesen. Aber zum Glück kann man so ein Spiel mehrmals starten und bei unserem zweiten Versuch lief es gleich mal deutlich besser. Und schon schlich sich gleich mal Spielfreude ein und der Ehrgeiz erwachte schneller als Phylax.

Was auch dazu beigetragen hat ist die Qualität, denn hier gibt es gar nichts auszusetzen, von den Spielfiguren bis zu den Karten ist alles hochwertig produziert und mit viel Liebe zum Detail umgesetzt.
Fazit: Wer die Musik von Blind Guardian mag sollte auch bei diesem Spiel seine Freude haben. Pluspunkte gibt es zusätzlich weil sich From The Other Side auch für Gelegenheitsspieler eignet. Das Spiel bekommt von mir eine klare Kaufempfehlung und 9 von 10 Bängs!

P.s.: Es gibt seit letztem Jahr auch noch die Erweiterung Welcome to Dying die das Basisspiel zusätzlich bereichert.

Paolo Vallergavon (CEO Scribabs) hat uns ein paar Fragen beantwortet wie er darauf gekommen ist Heavy Metal und Brettspiele zu vereinen:
Christian B. (RM): Hallo Paolo, möchtest du uns ein wenig über dich erzählen?
Paolo (Scribabs): Hallo Christian, zunächst einmal vielen Dank für dein Interesse an meiner Arbeit und meinen Aktivitäten. Ich bin Italiener und seit langem als Grafikdesigner tätig, seit 1999 dann als Autor und Herausgeber von Brettspielen unter meiner eigenen Marke Scribabs. Außerdem arbeite ich als Improvisationstheater-Schauspieler und -Lehrer und mache Musik mit meiner eigenen Band The Experiment no.Q (mit Künstlern von Therion, ex-Therion, Lord Byron, Castello di Atlante und anderen). Ich schreibe zusätzlich auch noch Romane. Im Grunde genommen arbeite ich also in jeder Hinsicht kreativ und versuche, all diese Elemente zu verbinden. Manchmal werden die Ideen zu Songs, manchmal zu Romanen, aber meistens werden sie zu Brettspielen, in diesem Fall mit Hilfe anderer Spieledesigner und Künstler.
Christian B. (RM): Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, Heavy Metal und Brettspiele zu kombinieren?
Paolo (Scribabs): Das war eine Reihe von Ereignissen. Ich schrieb einen düsteren, gotischen Steampunk-Roman und hörte dabei viel Musik von Therion. Sie inspirierten einen Teil der Geschichte, und je weiter ich schrieb, desto mehr drangen die Figuren in meinen Kopf ein und nahmen die Gesichter der Protagonisten des Romans an. Es waren nicht die Musiker, die als Figuren auftraten, sondern vielmehr die Figuren selbst, die die Gesichter und teilweise auch die Einstellungen der Bandmitglieder annahmen. Da Therion gerade einen Tourtermin in Italien hatten, vereinbarte ich ein Treffen mit Christofer Johnsson, um ihn zu fragen, ob sie Lust hätten Figuren in einem Steampunk-Abenteuer zu werden. Er und die Band waren begeistert, und zusammen mit Marco Valtriani (einem fantastischen Brettspiel-Designer) entwickelten wir 2011 das erste Brettspiel der Heavy Metal Board Game Collection! Später drehten wir auch das Video zum Song Adulruna Rediviva, das die gleiche Geschichte wie das Spiel erzählt, wobei die Band die Rollen ihrer Charaktere spielte und es wurde ein sensationeller Kurzfilm. Hast du ihn gesehen? Ich kann ihn dir wirklich empfehlen!
Von da an haben wir diesen Weg weiterverfolgt, inspiriert von der Musik, die ich liebe: Powerwolf mit Armata Strigoi, Sabaton, Rhapsody of Fire, Blind Guardian… und jetzt wieder Powerwolf mit 1589!
Christian B. (RM): Eure Spiele sind von hoher Qualität und die Anleitungen sind gut durchdacht, eure Standards scheinen ziemlich hoch zu sein?
Paolo (Scribabs): Vielen Dank, dass du die Qualität meiner Arbeit schätzt. Ich strebe immer das höchstmögliche Niveau an (wenn du das Therion-Video ansiehst, kannst du dir ein Bild davon machen). Meine Produktionen sind nicht nur Brettspiele, ich möchte, dass man beim Spielen eine ähnliche Erfahrung macht wie beim Anhören eines neuen Songs seiner Lieblingsband. Und wenn man die Band überhaupt nicht kennt, sollte man trotzdem ein fantastisches Spiel mit einer ungewöhnlichen Atmosphäre spielen können. In diesem Prozess spielen die Autoren, mit denen ich zusammenarbeite, eine sehr wichtige Rolle. Sie schaffen perfekte Mechanismen, und ich füge bestimmten technischen und grafischen Aspekten meine persönliche kreative Note hinzu.
Christian B. (RM): Wie war eigentlich die Zusammenarbeit mit Blind Guardian?
Paolo (Scribabs): Das sind absolut großartige Leute, nett und freundlich. Die Zusammenarbeit mit den Legenden der Musik, die ich liebe, gibt mir ein ganz besonderes Gefühl und erfüllt mich mit einer Mischung aus Stolz und Verantwortung. Aber schon nach 10 Minuten Gespräch mit ihnen schwindete die Anspannung und es blieb ein echter gegenseitiger Respekt für die Professionalität des anderen. Das machte die Zusammenarbeit so reibungslos, vor allem weil sie wirklich leidenschaftlich und emotional in die Welt der Spiele involviert sind.
Letztes Jahr waren sie zu Gast auf den wichtigsten Spielemessen in Europa (Essen und Lucca) und haben sich sehr über ihre Teilnahme gefreut, auch weil einer der Autoren ihres Spiels Frederik Ehmke ist, der Schlagzeuger von Blind Guardian! Dieses Jahr werden wir auch Falk Maria Schlegel von Powerwolf als Gast bei Lucca Games haben, und vor zwei Jahren hatten wir Pär Sundström von Sabaton zu Gast. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass alle Bands, deren offizielles Spiel ich veröffentlicht habe, absolut freundlich und fantastisch waren.
Christian B. (RM): Was ist besser? Wenn Musiker Ideen zur Spielentwicklung beitragen oder wenn sie sich aus dem Prozess heraushalten?
Paolo (Scribabs): Die Bands, mit denen ich zusammengearbeitet habe, haben sich auf unterschiedliche Weise und ihrer persönliche Note eingebracht, und das finde ich großartig , auch wenn ich als Herausgeber das letzte Wort habe (hahaha)! Es gibt nicht wirklich eine bevorzugte Vorgehensweise; die Magie entsteht, wenn verschiedene kreative Welten aufeinandertreffen.
Die Musik der Bands inspiriert mich und die Autoren dazu eine Geschichte (und Spielmechaniken) zu entwickeln, und dann nimmt das Projekt Schritt für Schritt Gestalt an. Das ist fantastisch, weil die Ideen und Vorschläge nicht von „Spielexperten” kommen, sondern von Musikern und Spielern –alles kreative Menschen, die Spiele, Videospiele, Brettspiele und Rollenspiele lieben und die auch die Mechaniken und Interaktionen sofort verstehen. Deshalb sind unsere Spiele nicht übermäßig komplex, sondern voller Details und Easter Eggs für diejenigen, die die Band gut kennen.
Christian B (RM): Mit wem würdest du gerne zusammenarbeiten?
Paolo (Scribabs): Ich würde gerne mit allen Bands zusammenarbeiten, die mir am Herzen liegen, die durch ihre Musik dazu beigetragen haben, mich zu dem zu machen, der ich bin. Aber aus Aberglauben werde ich keine Namen nennen! Und auch weil ich ein geheimes Projekt in Arbeit habe! Abgesehen davon arbeite ich gerne mit allen zusammen, egal ob Musiker, Künstlern aus anderen Bereichen oder Managern. Wichtig ist das sie meinen Ansatz schätzen, der ganz auf Leidenschaft und totales Engagement basiert.
Christian B. (RM): Ich nehme an, du spielst auch gerne Brettspiele. Was ist dein absolutes Lieblingsspiel?
Paolo (Scribabs): Anfang der 90er Jahre gab es ein Spiel namens Dungeon Quest, das ich wirklich liebte und das, glaube ich, vor ein paar Jahren neu aufgelegt wurde. Ich war davon fasziniert, und es hat mich tatsächlich in die Welt der Brettspiele eingeführt. Daraufhin habe ich mein erstes Spiel entwickelt, weil ich davon so begeistert war. Natürlich mochte ich auch Dungeons & Dragons sehr gerne, und was Computerspiele angeht, war Neverwinter Nights ein echter Meilenstein für mich.
Leider hatte ich in den letzten Jahren nicht viel Zeit zum Spielen, da ich mich zwischen Spieleentwicklung, Grafikdesign, Musik und Theater aufteilen musste. Man muss auch bedenken, dass ein Brettspiel in der Regel mindestens ein Jahr Entwicklungszeit benötigt, von der ersten Idee bis zur Produktion. Die eigentliche Herausforderung für ein Brettspiel und einen kleinen Künstler wie mich ist allerdings der Vertrieb.
Christian B. (RM): Zum Schluß dieses Interviews würde ich dann noch gerne wissen welche Frage man Dir in 10 Jahren stellen sollte?
Paolo (Scribabs): Wow, das ist eine schöne Frage, aber die Antwort ist einfach, ich würde mich freuen, wenn mich die Leute fragen würden: „Also, was ist der neue Titel in der Heavy Metal Board Game Collection, der derzeit in Arbeit ist?“
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