In unserer „neuen alten“ Rubrik „Die Plattenratten“ (vormals Vinylstube) wühlen wir uns durch neue, alte und auch gegenwärtige Veröffentlichungen auf Vinyl. Wir zerlegen diese in sämtliche Einzelteile und stellen fest, ob der Sound darauf ein Hörgenuss oder ein Rohrkrepierer ist.
Capitol Records haben vor kurzem zwei der wichtigsten Alben von Megadeth auf Vinyl wiederveröffentlicht. Man kann von Dave Mustaine halten, was man will, aber musikalisch kann man ihm als Thrash-Metal-Fan nicht viel vorwerfen. Die meisten der mittlerweile 17 Studioalben kann man auflegen und ohne größere Ausfälle durchlaufen lassen. Aber wir wollen uns hier nicht um seine ganze Diskographie kümmern, sondern uns auf Countdown To Extinction und Youthanasia konzentrieren.

Megadeth – Countdown To Extinction (Capitol/Universal Music)
Meiner Meinung nach gehört dieses Album in jede halbwegs gut sortierte Sammlung eines Metal-Fans. Auf CD ist das kein Problem, doch bei der originalen Vinyl-Ausgabe von 1992 sieht die Sache anders aus. Im Durchschnitt werden dafür mittlerweile rund 184,50 Euro aufgerufen. Ob man für ein Stück schwarzes Plastik wirklich dreistellige Beträge bezahlen möchte? Ich weiß ja nicht.
Mit Countdown To Extinction schafften Megadeth den nahezu perfekten Spagat zwischen Thrash Metal und Mainstream. Songs wie „Symphony Of Destruction“ sind eingängig und dennoch heavy genug, um auch heute noch jede Metal-Party zuverlässig in Bewegung zu versetzen. Die Neuauflage kommt in einer schlichten Hülle daher. Das bekannte Covermotiv ist sauber und scharf gedruckt und besitzt auch im Jahr 2026 nichts von seiner verstörenden Wirkung eingebüßt. Im Gegensatz zur Originalausgabe wurde das Album diesmal auf zwei LPs verteilt. Die Scheiben selbst stecken in gefütterten schwarzen Innenhüllen, ein Detail, das man nur loben kann. Texte, Produktionsinformationen und einige Fotos der damaligen Besetzung finden sich auf einem separaten Beiblatt wieder.
Beim Herausziehen der ersten Platte aus ihrer Hülle wartete dann eine Überraschung. Keine 180-Gramm-Vinylscheibe, wie sie heutzutage beinahe obligatorisch erscheint, sondern eine Pressung in klassischer Stärke. Ehrlich gesagt halte ich den Hype um das hohe Gewicht ohnehin für etwas überbewertet. Mit einem ordentlichen Schuss Nostalgie legte ich Seite A auf den Teller, ließ den Tonarm vorsichtig in die Einlaufrille gleiten und fand mich schneller in den Neunzigern wieder, als ich schauen konnte. Und was soll ich sagen? Das Ding klingt großartig. Genau so möchte man einen Klassiker dieser Größenordnung hören.
Manchmal braucht es keine Bonus-Tracks, keine bunten Splatter-Vinyls und keine überdimensionierten Boxsets (was für eine Anspielung – die Red.). Hier genügt es, ein großartiges Album endlich wieder ordentlich verfügbar zu machen.
Megadeth – Symphony Of Destruction (12″ Single, Capitol Records, 1992)
Aus gegebenem Anlass habe ich anschließend noch meine Vinylsammlung durchforstet und bin tatsächlich fündig geworden. Irgendwo zwischen all den Scheiben hatte sich noch die 12-Inch-Single von Symphony Of Destruction aus dem Jahr 1992 versteckt.
Über den Titelsong selbst muss man wohl nicht mehr viele Worte verlieren. Spannend wird es allerdings auf der B-Seite. Dort findet sich zunächst Breakpoint, ein aggressiver, schneller Thrash-Brocken, der deutlich näher an Rust In Peace als am eher kommerziell ausgerichteten Countdown To Extinction liegt. Nicht minder interessant ist Go To Hell, ursprünglich für den Soundtrack von Bill & Ted’s Bogus Journey aufgenommen. Der Song schlägt eine deutlich düsterere und atmosphärischere Richtung ein als viele andere Megadeth-Stücke jener Zeit. Außerdem punktet er durch ein starkes Zusammenspiel von Mustaine und Friedman.
Geliefert wurde die Single damals, wie es sich für eine Veröffentlichung dieser Art üblich war, in einer einfachen Papierhülle. Und auch die Informationen auf der Rückseite beschränken sich auf das Nötigste. Klanglich gibt es auch heute wenig zu beanstanden. Die Platte hat über die Jahre zwar das eine oder andere Knistern angesammelt, aber das verbuche ich unter der Rubrik „Nostalgie“. Der Rand dieser Pressung ist im Gegensatz zu den Neuauflagen, Babypopoweich und glatt. Nur so als Info!. Kein scharfkantiger Vinyl-Frisbee, an dem man sich beim Herausziehen aus der Hülle die Finger aufschlitzt. Nur so als Info.


Megadeth – Youthanasia (Capitol/Universal Music)
Youthanasia erschien 1994, genau zwei Jahre nach dem überaus erfolgreichen Countdown To Extinction. Wer damals auf die nächste Thrash-Offensive wartete, bekam stattdessen ein Album serviert, das deutlich kontrollierter, düsterer und erwachsener wirkte. Weniger Raserei, mehr Atmosphäre. Weniger Geschwindigkeitsrekorde, mehr Songwriting. Das dürfte seinerzeit durchaus für die eine oder andere hochgezogene Augenbraue gesorgt haben. Heute gilt genau das jedoch als eine der größten Stärken des Albums.
Bereits der Opener macht deutlich, dass Megadeth einen anderen Weg einschlagen wollten. Die Songs atmen mehr, die Arrangements wirken durchdachter und die Riffs arbeiten für die Stücke, anstatt permanent ihre technische Überlegenheit zur Schau zu stellen. Vor allem besitzt Youthanasia etwas, das vielen Metal-Alben der Neunziger fehlt: Konsequenz. Hier gibt es keine offensichtlichen Schwachstellen bei denen der Finger automatisch zur Skip-Taste wandert.
Die Neuauflage kommt als Doppel-LP im Gatefold-Cover daher. Ob die ursprüngliche Vinyl-Ausgabe von 1994 ebenfalls als Klappcover veröffentlicht wurde, kann ich allerdings nicht sagen. Druckqualität und Verarbeitung bewegen sich auf einem erfreulich hohen Niveau. Das Cover ist sauber und scharf reproduziert, ohne dabei künstlich überarbeitet zu wirken. Beim Aufklappen finden sich die kompletten Songtexte sowie passend ausgewählte Bilder zu den jeweiligen Texten von Dave Mustaine. Die Platten selbst stecken, wie schon bei Countdown To Extinction, in gefütterten Innenhüllen. Ein kleines Detail vielleicht, aber eines, das Vinyl-Sammler zu schätzen wissen. Die übrigen Informationen zur Veröffentlichung wurden auch hier auf einem separaten Einleger untergebracht. Da kann sich die Konkurrenz hiervon bitte eine Scheibe abschneiden, danke.
Und auch bei Youthanasia reichen etwa 150 Gramm für eine ordentliche Pressung. Stattdessen setzt man auf eine Pressung, die eher den Standards der Neunziger entspricht. Und erneut zeigt sich: Für eine hochwertige Vinylproduktion braucht es keine Schwergewichte. Entscheidend ist die Qualität der Pressung – und die stimmt hier. Interessant ist allerdings, wie modern das Album heute noch klingt. Während zahlreiche Produktionen aus den Neunzigern inzwischen hörbar Patina angesetzt haben, wirkt Youthanasia erstaunlich frisch. Vielleicht liegt das daran, dass Megadeth damals nicht jedem Trend hinterherliefen, sondern sich auf starke Songs und Qualität setzten.
Während Rust In Peace für viele Fans den technischen Höhepunkt der Band darstellt und Countdown To Extinction den kommerziellen Zenit markiert, könnte Youthanasia tatsächlich das kompletteste Megadeth-Album sein. Die Neuauflage liefert jedenfalls jede Menge Argumente für genau diese These.
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