Dreifache Frauenpower in Ludwigsburg mit Amaranthe, Epica und Charlotte Wessel – Konzertbericht aus der MHP Arena

EPICA und AMARANTHE gehören sicherlich aktuell mit zu den gefragtesten Metalbands, bei denen Frauen im Mittelpunkt und auch am Mikro stehen. Gemeinsam haben sich die beiden Bands aus den Niederlanden und Schweden in den letzten Wochen auf ihre gemeinsame „Arcane Dimension Tour 2026“ begeben, um die Hallen in Europa zum Beben zu bringen und ihre noch aktuellen Veröffentlichungen „Aspiral“ bzw. „The Catalyst“ live zu präsentieren.

Am letzten Freitag gastierte der große Tourtross in der MHP-Arena in Ludwigsburg. Etwas überraschend war die Halle nur gut zur Hälfte gefüllt, geschätzte ca. 2000-2500 Besucher wollten sich die Double Headliner Show der beiden Bands live ansehen. Da hatte ich im Vorfeld eigentlich etwas größeres Interesse an dem attraktiven Package erwartet. Doch seis drum, so blieben wenigstens lange Schlangen an den Getränkeständen und dichtes Gedränge vor der Bühne im Innenraum aus.

Um die Metalfans in der Halle auf Touren zu bringen, hatte man Charlotte Wessels bei der Tourmit dabei, die seit ihrem Ausstieg 2021 bei Delain inzwischen auf Solopfaden wandelt. Unterstützt durch ihre beiden früheren Delain-Bandkollegen Otto Schimmelpenninck und Timo Somers hat Charlotte ihre neue Truppe The Obsession um sich vereinigt, um nun ihre eigenen Songs und ihren ganz eigenen neuen Style live zu performen, der sich doch deutlich von der aus früheren Tagen gewohnten Songs unterscheidet.

Schon das Bühnenoutfit lässt erahnen, dass zu Beginn des Abends eher weniger mit waschechtem Metal zu rechnen ist und eher ruhigere Töne angeschlagen werden würden. Sonnenblumen am Microständer als Deko passten zwar zu den teils etwas ruhigeren Songs, wirkten doch etwas befremdlich bei einem ansonsten waschechten Metalkonzert. Leider will der Funke nicht so recht überspringen, die Begeisterung des Fans wirkt eher zurückhaltend. Insgesamt tut sich die sympathische Niederländerin im silbernen Glitzeroutfit und ihre Mitstreiter etwas schwer, die Fans in der Halle so richtig auf Touren zu bringen. Auch mich können die 7 Songs wie der Opener „Chasing Sunsets“ von ihrem aktuellen Studioalbum „The Obsession“ nicht richtig abholen. Zu sehr konzentriert sich die Songstruktur auf Charlottes Gesang, oftmals fehlt mir etwas die Bindung zwischen Gesang und Gitarre bzw. Bass, als wolle alles nicht so richtig zusammenpassen. Etliche Passagen wirken eher gemächlich, auch wenn Timo mit seinen Solos durchaus Metalfeeling versprüht und auch der verletzungsgeplagte Drummer kann trotz Krücken seine Drumsticks wirbeln lassen und eine ordentliche Leistung abliefert.


Irgendwie wollen die Songs jedoch nicht zünden, und so hört man sich die Songs an, ohne in Begeisterungsstürmen auszubrechen. Auch der teils extrem piepsige Gesang wie z.B. bei „Tempest“ wird mir bald zu anstrengend, da helfen auch ein paar tiefe Crowls bei mit hartem Riff ausgestatteten „The Exorcism“ nicht, um das Blatt zu wenden. Schon beim Hören des Albums hatte ich so meine Schwierigkeiten mich mit Charlottes Gesangsorgan und ihrem neuen Sound als Solokünstlerin anzufreunden. Insgesamt gefielen mir da die alten Songs aus Delain-Zeiten um Welten besser, waren sie doch eingängiger und hatten einfach mehr Druck auf dem Kessel.

Auch wenn Timo seine Qualitäten an den sechs Saiten durchaus ausspielen konnte, fehlte mir leider der rote Faden in den Songs und so blieb der Auftritt für mich leider eher enttäuschend, obwohl ich nach meinem ersten Wessels-Gig beim letztjährigen Graspop Metal Meeting in Belgien im Vorfeld keine allzu großen Erwartungen an den Auftritt hatte.

Nach 40 Minuten freute ich mich dann auf Epica, die mich mit „Omega“ so richtig abgeholt haben.

Charlotte Wessels – Setlist:

  1. Chasing Sunsets
  2. Dopamine
  3. The Crying Room
  4. Soft Revolution
  5. Tempest
  6. After Us, The Flood
  7. The Exorcism
  8. Outro: Breathe (vom Band

Mit einer längeren Begrüßung vom Band als Intro startete dann gegen 20:35 die EPICA-Show wie schon beim „Arcane“-Album mit „Apparition“. Nach der Ankündigung, dass wir Pressefotografen erst ab Song 2 In den Fotograben dürfen, hatte ich eigentlich zu Beginn der Show mit ordentlich Feuerwerk gerechnet, doch gab es etwas überraschend keine Pyros während der Show. Stattdessen gab es jede Menge Weißlicht auf der Videowall zu sehen, um Frontfrau Simone Simons in ihrem schwarzen Umhang ins rechte Licht zu setzen. Wollte man uns Fotografen da die Chance geben, bei vernünftigem Licht ordentliche Bilder zu schießen? Ein netter Zug, wenn das so angedacht war. Ein explosiver Start in die Show, bei der die Niederländer gleich mal zeigten, warum Sie zu den besten Symphonic Metal Bands der Scene gehören.

Nach dem Ablegen des Umhangs präsentierte sich Simone Simons dann in schwarzem Lederkleid und dunkler Sonnenbrille ihrem Publikum und legt gleich mal mit dem starken „Cross the Divide“ einen der Highlights der Show aufs Parkett.

Simone hatte an diesem Abend ein Heimspiel, hat Sie doch nach der Hochzeit mit Oliver Palotai (Kamelot) nicht allzu weit von Ludwigsburg im Schwabenländle ihre neue Heimat gefunden. Wie sie bei ihren Ansagen auf perfektem Deutsch mitteilte, waren auch zahlreiche Freunde und Familie anwesend und auch Ihr Sohn Vincent durfte beim Auftritt seiner Mutter heute mal live dabei sein. Trotz des Heimspielbonus blieb die absolute Ekstase im Publikum zunächst aus.

Weiter gings etwas überraschend mit einigen eher älteren Songs, die jedoch nicht ganz meinen Nerv treffen. Auch Stimmungsmäßig ist noch deutlich Luft nach oben. Nach der tollen Show während der „Omega“-Tour an gleicher Stelle im Jahr 2023 und dem mehr als phenomenalen Livevideo „Live At The Symphonic Synergy“ mit dem Orchester in Amsterdam war meine Erwartungshaltung bei EPICA im Vorfeld recht hoch. Doch vielleicht lag es genau an diesen möglicherweise zu hohen Erwartungen meinerseits, warum mich der Auftritt leider an diesem Abend insgesamt nicht umhaute. Ob mir jetzt der Bombast des Orchesterauftritts fehlte oder ob es an der Songauswahl lag, es wollte sich bei mir keine überschwängliche Begeisterung breitmachen. Vielleicht lag es auch daran, dass mein Lieblingsalbum „Omega“ leider an diesem Abend komplett ignoriert wurde und solch geniale Tracks wie „The Skeleton Key“ oder „Freedom – The Wolves Within“ nicht auf der Setlist standen.

Mit „Sirens – Of Blood and Water“ folgt dann die erste Ballade und gleichzeitig einer der emotionalen Highlights des Abends. Simone wurde hier von Charlotte Wessels und Elize Ryd gesanglich unterstützt. Die drei Damen, allesamt im langen Klitzerkleidern gekleidet, liefern bei dem gefühlvollen Song eine gelungene Performance und wurden entsprechend von den Metalheads abgefeiert. Auch das folgende „Tides of Time“ war stark und Simones sehr gefühlvoller Gesang passt perfekt, ob in mittleren Tonlagen oder mit opernhaftem Gesang, saß jeder Ton.


Doch unmittelbar nach dem ruhigen Balladenteil wurde schnell wieder Gas gegeben und das Härtelevel angehoben. Keyboarder Coen Jansen war wie immer einer der Aktivposten auf der Bühne, mal auf dem Podest am sich drehenden Keyboard stehend, dann wieder mit seiner gebogenen mobilen Version des Tasteninstruments am Bühnenrand positioniert, hatte er sichtlich Spaß mit dem Publikum.

Etwas zurückhaltend verhielt sich dagegen Gitarrist Isaac Delahaye, der normalerweise immer gut gelaunt die rechte Bühnenseite beackert. Mit viel Tempo gings weiter und Marc durfte mit seineM gutturalen Gesang einen für den Epica-Sound so wichtigen Bestandteil beitragen. Auch „Cry for Moon“ war sehr stark,

Beim Abschlusstrack „Beyond The Matrix“ ging dann nochmals richtig die Post ab und das Ludwigsburger Publikum ging lautstarken Fangesängen an sein Limit.

Auch wenn der Auftritt nicht schlecht war und die Klasse der Band und seiner einzenlen Bandmitglieder immer wieder aufblitzte, fehlte mir an diesem Abend etwas die absolute Begeisterung und auch etwas der Bombast, den eine Symphonic Metal Konzert oftmals ausmacht. Auch das Bühnenbild war jetzt nicht unbedingt überwältigend, waren es die fehlenden Pyros, die einfach zu einer Epica-Show dazu gehören oder war es doch die in meinen Ohren nicht ganz gelungene Songauswahl? Möglicherweise hatte ich auch vieles der Show einfach schon in leicht abgewandelter Version bei meinen bisherigen Auftritten der Band gesehen? Abschließend schwierig zu sagen, aber insgesamt wurden in Ludwigsburg insgesamt meine hohen (?) Erwartungen von EPICA an diesem Abend nicht ganz erfüllt.

Epica – Setlist:

  1. Apparition
  2. Cross the Divide
  3. Martyr of the Free Word
  4. Eye of the Storm
  5. Unleashed 
  6. Never Enough
  7. Sirens – Of Blood and Water (mit Charlotte Wessels + Elize Ryd)
  8. Tides of Time
  9. The Grand Saga of Existence
  10. Cry for the Moon
  11. Fight to Survive
  12. The Last Crusade
  13. Beyond the Matrix
  14. Outro : Aspiral (Instrumental,Song vom Band)

So blieb zum Abschluss des Konzertabends noch die schwedische Melodic Metal Band AMARANTHE als letzte Trumpf im Ärmel, hatten Sie mich bei Ihrem Headlinershow beim Masters of Rock 2024 in Tschechien wirklich begeistert und einen bärenstarken Auftritt hingelegt. Ein etwas abgewandeltes Bühnenbild mit dem bekannten Backdrop vom letzten Album „The Catalyst“ war optisch wieder gelungen und auch die drei Sänger Elize Ryd, Nils Molin und Mikael Sehlin bildeten mit ihren drei Stimmen erneut ein gut eingespieltes Trio am Micro. Auch wenn das Album „The Catalyst“ noch das aktuelle Werk darstellt, wurde es bei der diesjährigen Tour nur mit drei Songs bedacht, dafür konnten sich die Amaranthe-Fans auf einen Querschnitt der inzwischen 15-jährigen Bandkarriere freuen, denn bis aufdas „Helix“-Album fanden an diesem Abend Songs aus allen bisherigen Alben den weg auf die Setlist.

Den Schwerpunkt bildete in diesem Jahr das 2022er Album „Manifest“, von dem auch der Opener „Fearless“ und das folgende „Viral“ stammten. Ein gelungener Einstieg, gefolgt vom saustarken „Damnation Flame“, für mich einer der besten Songs der Band. Genialer Song mit starker Melodie und auch der Wechsel der Stimmen ist hier fast perfektioniert. Leider standen die beiden Saiteninstrumente während der gesamten Show ganz klar im Hintergrund und die Songs wie auch die Show konzentrierten sich fast ausschließlich auf die Wechsel der Sänger/in Elize, Nils und Mikael.

„Maximize“ gehört zu den Fan-Faves und kommt sehr gut bei den Fans an. Drummer Morten Løwe Sørensen legt mit seinem wuchtigen Druming den Grundstein für den kraftvollen Sound von Amaranthe, daneben brillierte Gitarrist Olof Mörck recht unspektakulär mit seinen Solis, während Basser Johan Andreassen eher zurückhaltend seinen Job im Hintergrund erledigte.

Mit „PvP“ fand auch die offizielle Hymne für das schwedische E-Sports-Team bei der internationalen E-Sports-Weltmeisterschaft den Weg ins Programm, der laut Aussage von Nils den Kämpfern auf den digitalen Schlachtfeldern gewidmet ist.

Erstmals emotional wird es, als Gitarrist Olof Mörck sein Saiteninstrument zur Seite legt, umgemeinsam am Keyboard mit Elize die Ballade „Crystalline“ anzustimmen -ansonsten kamen die Keys live durchweg vom Band. Starker Song mit viel Gefühl, der ganz ohne Growls von Mikael auskommt und dank dem starken Duett Ryd/Molin zu den Höhepunkten der Show gehört.

Dagegen kann mich das folgende „Boom!1“ mit den vielen Growls nicht überzeugen. „The Catalyst“ entschädigte dann wiederum mit gelungenem abwechslungsreichem Gesang und seiner einprägsamen Melodieführung Mit „Chaos Theorie“ gab`s als Schmankerl an diesem Abend erstmals auch einen neuen Song live zu hören, der erst am nächsten Tag offiziell veröffentlicht werden sollte. Zunächst recht melodisch beginnend, wurden im Laufe des Songs wieder fette Growls von Mikael untergemischt – der Song hätte auch gut aufs Catalyst-Album gepasst.

„Amaranthine“ geht im Anschluss klar als Bandhymne durch und besticht durch seine harmonische Melodieführung, bei der besonders das Duett Elize und Nils begeistert.
Frauenschwarm Nils ist es auch, der zwischen den Songs das Zepter in die Hand nimmt und mit seinen Ansagen durch den Abend führt.

AMaranthe`s Song leben eindeutig vom Wechsel und Zusammenspiel der drei Stimmen, und auch optisch bildet man beim gemeinsamen synchronen Headbanging eine Einheit. Das Gespann Ryd/Molin ergänzt sich perfekt und die Growls von Mikael bringen durchaus die gewisse Würze ins Spiel, auch wenn mir persönlich ab und an die Growls zu sehr Oberhand nehmen. Im Gegensatz zu Epica sind bei Amaranthe natürlich drei gleichberechtigte Sänger am Werk, wohingegen bei Epica Mark seine dunkle Stimme nur gelegentlich ergänzend beisteuert.

Weiter gings vor der kurzen Unterbrechung mit wehenden Fahnen mit „Call Out My Name“, bei dem die drei Sänger ihre langen Mähnen wie im Wettstreit rotieren lassen- ein Anblick, der jedem Friseur zu Freudentränen rühren dürfte.

Unter lautem Beifall genehmigen sich die sechs Musiker dann ein kurzes Päuschen, ehe man nochmals mit voller Wucht zum Schlussakkord bläst und mit dem schnellen „Archangel“ in die Zugaben startet. Nach einem kurzen Stimmungsbarometertest  zwischen rechter und linker Hallenseite gibt’s mit dem Midtempo-Rocker „That Song“ nochmals etwas Verschnaufpause bevor es das große Finale gibt.

„Drop Dead Cynical“ bildete dann nach knapp 80 Minuten den gelungenen Abschluss einer kraftvollen Show, hat der Song doch alles was den Erfolg der Band in den letzten Jahren begründete. Moderner Sound, schnelle Rhythmen, abwechslungsreicher Gesang, und so darf auch das Publikum nochmals lautstark mitsingen und mitklatschen. Danach ist dann endgültig Schluss und die Metalheads verabschieden AMARANTHE nach ihrer powergeladenen Show mit dem verdienten Applaus.

Auch wenn ich alle drei Bands live schon besser gesehen habe, war es trotz allem ein gelungener Konzertabend, der mal wieder zeigte, das Metal nicht gleich Metal ist. Von den etwas gewöhnungsbedürftigen Songs und dem Gesang von Charlotte Wessels über den epischen Symphonic Metal von EPICA mit dem opernhaften Gesang einer Simone Simons ergänzt durch den tiefem Gutturalem Gesang von Mark Jansen bis zum Modern Metal von AMARANTHE gab es ein abwechslungsreiches Programm dreier recht unterschiedlicher Bands für alle Freunde von Women Power Metal zu hören.

Amaranthe – Setlist:

  1. Intro
  2. Fearless
  3. Viral
  4. Digital World
  5. Damnation Flame
  6. Maximize
  7. Strong
  8. PvP
  9. Crystalline
  10. Boom!1
  11. The Catalyst
  12. Re-Vision
  13. Chaos Theory
  14. Amaranthine
  15. The Nexus
  16. Call Out My Name
  17. Encore:
  18. Archangel
  19. That Song 
  20. Drop Dead Cynical
  21. Outro: Separate Ways/Journey (vom Band)

Text & Fotocredits : Live It Loud Pix by Thomas Jenne

Quelle Setlists : Setlist.fm


EPICA online: WEBSITE / FACEBOOK / INSTAGRAM / TIKTOK / NUCLEAR BLAST RECORDS

AMARANTHE online: WEBSITE / FACEBOOK / INSTAGRAM / TIKTOK / NUCLEAR BLAST RECORDS

CHARLOTTE WESSELS online: WEBSITE / FACEBOOK / INSTAGRAM / TIKTOK / NAPALM RECORDS

By Thomas

Musikalisch bin ich seit den 80er vor allem im melodischen Hard& Heavy-Dschungel unterwegs und immer auf der Suche nach neuen und alten Perlen. Meine absoluten Faves sind Queenaryche, Y&T, Die Toten Hosen... u.v.a.....inzwischen kann ich mich aber auch für Mittelalterrockband wie Feuerschwanz oder Saltataio Mortis absolut begeistern. Ab und an geht mein Blick aber auch mal über den Tellerrand in Richtung Speed/Trash/Death...solange Melodien erkennbar sind. Auch wenn ich schon zu der Ü50-Fraktion gehöre, findet man mich bei Konzerten und Festivals fast immer Front of Stage, denn Sitzplatz beim Rockkonzerten, das passt bei mir einfach nicht zusammen. Erst wenn es ohne Rollator mal nicht mehr gehen sollte, ist die Tribüne vielleicht ne Alternative.

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