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Vienna Metal Meeting – 11.5.19, Arena Wien – Festival Review

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Man nehme einen kultigen Veranstaltungsort, je eine Bühne drinnen und draußen, hole 17 (!!!) der angesagtesten Bands aus dem Metal Zirkus dazu und fertig ist das perfekte Event des Jahres mit Namen Vienna Metal Meeting 2019! Beinahe wären wir euch diesen Rückblick aufgrund von kaputter Speicherkarte schuldig geblieben, doch wir geben unser Bestes und reihen uns in die aktuellen Festivalberichte der Kollegen ein.

Timetable Vienna Metal Meeting 2019

Doch von Beginn an: 
Es ist ein lauer Samstag im Mai, als wir uns auf den Weg in die Arena Wien machen. Wir, das sind Adriana und Frank, die Wiener Redaktion des Rockmagazine. Uns begleiten auf dem Weg von der U Bahn zum Venue bereits etliche Metalheads und wir freuen uns schon sehr auf das Erlebnis, das uns die kommenden Stunden erwartet. Der Timetable, den wir mit unseren Uhren abgleichen, sagt uns, dass wir spät dran sind und die ersten beiden Bands Doomas und Enclave nur von draußen zu hören bekommen, während wir beim Presse – Eingang unsere Akkreditierung abholen. Unsere Freunde, die bereits vor uns da sind, bestätigen uns jedoch, wie grandios die beiden Opener abgefeiert wurden.
An diesem Tag werden wir trotz des vergleichend kleinen Venue und sehr kurzen Wegstrecken zwischen Outdoor und Indoor, Merch und Verpflegung einige Kilometer machen, denn wir möchten natürlich so weit es möglich ist, alle Bands live erleben.

Unser Metal Meeting startet also drinnen mit dem Auftritt der Atmo-Post Black Metaller aus Graz Ellende. Die Halle ist für die Tageszeit erstaunlich voll und der Sound mächtig. Die neuen Songs vom neuen Album Lebensnehmer bestehen Ihren Live Check. Mit tosenden Applaus wird wirklich jeder einzelne Song begleitet und man merkt den Grazern die Spielfreude an. Auf Grund der kleinen Zeitüberschneidung mit der Outdoor-Bühne, können wir die letzten beiden Songs nicht mehr hören, denn uns ziehen die Schwaben Elch-Todesmetaller Fleshcrawl nach draußen. Mit leichten Soundproblemen beginnend, können sich die erfahrenden Jungs um Gründungsmitglied Stefan Hanus (Schlagzeug) locker und souverän durchs Set zocken. Im Publikum kennt man die Deutschen und die Haare fliegen zum Takt des Doublebass.

Mit Spannung wird nun der Ersatz für Darkspace, eigentlich Agent Steel erwartet. Doch statt derer erfreuen uns nun die Kölner Death Metaller Chapel of Disease. Ihr letztjähriges Werk …And as we have seen the storm, we have embraced the eye schlug ein wie eine Bombe und nun sind wir richtig gespannt, wie sich das ganze live anhört. Die Erwartung wird regelgerecht übertroffen. Schon beim Intro ist eine elektrisierende Stimmung zu spüren. Ihr Mix aus Death Metal, Classic Rock und perfekt gespielten Blues Parts bringen uns zum Staunen. Die Arena stellt erneut einen wunderbar druckvollen und klaren Sound. Diesen nutzen die Vollblutmusiker um die Zuhörer in Ihren Bann zu ziehen. Für uns ist es, so sei schon mal verraten, das Festivalhighlight schlechthin.
Zum Nachmittagstee, der draußen serviert wird, machen sich Ex-Gründungsmitglied/Gitarrist von W.A.S.P Chris Holmes und seine Mean Man bereit, die Menge einzuheizen. Der straight gespielte Heavy Rock kommt sehr gut an beim Publikum und lädt zum Mitgröhlen ein. Mit Standing Ovations werden die Kalifornier verabschiedet. Der alte Mann hat es definitiv noch drauf!

Mit großer Vorfreude werden nun Indoor die Salzburger Post Metaller Our Survival Depend on Us erwartet. Die Erwartung wird auch hier maßlos übertroffen. Die Luft geschwängert von Weihrauch und einem leichten Hauch von Beifuß, hinterlassen sie mit Ihrer Mischung aus Doom, Pagan und Folk Elementen einen bleibenden Eindruck bei uns im Team. Besonders Thom Kinberger kann mit seiner gefühlvollen, aber auch kraftvollen Stimme überzeugen.
Wir schaffen es aufgrund der ausgedehnten Wartezeit an der Verpflegungsstation (boahh lecker Pommes mit Käskrainer, Bier und Radler) und eines Rundganges durch die kleine Halle um  vorhandenes Merch zu inspizieren, nicht zeigerecht zu Rotting Christ und bekommen nicht mehr viele Songs mit. Der Gothic Metal mit Black Metal Anleihen wird aber sehr gut angenommen.

Drinnen wartet schon der nächste Act auf uns! Mit Amenra ist eine Band im Line-Up, welche von uns beiden zuvor noch nicht live gesehen wurde. Wir sind hingerissen! Im Background befindet sich eine Videowall, auf der ein Art-Movie abgespielt wird, sobald der erste Klang der Instrumente zu hören ist. Sänger Colin H. van Eeckhout sitzt mit dem Rücken zum Publikum und lässt zwei Metalklangstäbe kraftvoll aufeinander schlagen. Es wird so tatsächlich eine beklemmende Stimmung erzeugt, in der man sich dennoch wohl fühlt. Beeindruckend! Colin´s markige Schreie werden von einer hypnotischen Gitarrenwand mit doomigen schweren Riffs begleitet. Auch die Band ist vom tollen klaren Sound begeistert. Eine wirklich tolle Show, welche einige offene Münder zurücklässt.
Nachdem Amenra fertig hat, geht es fluchtartig nach draußen, denn dort hört man schon die Klänge von tiefgestimmten schwedischen Gitarren. Die Rede ist von Unleashed. Die Old School Deather machen natürlich live keine Gefangenen und rollen sich durch Ihr Set altbekannter Klassiker. Auch Songs vom letztjährigen starken Album The Hunt for White Christ werden bis in die letzten Reihen prächtig gefeiert. Gewohnt starker Auftritt von Johnny und seinen Konsorten.

Und nun geht es auf in den Pit, die Franzosen warten. Benighted rotzen einen herrlichen Death/Grind auf das Parkett, welcher sich gewaschen hat. Besonders die sympathischen Ansagen von Sänger Julien machen Spaß und man merkt den Besuchern an, sowas hatte man gebraucht. Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort! Ausrasten feinster Sorte, aber immer fair und mit Anstand. Daumen nach oben für Benighted!

Pünktlich zum Beginn von Solstafir, hat dann der Wettergott entschieden sich solidarisch mit den isländischen Boten zu zeigen und es regnen zu lassen. Aber das bisschen Nass hat noch niemanden abgehalten eine gute Band zu sehen. Also Mütze auf, Ohren gespitzt und Augen zu. Von der ersten Sekunde an überzeugen sie mit ihren melancholisch gespielten Psychedelic Rock. Die Jungs haben sich im Laufe der Jahre eine sehr große Fan-Base erspielt. Sowohl Songs aus Ihrer ersten Phase als auch neuere Songs werden frenetisch bejubelt. Überragend ist auch der Sound, perfekt abgemischt absolvieren die Isländer einen wirklich großartigen Gig. Erste Sahne!

Wir sind ein bisschen froh, wieder ins Trockene zu kommen. Nur ein minimalistisches Schlagzeug, eine Gitarre und ein Mikrofonständer erwarten uns drinnen. Wer kann das denn sein? Warum verlässt man vorzeitig den Solstafir Gig? Ganz einfach – es ist Urfaust Zeit. Die Halle nun zum Bersten voll und jeder hat irgendwie noch den Party San Auftritt von 2017 im Gedächtnis (Sinnflutartiger Regenguss). Nun ist es trocken und angerichtet. VRDRBR (Drums) und IX, Villem (Gitarre/Gesang) betreten die Bühne und liefern richtig ab. Black Doom in Perfektion. IX ist gut bei Stimme, VRDRBR zerstört sein Schlagzeug, in dem er es mit jedem Hieb tiefer in den Boden zu rammen scheint. Der Auftritt fesselt alle in der Halle von jung bis alt. Ein großer Genuss den Holländern bei Ihrem Schaffen zuzuhören und zuzusehen. Ebenfalls wie Chapel of Disease ein Highlight des Festivals.

Noch einmal wagen wir uns ins kühle Nass nach draußen. Leider macht der Regen auch keinen Halt vor den Großen der Metalszene. So muss der mit Sehnsucht erwartete Auftritt von Opeth, auch auf Grund der späten Uhrzeit, um ein paar Minuten gekürzt werden. Leider ein kleiner Wehrmutstropfen, da Mikael Akerfeldt und seine Männer wirklich gute Laune haben und einen fantastischen Prog-Metal Auftritt hinlegen. Mikael bestätigt wieder einmal mehr einer der sympathischsten Frontmänner in der Musikszene zu sein. Der Sound hätte definitiv einen kompletten Gig verdient gehabt. Es werden drei Songs aus der neueren Phase gespielt und drei Songs aus der Blackwater Park, Deliverance Phase gespielt. Jeder Song für sich ein Highlight.

Für uns den Abend abschließen werden die schwedischen Black Deather Necrophobic. Nass (der Opeth Auftritt hinterlässt Spuren) aber glücklich nehmen wir unseren Stehplatz drinnen ein, um eine weitere große Show an diesen angenehmen Festivaltag zu genießen. Wir werden nicht enttäuscht. Die routinierten Schweden kredenzen uns einen wahnwitzigen Gig. Mit sehr viel Spiellaune und einem Potpourri von Songs aus Ihrer bisherigen Bandhistorie, heizen die Jungs den Fans richtig ein. Insbesondere die Songs aus Ihrem letzten Album Mark of the Necrogram sind live richtig stark und werden mit Inbrunst vom Publikum mitgesungen. Starker Auftritt von Necrophobic auch wenn der Sound auf Grund der Lärmschutzbedingungen ein wenig leiser gedreht worden ist.

Die deutschen Dark Metaller Secret oft the moon und die Wiener Thrasher Hellavista können wir dank triefend nasser Kleidung und ersten Erkältungserscheinungen nicht bewerten, da wir nicht mehr vor Ort waren. Wir sind uns aber sicher, dass die Auftritte toll gewesen sind. Zumindest wird uns das von noch Anwesenden am nächsten Tag berichtet.

Würden wir für Live Reviews Bängs vergeben, würden wir jedenfalls volle 10/10 vergeben.
Die Arena Wien hat uns einmal mehr gezeigt, wie man Konzerte organisiert und professionell umsetzt. Der Sound großartig gemischt und kristallklar. Das Line up ein Traum mit Vertretern aus beinahe jeder Art des Metals. Die Verpflegung vor Ort übersichtlich und von guter Qualität bei angemessenem Preis. Einen Viertel Punkte Abzug könnte man dafür geben, dass zwar Regenponchos zur Ausgabe an den äußeren Bars angekündigt waren, dort jedoch niemand von etwas wusste und viele so im Regen stehen blieben.
Nichts desto trotz sind wir auch im kommenden Jahr wieder dabei wenn die Arena zum Vienna Metal Meeting 2020 ruft. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt sind Bands wie Katatonia, Grand Magus, Demolition Hammer und Paradise Lost angekündigt.
Alle Informationen, die es hierzu bereits gibt, findet ihr hier:
https://www.facebook.com/events/358740468080462/

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Frank

Frank

41 Jahre jung, Lauscher der härteren Klänge seit 1993, im extremen Genre zu Hause, insbesondere Death-, Black- und Thrashmetal in all seinen Facetten. Dass er als Deutscher, zusammen mit Adriana, einer Vorarlbergerin, in Wien für uns unterwegs ist... Ist halt Schicksal. Macht aber Spass!

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