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Summer Breeze 2019 – Festival Review

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Dieses Jahr stand für mich das erste Mal das Summer Breeze auf dem Tourplan und das Line Up hatte für wahnsinnige Vorfreude gesorgt und die Frage gestellt, warum ich vorher noch nie den Weg nach Dinkelsbühl gefunden habe. Am Dienstag ging es, nachdem ich noch jemanden eingesackt hatte, endlich los auf den doch nicht ganz kurzen Trip nach Dinkelsbühl. Einige meinten, dass man dort bei der Schleuse so wahnsinnig lange warten müsste. Wir dagegen konnten direkt zu einer Schleuse und das ganze Prozedere hat auch nicht mehr als fünf Minuten gedauert. Die freundliche Security half dann auch zu dem Ort zu gelangen, auf dem die anderen meines Camps schon aufgebaut hatten und auch das Camp meiner Mitfahrerin konnte nach einiger Zeit gefunden werden. 8 Stunden Arbeit und doch 6 Stunden Fahrt hatten geschlaucht und zeitlich wäre eh nur noch Tragedy drin gewesen. Also ging der Dienstag für mich bandfrei, dafür mit ein paar entspannten Hopfenkaltschalen im Camp zu Ende.

Tag 1 Mittwoch

Am Mittwoch ging es ja erst um 15 Uhr los und so konnte ausgiebig mit meinem Camp Klatschen gespielt werden. Doch leider ging es für mich vor dem Ende los, um mit die Blasmusik Illenschwang anzuschauen. Der Einlass ins Infield ging auch zügig. Die Blaskapelle passte auch optisch eher in den Musikantenstadl als auf ein Metal Festival, aber die Kapelle lebt ja auch eher vom Kultstatus. So gab es mehr oder minder bekannte Songs aus der Welt der Schunkelmusik. Die Leute haben es gefeiert und das ist ja das Wichtigste. Ich habe dann eher mal den Camba-Bierstand im VIP-Bereich ausgetestet und fühlte mich bei einem richtig leckeren, tiefschwarzen Black Shark (Black IPA) richtig wichtig.
Der erste metallische Act des Tages waren die Hamburger von Endseeker. Mit Flesh Harvest Prophecy haben die Hamburger es direkt beim Debüt geschafft, sich einen Namen zu machen. Dieses Jahr erscheint das zweite Album der Death Metaller. Neben den beiden bereits veröffentlichten Songs Spiritual Euphoria und Cure, hat es mit dem Titletrack The Harvest ein unveröffentlichter Song Platz in der Setlist gefunden. Auch haben die fünf gezeigt, dass sie Bock hatten und werden sicher im September mit ihrem Release nicht enttäuschen.

Qualitativ hochwertig ging es mit Nailed To Obscurity auf dem T-Stage weiter. Mit ihrem melodischen Doom/Death Metal erzeugen die Niedersachsen eine wunderbare, melancholische Stimmung. Das 6 Songs kamen nur aus den letzten beiden Alben Black Frost und King Delusion, was bei der kurzen Zeit schon vollkommen in Ordnung geht. Die Herren haben gezeigt, dass ich mich auf die Renegades-Tour, von der übrigens alle Bands (Equilibrium, Lord Of The Lost, Nailed to Obscurity und Occeans) auf dem Summer Breeze vertreten waren, im Winter freuen kann.

Nach einem kurzen Stärkungsbier auf dem Zeltplatz wurde es Zeit für Death Angel. Die Bay Area Thrasher schaffen es zu Hause maximal zur Festivalvorbereitung in die Anlage und das obwohl das Material echt super ist. Die Live Show steht dem im nichts nach und das war jetzt schon mein drittes Mal Death Angel. Die Amis bringen sympathische Ansagen und geben Vollgas und sind neben Hellavista live meine Lieblings Thrash Metal Band.

Nahezu zur Primetime wurde es Zeit für Soilwork, welche über die Jahre schon einige bekannte Titel ihr Eigen nennen können. Stabbing The Drama, Like The Average Stalker oder Nerve dürften den Meisten keine unbekannten sein. Die Vermischung mit neuen Titeln wie dem schnellen Opener Arrival oder dem komplett clean gesungenen Stålfågel hat gut geklappt und dafür, dass ich die Band erst eine Woche davor aus der Ferne und vor 3 Wochen live gesehen habe, machte das wieder Spaß. Einzig habe ich das Gefühl, dass Fronter Björn Strid gesanglich live etwas anders als auf Album ist. Auch die nächste Band verfolgt mich in diesem Jahr und im Vergleich zu Soilwork habe ich sie auf dem PSOA komplett sehen können.
Die Rede ist hier natürlich von Hypocrisy. Die Schweden um Peter Tägtgren spielten sich wieder quer durch die Discografie. Es wäre glaube auch irgendwie komisch, sich auf das neueste Album End of Disclosure zu stürzen, was jetzt auch 6 Jahre auf dem Buckel hat. Obwohl mir der Auftritt wieder gefallen hat, fing auf dem Ficken Party Stage parallel eine meiner persönlichen Festivalheadliner an: Anomalie. Das richtig geile Intro zu Vision I: Toward The Sun hat meinen Hype dann auch noch auf ein Toplevel gehoben und dann dieser Sound in der ersten Hälfte. Am Anfang gab es einfach fast nur Bass Drum und man hätte die Gitarristen beinahe daheim lassen können. In der zweiten Hälfte hat das dann Satan sei Dank wieder gestimmt, denn Marrok und seine Jungs haben so starkes Material. Der Fokus lag auf der neuen EP Integra aus der es mit Rebirth, Deliverance und Temples drei Viertel der Stücke gab. Vervollständigt wurde das leider viel zu kurze Set mit Vision IV: Illumination. Das mit dem Sound am Anfang war leider so eine Art Stimmungskiller für mich und so langsam kam auch schon die Müdigkeit. Daraus resultierend hatten Enslaved nicht den idealsten Slot erwischt. Da man die Norweger mit ihrem Progressive Viking Metal nicht so oft sieht, ging es dennoch hin. Die Bäume hinter der Bühne passten im roten Licht wunderbar und so gab es ein gutes 5 Song Set. Ohne großes Drumherum brachte man 5 Alben in das Set hinein. Mit Allfáðr Oðinn gab es zum Abschluss einen Song aus der zweiten, 1992 erschienen Demo Yggdrasil, was ich von der Songauswahl feiern musste, denn sowas hat man bei einer Band mit bereits 14 Alben echt selten. So gab es mit Enslaved einen guten Abschluss für den ersten Bühnentag.

Tag 2 Donnerstag
Der zweite Tag hatte zum Auftakt auch direkt wieder einen echten Leckerbissen zu bieten: Die Melodic Death/Symphonic Power Metaller von Kambrium durften noch vor dem Mittagessen um halb 12 ihr Können unter Beweis stellen. Nach einem epischen Intro ging es direkt Against All Gods. Die Jungs waren verdammt gut gelaunt und wurden dafür auch vom Publikum belohnt. Wer noch nicht mitbekommen hat, das Kambrium richtig gutes und auch brutalst eingängiges Zeug hat, ist entweder nicht offen für neue Bands oder lebt hinterm Mond. Zum Abschluss habe ich eigentlich mit dem „Down to the ground/Down To My Purgatory…“ aus dem Ohrwurm Abyssal Streams gerechnet, aber wir haben ein Cover von Pains Shut Your Mouth bekommen, welches eine eigene Note im Vergleich zum Original bekommen hat. Nach der starken Show wundert es mich, warum die Band nicht den letzten Schritt schafft und etwas später auf den großen Events dran ist.

Nach einem 5-Minuten-Stage-Wechsel gab es Black/Death/Thrash Metal aus Belgien und Slaughter Messiah. Ich denke das größte Problem für mich war, dass Kambrium so stark vorgelegt hat und ich mich auf Lord of The Lost gefreut habe. Das war definitiv eine gute Show, aber es sprang leider nicht nur bei mir der letzte Funke nicht über. Mal schauen, wenn die Herren mal wieder in der Nähe sind, dann kann ich mir das vielleicht nochmal in Ruhe anschauen.

Die Dark Rocker von Lord Of The Lost waren wie oben erwähnt meine nächste Station. Die Hamburger begannen mit fünf Titeln aus ihrem neuesten Album Thornstar. On This Rock I Will Build My Church finde ich bringt zu Beginn aber direkt eine gute Aktivierungsenergie gibt. Auch den Auftakt zu Morgana feiere ich immer wieder. Es folgte passend zum Metal Festival die Full Metal Whore und das recht elektronische Drag Me To Hell. Erschreckend musste ich feststellen, dass nach Six Feet Underground und La Bomba die Show auch schon wieder vorbei war. Lord of The Lost zeigen sich wieder heftigst Energie geladen auf der Bühne und machen immer wieder Spaß. Natürlich habe ich mir im Voraus einige ältere Stücke gewünscht, aber da sie nach Aussage von Pi auf der Renegades-Tour mehr Stagetime haben werden, kann man von Neuem hoffen.


Auch immer wieder Spaß machen die folgenden Folker von Versengold. Ob man jetzt Auftritte im ZDF Fernsehgarten oder Morgenmagazin feiert, muss jeder für sich entscheiden, aber Mille Petrozza war auch schon bei KIKA-Live und Kreator hatet deswegen auch keiner. Das Publikum hat zum Material aus den letzten beiden Alben ordentlich Gas gegeben und so ging es die Zeit zwischen Polonaisen, Mitspringen und Pits hin und her. Auch die Songs aus dem neuen Album Nordlicht gehen gut und so sind Der Tag an dem die Götter sich betranken oder das Thekenmädchen echt tiefsitzende Ohrwürmer. Als vorletztes wurde die Band mit Braune Pfeifen noch etwas politisch. Den Abgesang finde ich auch jedes Mal lustig und auch Haut Mir Kein Stein versprüht seinen eigenen Charme zwischen Melancholie und Party. Die Bremer schaffen es irgendwie immer wieder live mit der guten Laune anzustecken und so freue ich mich schon auf das nächste Mal Versengold.

Mein nächster Programmpunkt war es eine signierte Lord Of The Lost CD zu besorgen. Zum Glück konnte man von der Schlange gleich Aug und Ohr auf Avatar werfen. Musikalisch war das sehr eingängiger Power Metal nur der Sänger hat mir doch etwas zu viel gelabert.

Auf dem Ficken Stage folgte eine Band, die ich schon länger gerne Mal sehen wollte und die vorher auch noch nicht in Deutschland war. Brymir spielen einen Mix aus Melodic-Death mit Symphonic und Pagan Metal. Ich war nicht der Einzige, der motiviert auf die Show war. Die Jungs machten richtig Spaß und waren eigentlich Garant für Nackenschmerzen am nächsten Tag. Das einzige Manko war, dass es viel zu schnell vorbei ging und es blieb die Frage, warum noch nichts von denen in meinen Plattenschrank steht. Die anschließenden Xenoblight aus Dänemark konnten sich als positive Überraschung des Festivals bei mir einprägen. Der Melo Death mit ordentlicher Thrash Note ging einfach wunderbar. Das Material war dafür, dass es mit Procreation erst ein Album gibt, wunderbar ausgereift. Das war einfach 30 Minuten Vollgas und Headbangen. Warum habe ich von denen vor dem Breeze noch nichts gehört?

Alle guten Bands auf dem Ficken Stage sind 3 und so gab es nach 6 Jahren für mich mal wieder eine Frosttide Show. Leider hatten die Finnen am Anfang die gleichen Probleme wie Anomalie am Vortag. Immerhin konnten wir dann Blood Oath, Ruins of Defeat und Revenant bei gutem Sound abfeiern. Das Material ging gut nach vorne und machte so dann auch echt Spaß. So sind sie eine echte Alternative zu Bands wie Wintersun. Das mit dem Anfang ist aber wieder so eine Sache, die nicht sein muss.
Da auf dem Ficken Stage den Tag bisher so gutes Programm war, wollte ich Fear of Domination auch eine Chance geben. Die Band hatte sich wie bei Lord of the Lost eine kleines zweit Schlagzeug aufgebaut und gaben mit bis zu 3 Sängern Vollgas. Das war von der Show echt gut, aber ich konnte mich mit dem Industrial Metal nicht anfreunden, kann aber es jedem ans schwarze Loch legen, der gerne Industrial Metal hört. Namenshaft ging es auf dem Mainstage mit Testament weiter. Leider sprang wie schon auf dem Party San in der Vorwoche der Funke nicht über und dabei feiere ich Titel wie One More That Meets The Eye. Vielleicht hatten Death Angel am Mittwoch mein Thrash Metal Bedürfnis gestillt. Da es Krisiun auch schon auf dem PSOA gab und ich In Flames einfach aktuell nicht gut finde und sie nach dem Rockharz 2018 eh keine Sympathiepunkte mehr haben, ging es nochmal kurz ins Camp zur Stärkung für den Endspurt.

Frisch angemalt ging es zu Avantasia wieder ins Infield und ich habe es jetzt Mal vom Getränkestand aus gesehen und das reicht. Ich kann verstehen, warum viele das Projekt von Tobias Sammet so feiern, aber ich wünsche mir da lieber Edguy zurück. Aber immerhin habe ich sie beim ESC-Vorentscheid unterstützt und Mystery Of A Blood Red Rose hat es auch ins Set geschafft. Die parallelspielenden Deicide hatten ja mal wieder eine Autogrammstunde abgesagt und was stand mir da der Schock ins Gesicht geschrieben.

Bock hatte ich dafür auf Downfall Of Gaia und endlich passte das Corpsepaint jetzt halbwegs. Dieser Wechsel aus ruhigen und schnellen Parts gefällt mir beim Hören immer wieder. Dazu dieses Riffing und es ist einfach kein 08/15 Black Metal. Bis auf As Our Bones Break To The Dance gab es das aktuelle Album Ethic of Radical Finitude komplett. Nur Woe aus dem Vorgänger hatte es ins Set geschafft.
Meinen Tagesabschluss bildeten Cradle of Filth, die sich mit einem Special-Set zum 1998er Durchbruch-Album Cruelty Of The Beast nach Dinkelsbühl begeben haben. Die Truppe hatte mich auf dem Graspop echt überzeugt und vom neueren Material höre ich auch ab und zu mal was. Das alte Material ist musikalisch auch echt gut und ich mag diesen Mix aus Extrem und Gothic Metal, aber das alte Gekeife war echt wahnsinnig anstrengend. Ich finde es schön, dass Dani Filth und Co. kein Standardset gespielt haben und sich etwas einfallen lassen haben und Fans der ersten Stunden wird es auch total gefreut haben, aber die Vocals waren mir einfach zu viel. Ich freue mich da wieder auf eine „normale“ Show.

Tag 3 Freitag
Auch der dritte Tag wurde höchst motiviert angegangen und auf meine erste Band Harpyie hatte ich wahnsinnig Bock. Die Band begann ihr Set mit Blut&Spiele und trugen dabei zum Teil fallusähnliche Masken (der Sänger mit seinem riesigen Schnabel fiel doch sehr auf).
Der bombastisch angehauchte Folk Metal der Ostwestfalen sorgte für gute Laune und bei Berserker ist es schwer nicht mit zu brüllen. Der Sound hat aber leider auch hier etwas gebraucht und eine Mitklatschphase weniger hätte auch keinen gestört. Auch hatte die Version von Eifel 65s Blue (Di Ba Dee) einen Banderkennungswert, aber Blutsbrüder hätte ich dann doch lieber gehört. Dennoch war es ein starker Auftakt in den Tag.
Danach konnte man die Disco-Tanzmoves bei Beast in Black auspacken. Man hatte zwar einen vielseitigen Sänger dabei und wenn man etwas in die Richtung von alten Battle Beast gegangen ist, war das auch ok bis gut. Doch es war mir einfach zu viel Disco, was zu einem Bühnenwechsel zu Dust Bolt, welche uns eine engagierte Restshow mit wahnsinnig viel Spielfreude zeigten, geführt hat.


Es ging auch recht thrashig mit den Niederländern von Izegrim weiter. Die sieben Lieder gingen einfach ordentlich auf die Fresse und es war nicht schwer mich in den Pit zu ziehen. Das endete doch leider darin, dass mir einer mit offenem Knie in meinen Oberschenkel gesprungen ist. So war der Bühnentag so gut wie gelaufen und so gab es leider nicht Deserted Fear mit Manu ohne Klampfe, sondern ein Besuch beim Bayrischen Roten Kreuz.
Nach dem ein Bruch ausgeschlossen werden konnte und wir mit Stolz feststellen konnten, die beste Dosenreiterin am Bembel&Care Stand im Camp zu haben, konnte ich mir einfach die letzte Show ever von King Apathy (ehemals Tränenkind) nicht entgehen lassen. Interessant fand ich die Mischung aus Post Black mit einigen Crust und Hardcore Einflüssen. Es war schon irgendwie komisch, jetzt wirklich die allerletzte Show dieser Band zu sehen und es ist echt schade, dass es organisatorisch zu schwierig geworden ist, die Band aufrecht zu erhalten. Mit Desperation war dann auch die Show und die Bandgeschichte zu Ende.
Meine letzte Band des Tages war dann schon 17:30 dran und es war die Band, auf die ich mich am meisten auf dem Festival gefreut habe. Besonders weil Decembre Noir selten in meiner neuen Heimat sind. Das Set wurde mit Escape to the Sun aus dem letztjährigen genialen Album Autumn Kings eröffnet. Es folgten mit Small Town Depression und Forsaken Earth zwei Songs aus dem Voralbum, ehe mit Autumn Kings das Set auch wieder viel zu schnell zu Ende ging. Ich finde diesen Mix aus kräftigen walzenden und melancholischen, sowie melodischen echt stark. Leider gab es nur 4 Songs, aber ich muss dann wohl doch im Dezember mal wieder nach Erfurt um sie mir am Doppel-Macbath-Konzertwochenende zu Gemüte zu führen.

Leider musste ich danach noch starke Bands, wie Rotting Christ, King Diamond, Napalm Death, Hammerfall oder Cypecore mir entgehen lassen.

Tag 4 Samstag
Ich war wohl doch nicht so schnell wie erhofft und so musste ich mal wieder Winterstorm sausen lassen und das wird wohl zum Fluch. Dafür gab es etwas Evergreen Terrace. Das war für mich halt klassischer Metalcore und die Show war trotz recht leerer Crowd eine gute. Irgendwie schienen die Jungs die Zeit verplant zu haben und so gab es mit Animal Sex noch eine Art Zugabe. Schon eher meins war Brainstorm. Dieser melodische Heavy/Power Metal mit der genialen Stimme von Andy B. Franck gefällt mir einfach sehr. Leider scheint es nicht so vielen zu gefallen oder der Kater war noch zu stark, denn so waren noch weniger als bei Evergreen Terrace da. Bei Jeanne Boulet hatte man sich eine Frau auf die Bühne geholt, die im weißen Kleid still auf der Bühne stand. Sie war einfach nur schmückendes Beiwerk und ich habe wohl den Sinn dahinter nicht ganz verstanden.


Weiter ging es mit einer bisher einzigartigen Band: Van Canto. Die A-Capella Metaller hatten mich mit ihrem aktuellsten Album Trust in Rust nicht so ganz überzeugt. Aus dem Album gab es auch nur mit AC/DCs Hells Bells und Helloweens Ride The Sky zwei Coverversionen. Insgesamt hat man sogar noch Grave Diggers Rebellion und Maidens Fear of the Dark mit reingepackt, was an sich gut ankam. Mir war dennoch mit 4 von 9 Titeln der Coveranteil etwas zu hoch. Dennoch war es eine gute und unterhaltsame Show. Cool fand ich auch, das für die letzten drei Songs man den ursprünglichen Leadsänger Phillip Schunke mit auf die Bühne geholt hat. Auch wenn man mit den eigenen Songs etwas den Zenit überschritten hat, machen Van Canto live immer wieder Laune. Eine Band die live auch immer alles gibt, ist Skalmöld, die parallel schon auf der T-Stage angefangen haben und so musste ich dann doch mal zur anderen Bühne humpeln. Wieder mit Dauergrinsen kämpfen die Isländer, dafür ihre Kultur den Leuten näher zu bringen und zumindest zeigten viele Interesse und feierten die Jungs auch ab. Damit man den Gig auch nicht vergisst haute die Band seinen bekanntesten und auch eingängigsten Song Kvadning zum Ende raus.

Auf dem Rückweg zum Main Stage lagen noch Rectal Smegma auf den Weg. Mit einem Pop-Intro ging der Grindwahnsinn los und einige Riffs klangen an sich gar nicht mal so verkehrt, aber auf Dauer ist das Genre mir einfach zu eintönig. Equilibrium sind da meiner Meinung etwas vielseitiger. Obwohl die Show nur eine Woche vor dem Release des neuen Album Renegades liegt, spielte die Band noch unter dem Armageddon Banner und begann auch mit Prey. Aus dem neuen Werk gab es auch nur den Titletrack. Über Equilibrium kann man sagen, was man will, aber ich finde mit Robse haben sie einfach eine Type am Gesang, die man nicht mehr wieder kriegt. Seine Ansagen haben die Zeiten zwischen den Songs ordentlich aufgeheitert. Das Equilibrium jetzt eher einen auf ernsthafte Band machen wollen, hat aber nicht jeden gefallen. Mit Blut Im Auge gab es zwar einen Klassiker, aber sonst war der älteste Song Waldschrat. Viele haben sich aber mehr über die Party Songs wie Met gefreut und wurden enttäuscht. Gefreut habe ich mich über Apocalypse, bei dem mir aber der Aufbau, auch in der live-Version, immer mehr gefällt. Warum man jetzt Johnny B einbringen musste, erschließt sich mir leider nicht so ganz, abgesehen davon, dass sich der neue Bassist und Sänger Skar präsentieren konnte. Klar, es ist ein Bonus Track für das neue Album, aber kaufe ich mir ein Album wegen einem Cover? Die neue Keyboarderin Skadi, die auf dem Foto ihrer Metal Archives Seite sehr ernstzunehmend aussieht, fehlte und so kam wieder einiges vom Band. Nichts desto trotz macht Equilibrium live immer noch sehr viel Spaß, wie das neue Album überzeugt werden wir sehen müssen (das Review hierzu ist bereits online!)

Im Anschluss war die Band dran, die wohl als coolster Eurovision Song Contest Sieger bis jetzt zu werten ist: Lordi. Und ja wir würden die Monstermänner lieben, denn Mr Lordi hat das sehr sympathisch gemacht. Zwischen einigen Songs gab es immer mal wieder Schauspieler, die die Stimmung aufgelockert haben und sicher auch überspielt haben, dass 75 Minuten etwas zu anstrengend geworden sind. Die Band hat mit Devil Is A Loser, The Riff, dem Durchbruchssong Hard Rock Halleluljah oder dem eben angespielten Would You Love A Monsterman? einige echt coole Titel im Petto. Einzig ein Bühnenaufbau wie King Diamond hätte der Show noch den letzten Schliff gegeben. Darauf ein Fuck Ja.

Qualitativ hochwertig ging es mit Eluveitie weiter, die sich einfach mal der kompletten Pyrotechnik-Palette bedienten. Das neue Album gefällt mir sehr gut. Die Setlist war zwischen neuem und bekannten sehr ausgewogen. So durften wir uns zwischen Ategnatos oder Rebirth und Helvetios oder Thousandfold hin- und herbangen. Erstaunlich fand ich den verhältnismäßig hohen Anteil an female-lead-Songs: Mit A Rose For Epona, Call Of The Mountains und Ambiramus waren es gleich drei. Ich finde Chrigel macht immer sehr sympathische Ansagen. Zum Abschluss finde ich immer die Live-Prelude zu Inis Mona so episch wo er quasi seine Abmoderation präsentiert. Ich freue mich jetzt schon auf die Tour im November mit Lacuna Coil und Infected Rain.

Subway To Sally begannen ihr Set mit Messias und ich fand, dass Eric Fish mit der Perücke und dem goldenen Sakko zumindest gewöhnungsbedürftig aussah. Die Band umrahmte ihre alten Songs und Klassiker mit einigem aus dem neuen Album Hey. Bei den Klassikern waren neben Eisblumen und Sieben auch Songs wie Falscher Heiland oder Henkersbraut dabei, auf die ich nicht direkt gesetzt hätte. Interessant finde ich es, wie es die Potsdamer geschafft haben, sowohl in der Metal-, Mittelalter- und Gothic Szene einen so großen Namen zu haben. Auch haben sie mit Eric Fish einen Sänger mit einer markanten Stimme. Meine einzigen Kritikpunkte sind, dass ich dieses Zugabengetue vor Grausame Schwester dämlich fand, denn jeder kann einen Timetable lesen und es fehlte mir das obligatorische Julia und die Räuber zum Abschluss.

Nun ward es auch schon Zeit für den letzten Tagesheadliner des Festivals und der hat mich auch positiv überrascht. Ich habe von Bullet For My Valentine zwar nur die ersten 6 Songs gesehen, weil parallel dann Hämatom auf dem Programm standen, aber mit 4 Words (To Chuck open) habe ich sogar ein Stück wieder erkannt. Mit ihrem recht schnellen und über den „Standard“-Metalcore hinausgehenden Stil, haben sie schon was eigenes. Optisch sind die Jungs aber auch schon etwas gereift. Die erste halbe Stunde war definitiv eine gute, Energie geladene Show. Auf dem T-Stage war es derweil Zeit Für Neue Hymnen und Hämatom. Dass die Band am Monatsende schon ihre 15 Jähriges feiert zeigt mal wieder, wie schnell die Zeit vergeht. Die Franken hatten eine aufwendige Lichtshow im Gepäck. Des Weiteren hat man sich auch sonst einiges einfallen lassen, wobei die Funkensprühende Maske von West beim Headbangen und das Drumsurfen (Süd macht auf einem kleinen Drumkit Crowdsurfen) die spektakulärsten Sachen seien dürften. Mit Wir Sind Keine Band und dem Queen-Cover I Want It All gab es noch etwas aus dem am 30.8. erscheinenden Jubiläumsalbum. Der Mix aus NDH und Punk macht live durchaus Spaß und nachdem wir das Cover von Kids (2 Finger an den Kopf) überstanden haben, gab es zum Ende noch den epischen Titel Wir sind Gott. Vielleicht sollte ich doch zum Maskenball gehen.

Meine Letzte Band war dann Dimmu Borgir. Bei den Norwegern gefällt mir auch dieses bombastische neue Material. Der Nachteil dabei ist nur, dass zum Beispiel der Refrain von Interdimensional Summit, der Chor bei Dimmu Borgir oder die Gastsängerin bei Gateways vom Band kamen. Für die Fans die schon länger dabei sind gab es zum Ende noch das genialaufgebaute Progenies of the Great Apocalypse und Morning Palace. Dennoch war das von der Lichtshow und den später gezündeten Feuern ein epischer Auftritt und ich freue mich auf die Tour mit Amorphis im Frühjahr.

Festivalfazit:
Das Summer Breeze konnte mich mit einer guten Organisation und einem genialen Line Up überzeugen. Es war alles fußläufig, wenn man sich nicht gerade verletzt hatte, in maximal 15 Minuten zu erreichen und auch ein Bühnenwechsel ging sehr schnell. Die Auswahl an Ständen liess auch keine Wünsche übrig und man kam immer schnell an ein Bier. Der Bierpreis war mit 4€ für 0,4l Standard. Vorteilhaft war, dass man 3 Sorten Bier zur Auswahl hatte und alle von Mönchshof sind gut trinkbar.
Soundprobleme auf Festivals sind leider keine Seltenheit. Auch wenn mir klar ist, dass ein super Sound beim Wind nicht hinzukriegen ist, kann es schon teilweise die Stimmung trüben. Auch hätten teilweise die Dixis, die unserem Camp am nächsten waren, gerne etwas häufiger geleert werden können. Sonst steht das Summer Breeze 2020 bei mir im Kalender, in der Hoffnung, das das Line Up an das diesjährige anknüpfen kann.

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Lennart

Lennart

erst 19, dafür seit dem 6. Lebensjahr vom Heavy Metal mit nahezu all seinen Subgenres in Gefangenschaft genommen und dabei sehr oft auf Konzerten und Festivals unterwegs.

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