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Serdar Somuncu – SYSPHS – Liebe, Pop und Bilderbuch – Album Review

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Hin und wieder sollte man doch mal über den Tellerrand blicken. Wer weiß was einem entgehen könnte? Mit „SYSPHS“ blicke ich aber nicht nur über meinen Tellerrand, sondern in ein ganz anderes Universum.

In das Universum des als Hassprediger bekannten Alleskönner Serdar Somuncu. Neben seiner Bühnenshows und seinen politischen Ausflügen macht Serdar auch schon eine Zeit lang Musik. Bisher veröffentlichte er zwei Rap-Alben die an mir komplett vorübergingen. Wie so oft ist Album Nummer 3 das Make-or-Break Album und Serdar zeigt hier eine andere Seite. Eine ganz andere.

Serdar Somuncu, 31.05.2019 Köln, Fotograf : Paul Schirnhofer

Stilistisch kann man es am ehesten mit den aktuellen Veröffentlichungen der österreichischen Band Bilderbuch vergleichen, also ist es nicht wirklich einzuordnen. Ähnlich wie die Wahl-Wiener kann ich auch die Musik auf „SYSPHS“ nicht wirklich ernst nehmen und doch erkennt man einen gewissen ernsten Kern der unter der teils absurden Hülle versteckt ist. Wenn man will kann man auch Gesellschaftskritik heraus hören, wie in dem durch das Stöhnen einer Frau begleiteten Sextape. „Wir drehen ein Sextape“ singt Serdar hier mit ordentlichem Autotune Einsatz. Steckt denn hier mehr drinnen als es anfangs den Anschein macht? Meiner Meinung nach ja. Für mich nimmt es Bezug auf die zunehmende Beziehungsunfähigkeit der Menschen. Alles egal Hauptsache Sex. Mag sein das ich hier mehr sehe als Serdar uns sagen will, aber gerade das ist doch das schöne an Musik. Jeder nimmt es anders war und zieht andere Schlüsse.

So außergewöhnlich und speziell wie Sextape sind nahe zu alle Songs des Albums. Jeder mit seiner eigenen Seele und stets schwankend zwischen elektro-geschwängertem Pop, Rap und auch Rock, mit einem total variablen Serdar am Mikro. Ganz ehrlich habe ich nach der recht ernsten, aber äußerst gelungenen, Elektro-Pop Ballade Wir sind hier nicht ein so abwechslungsreiches und spannendes Album erwartet.

Nicht nur die richtigen Songs überzeugen nahe zu ausnahmslos, auch das Intro, sowie die Interludes und das Outro. Im Intro hört man einen Monolog von Serdar an einem Telefon, also quasi an uns gerichtet, in dem wir erfahren warum er dieses Album gemacht hat und was uns erwartet. Beendet wird es mit dem Satz „You fucked me up“, welchen er immer wieder singt. Die Interludes und das Outro bestehen nur aus diesem einen Satz, aber immer mit einer anderen stilistischen Färbung.

Fazit:
Experiment geglückt. Serdar hat ein absolut außergewöhnliches Album gezaubert, welches sehr viel zu entdecken parat hält. Es ist kein Rock-Album, aber auch kein Pop-Album. „SYSPHS“ entspricht einer stilistischen Entdeckungsreise und kann sicherlich so gut wie jeden zumindest in einzelnen Facetten überzeugen.

Ich vergebe 8,5 von 10 Bängs.

„SYSPHS“ erscheint am 16. August via Arising Empire und wird als CD, Digitales Album und Stream erhältlich sein.

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[ROCKMAGAZINE Leserbewertung: 5 Durchschnitt: 4.2]
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Patrick

Patrick

geb. 1993. Musik-Fan seit 2010. Verlobt Ein Sohn. Bevorzugte Genres: Metalcore, Post-Hardcore, Progressive Metal, Pop-Punk. Neben seiner sozialen Ader ist Patrick auch für feinste Recherche und Tiefe in seinen Reviews und Berichten bekannt.

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