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Rock & Metal in der DDR – wie war das damals? Erfahrungen eines Metalheads…

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Auch im „wilden Osten“, also der ehemaligen DDR gab es eine „Rock & Metal Szene“. Es war zwar alles etwas anders und komplizierter als im Wesen, aber doch gab es sie. Wir haben Torsten aus Schwarzeheide in der Facebook Gruppe „Heavy Metal Fans“ kennengelernt, und er hat ein wenig aus der Schule geplaudert:

Torsten aus Schwarzheide Ende der Achziger

„Alles begann für mich 1979 in einem kleinem Kinderzimmer eines Kumpels. Wir saßen zusammen und laberten über Musik und anderes. Irgendwann sagte er: „Du ich habe da ´ne Kassette bekommen, die musst Du Dir anhören.“ – ,Gesagt… Getan… . Was ich dann hörte, war für meine Ohren neu, auch irgendwie cool und ja – „hart“ und „aggressiv“. Ich hörte zum erstenmal in meinem Leben AC/DC! Diese Musik zog mich sofort in Ihren Bann. Und der hält bis heute!

PENT – Eine Metalband aus der DDR

Ich begann mich intensiver damit zu beschäftigen, besorgte mir Tapes, und begann nach Leuten zu suchen, die sich ebenfalls für diese Musik begeisterten. Es dauerte dann noch ungefähr ein halbes Jahr und ich kannte einige Leute. Wir tauschten unsere überspielten Kassetten und Infos über unsere Favoriten aus . Das war in der DDR nicht einfach, da es praktisch nichts in dieser Richtung gab – zumindest offiziell…
Die wenigen Alben, die wir hatten wurden aus dem Westen „importiert“. Es gab auch damals schon findige Leute, die sich etwas „von drüben“ besorgten und für teures Geld verkauften .
Hier mal einige Preise: eine Leerkassette kostete 20 Mark OST, die besseren Version FE 1 dann 22,70 Mark OST. Und ein Lehrling verdiente damals ca. 120 Mark OST.

Ich fing auch an mir passende Kleidung zu besorgen. Was war ich stolz als ich mir damals eine Kunstlederjacke und eine Kutte besorgt hatte.

Berluc (DDR) hätten sicher in einen Modekatalog der Achziger gepasst

Vom Staat wurde das alles natürlich argwöhnisch betrachtet. Man lies uns aber relativ in Ruhe und in den 80ern gab es dann sogar eine Metalsendung auf DT64 – „Tendenz Hart bis Heavy“, dem damaligem Jugendradio ! Später in den Achtzigern gab es dann noch einen Sender „Sputnik“ der eine Metalsendung im Programm hatte. Kiss wurden aufgrund ihres Logos nie im DDR-Radio gespielt, und waren eine Zeitlang sogar verboten.
Anfangs verbrachten wir ganze Nächte damit uns unsere Musik zu überspielen, zu tauschen und natürlich zu hören. So etwas wie Metal Konzerte gab es damals einfach nicht. Das änderte sich dann mit dem Aufkommen von Bands, die unsere Musik coverten. Endlich konnten wir unsere Lieblinge auch „live“ hören.

Bekannte Rock- oder Metalbands in der DDR waren damals Babylon, MCB, Berluc, Formel 1, Biest (siehe Titelbild), Argus, Pent und noch einige andere, die aber nicht so bekannt waren und eigentlich nur coverten. Manche der genannten haben später auch eigene Titel gemacht.

Nach einiger Zeit hatte ich meine Jacke und auch die Kutte mit Nieten verziert und wurde auf der Straße reichlich komisch angeguckt. Es war mir auch gelungen mir einige Patches zu besorgen. Das war natürlich ein Highlight war zu dies Zeit!
Eigentlich muss man sagen, der Markt funktionierte. Es gab vieles unter der Hand, es wurde auch viel getauscht, vor allem Platten. Die meisten kamen aus Ungarn oder Polen, als sogenannte „Lizenzpressungen“.

Originale gab es auf dem „Schwarzmarkt„. Die Preise dort waren allerdings jenseits von gut und böse. Sie reichten von 100 Mark für unbekannte Bands bis ca. 900 Mark für die bekannten Bands . Ich selbst habe damals reichlich Geld auf diesem Schwarzmarkt gelassen.
Die DDR eigene Plattenfirma „Amiga“ hat meines Wissens nie eine ausländische Metalplatte veröffentlicht. Es gab zwar Lizenzpressungen von Deep Purple oder Uriah Heep – die waren aber schnell vergriffen. Bei Patches funktionierte es auch so ähnlich. Die gab es am Schwarzmarkt, im Tausch oder im Urlaub – im sozialistischen Ausland.

Zur Konzertszene:

Später gab es im ganzem Land auch Konzerte. Zu denen fuhr man dann am Wochenende. Mit der Bahn, dem Bus, oder per Autostop. Das war natürlich ein ungewohnter Anblick in der DDR, wenn da eine Horde Metalheads in den Zug einstieg. Der Zusammenhalt war außerordentlich in diesen Zeiten.
Man verbrachte die Nächte nach den Konzerten gemeinsam auf den Bahnhöfen, weil die Züge erst wieder um sechs oder sieben Uhr morgens fuhren. So kam es oft zu Begegnungen mit der TRAPO, der Transportpolizei, und hin und wieder wurde man für eine Nacht inhaftiert. „United We Stand“ war nicht nur ein Schlagwort. Vielen Metalheads stellten Übernachtungsmöglichkeiten für andere zur Verfügung. Man half sich eben gegenseitig.

Mein Fazit:

Ich habe auch damals schon Metalfans als Menschen kennen und schätzen gelernt. Man half sich gegenseitig und war eng verbunden durch das gemeinsame Interesse – der Musik. Es ist schön, dass sich das auch heute nicht geändert hat.“

Torsten aus Schwarzheide heute – Metalhead bleibt Metalhead!
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Uli

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