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Rock am Stück 2019 – 19.07., – Fritzlar – Tag 2

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Die Nacht im Auto hatte ich doch mehr schlecht als recht hinter mich gebracht, der Regen in der Nacht verwandelte den Campingplatz von einer staubigen Wüste in einen schlammigen Acker. Jeder Knochen im meinem Körper schmerzte. Aber noch schlimmer als mein geschundener Körper war die Frage: „Wo bekomme ich um diese Zeit schon Kaffee her“!? Die freundliche Security gab mir den Tipp, dass auf Campground 3 eine hervorragende Versorgungsstation zu finden sei. In der Tat: Kaffee, Rührei aus dem Tetrapack  (sick!) und Internetempfang (!!!) ließen die Laune doch schnell wieder ansteigen.

Zurück am Campingplatz traf ich Karina, die sich zum späten Frühstück bei ihren Platznachbarn Wacken-Opa Günter, Ralf, Ute und Tina von der Charity Aktion Lautstark gegen Krebs eingefunden hatte. Ich wurde auf einen weiteren Kaffee in die muntere Runde eingeladen, und lustige Anekdoten aus dem Leben des 71jährigen Günter machten die Runde.

Pünktlich um 12:00 Uhr eröffneten Torsten und Hermann den zweiten Festivaltag, für dessen musikalischen Auftakt die Kasseler Youngster Death Metal Kapelle Solace auf die Bühne durfte. Handwerklich gab es bei Brechern wie „My Curse Upon You“ oder „Hanging Tree“ wenig zu bemängeln. Die Growls von Sänger Johannes saßen ebenfalls, und die Matten der noch wenigen Banger vor der Bühne begannen schon zu rotieren.

BRDigung waren mir bisher nur namentlich bekannt, aber der fetzige Deutsch Rock erregte mit seinen frechen, politisch unkorrekten Texten meine Aufmerksamkeit. „Mein Lied Im Radio“, „Drogen im Haus“ oder „Tanz Dickes Kind“ sind auf den ersten Blick pure Provokation, aber zwischen den Zeilen finden sich viele gesellschaftskritische Situationen aus dem alltäglichen Leben… nur mit dem Vorschlaghammer serviert! Hatte mir gut gefallen und ich werde mich bestimmt nochmal mit der Band befassen.

Danach wurde es etwas exotisch, als Kryptos aus Indien mit deftigem Thrash Metal  aufwarteten. Mit dem aktuellen Album „Afterburner“ im Gepäck wurden vor inzwischen guter Kulisse daraus Granaten wie „Cold Blood“ und „Red Dawn“ präsentiert. Einen weiteren Schädelspalter in Form von „One Shot To Kill“ gab es obendrauf. Sänger Nolan Lewis beherrschte jede Metalpose, und das Quartett brachte die vorderen Reihen zum Kochen.

Ost+Front aus Berlin kamen mit gewohnt provokantem Bühnenoutfit zum Rock am Stück, um das Publikum mit bildgewaltiger Bühnenshow  und brachialen Neue Deutsche Härte Klängen zu begeistern. Keyboarder Eva Edelweiß betrat die Bühne zuerst und schwenkte ein Schild mit den Botschaften „Ich bin hier unfreiwillig“ bzw. „Lauter“. Sänger Herman Ostfront kam blutüberströmt trotz sommmerlicher Hitze in langem Mantel. Das Make Up, die Masken und die nicht ganz jugendfreien Texte erinnern an Rammstein, ohne dass Ost+Front dabei zu einer bloßen Kopie mutiert. Das Publikum war textsicher und zum Teil auch noch ganz schön jung, wie ein Blick in die erste Reihe zeigte.

Die Stuttgarter Pyogenesis brannten danach ein Feuerwerk mit ihrem Mix aus Punk, Hardcore und Metal ab. Krasse Breaks, derbe Growls und manchmal mehrstimmiger Klargesang zeichneten Songs wie „A Kingdom To Disappear (It’s Too Late)“ oder „Don’t You Save Me Maybe“ aus. Auch mit ihrem Bühnenoutfit (Schwarze Hemden, silbergraue Krawatten) hob sich die Band optisch von allen anderen Bands des Festivals ab.

Endlich war es soweit und die australische Legende Rose Tattoo um den charismatischen Sänger Angry Anderson als letztes verbliebenes Originalmitglied betraten die Bühne. Mit ihrem Rock ’n‘ Roll Boogie aus über 40 Jahren Bandhistorie waren es natürlich vor allem die Älteren im Publikum, die zahlreich erschienen waren, um Songs wie „Assault And Battery“, „Rock ‚n‘ Roll Outlaw“, „We can’t be Beaten“, Nice Boys“ (zu dem ein kleiner Pit entstand), oder „Astra Valley“ wohl zum letzten Mal live erleben zu dürfen. Der 71jährige war gut aufgelegt, forderte die Leute mehrmals dazu auf, aufeinander zu achten und sich gegenseitig zu berühren, was schon ein wenig skurril erschien.

Amorphis starteten schon gleich im Intro mit Problemen und mussten nochmal komplett neu starten. Mit wenig Ansagen knallten die Finnen Hits neueren Datums wie „The Bee“  und „Wrong Direction“, gepaart mit älteren Death Metal Knallern wie „A Course Of Fate“ oder „Into Hiding“ in die Abenddämmerung. Mit nordischer Gelassenheit spielten sich die Musiker routiniert durch den Set. Sänger Tomi Joutsen war ganz klar der Blickfang im Line Up und sang sich sicher durch die melodischen Parts und auch die Growls trafen das Death Metal Herz der zahlreichen Fans.

Sänger Alexx Wesselsky wurde schon am Nachmittag auf dem Festivalgelände gesichtet, der Vorhang fiel für Eisbrecher jedoch erst zur Headliner-würdigen Zeit um 22:30 Uhr.  Die Band brachte eine volle Ladung kantige, ehrliche Rockmusik mit. Mit Songs wie „So oder so“, „Leider“, „Prototyp“, „Himmel Arsch und Zwirn“, „1000 Narben“, „This is Deutsch“, „Volle Kraft voraus“, „Was ist hier los“ und“ Miststück“ raste die Stimmung auf den Höhepunkt zu. Da kann man(n) dann auch mal ein Biene Maja Solo Cover auf der Gitarre präsentieren. Passend zur Eiszeit“ rieselte Kunstschnee auf die in kaltes blaues Licht getränkte Bühne und die letzte Zugabe „Herzdieb“ wurde mit einem Feuerwerk untermalt. Zum Abschied flogen wieder die heiß begehrten Stoff-Eisbären ins Publikum und – wie immer – hat Karina keinen abbekommen….Also wird sie wohl fleißig weiter Eisbrecher Konzerte besuchen müssen…

Auf der kleinen Giro Young Stage wurde ab Freitag auch den ganzen Tag gerockt. Am Donnerstag  gab es in den Umbaupausen dort noch Musik aus der Konserve, die von DJ D-EVIL aufgelegt wurde. Für den Freitag eröffneten von dort aus die Fritzlarer  Lokalmatadoren Tontourismus den Festivaltag mit bretthartem Punk/Metal mit deutschen Texten.

Ebenfalls aus Fritzlar stammen SoundSalat, die mit ihrem akustisch untermalten Deutschrock bei den Anwesenden für gute Laune sorgten.

Ganz anders agierten die Kasseler Foley. Mit brutalem Metalcore ballerten die Jungs den Zuschauern ein heftiges Brett vor den Kopf, das sich gewaschen hatte. Wegen kleinen Soundproblemen vor dem Auftritt von Ost+Front gab es noch einen weiteren Song zur Überbrückung.

Mit Leidbild bestiegen meine Platznachbarn vom Campground die Bühne. Die Frankfurter rockten die kleine Bühne mit ihrem intensiven Punk Rock mit ordentlicher Metal Kante. Sänger Criss schmetterte die intensiven Songs wie „Grauer Herbst“, „Benutz mich“ oder „Therapie“ mit unglaublicher Leidenschaft, suchte immer wieder Kontakt zum Publikum, sprang dabei entfesselt auf und über die Absperrung. Mit Sarah an der zweiten Gitarre gab es einen weitern optischen Blickfang beim Auftritt von Leidbild.

Reinrassiger teutonischer Heavy Metal wurde als nächster Act von den Kasselern Reaper unter das Volk gebracht. Durch die Reibeisenstimme von Sänger Daniel Zimmermann erinnerte der Sound bisweilen an Grave Digger. Unterstützung holten sich die Jungs am Ende ihres Auftritts von Burden Of Grief Bassist und Hellforce Sänger Florian Bauer, der während des Gigs in der ersten Reihe seine graue, arschlange Matte energisch kreisen ließ.

Bei HassWut musste ich mir eine kurze Festivalpause gönnen, denn die Gigs gingen ohne Verschnaufpause von Bühne zu Bühne nahtlos ineinander über. Der elektronische Industrial Rock der Spanier mit deutschen Texten zählte ohnehin leider überhaupt nicht zu meinen musikalischen Vorlieben.

Anders ist da schon der Motörhead mäßige Sound der Essener Krawall Rocker Crossplane. Der Rock ’n‘ Roll mit Thrash Kante bringt Stimmung unter das zahlreich erschienene Publikum und lässt auch mich nicht kalt. Sehr cooler Auftritt der Jungs aus dem Ruhrpott!

Live Tioz  aus Wetzlar übernahmen den undankbaren Part der letzten Band des Tages. Aber für die Onkelz Tribute Band um den sympatischen Frontmann Alex Rudert sammelte sich trotz der späten Stunde eine große Fangemeinde vor der Bühne, um Songs aus 25 Jahren BO-Bandgeschichte wie „Terpentin“, „Wir sind die Onkelz“, „Lieber stehend sterben“, „Finde die Wahrheit“, „Nichts ist für die Ewigkeit“, „Keine ist wie Du“, Nekrophil“, „Buch der Erinnerungen“, „Mexico“ und andere zu feiern.  Bei „Auf gute Freunde“ griff Alex Tochter Lilo zum Mikrofon und bewies ihr Bühnentalent. Da für die letzte Zugabe nur noch eine Minute Zeit war, kam Festivaltag 2 mit den Klängen von „Ace of Spades“ zum musikalischen Ende.

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Michael

Michael

Baujahr '67. Metalhead seit 1979. Musikalische Vorlieben: NWOBHM, Power Metal, Epic Metal, Bombast Metal, Doom, Melodic Death Metal, Alternative Rock, und alles dazwischen, Hauptsache es ist authentisch! Michael ist unser "wandelndes Musiklexikon". Es gibt nichts, was er nicht weiss. Wahrscheinlich sogar die Anzahl der Leberflecke von Elvis´ verstorbenen Zwillingsbruder Aaron!

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