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Into the Dungeon Festival – 06.07.19, Kreuztal – Festival Review

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An Act in the Kitchen – der etwas andere Bericht

Beim 4. Into the Dungeon Festival mit Morbid Jester und Act of Creation in der legendären Schlossküche des Schlosses Junkernhees, Kreuztal, wurden echt alle Register gezogen, um den begeisterten Fans den Dampf aus den Ohren rauchen zu lassen. Aber zunächst eine kurze Beschreibung der wirklich außergewöhnlichen Festival Location:

Der Verein, der sich seit 2014 für den Erhalt des gut 600 Jahre alten Gebäudes einsetzt, hat bei der Umsetzung seiner Pläne außergewöhnlich viel Phantasie.
Neben verschiedenen anderen Veranstaltungen, startete man 2015 erstmalig mit Into the Dungeon ein Heavy Metal Festival, wo die teilnehmenden Bands in der uralten Schlossküche auftreten – mit dunklem, schweren Balkenlager, nicht normgerechten Treppenstufen, Fischgrät Steinboden und einem gigantischen Kamin. Ein Hammer – das muss man mal gesehen und live erlebt haben. Nun also ging am 06. Juli die vierte Auflage an den Start und ich habe mich bewusst auf zwei heimische Bands konzentriert, auch wenn mit Vulture und Disbelief durchaus Hochkarätiges am Start war.
        

Den Anfang machen bei mir Morbid Jester aus Hessen, eine fünf Mann starke Kombo, die sich dem Power Metal verschrieben hat und schon als Support von Saxon auftreten durfte (1994). In der aktuellen Besetzung Allan Bunnell (Gesang), Thomas Strömmer (Gitarre), Davin Schuh (Lead Gitarre), Udo Krause (Bass) und Markus Hain (Drums) spielen die Jungs seit letztem Jahr zusammen – und die legen vom Fleck weg gut los!

Mit Warriors Creed, Never Neverland und The Masquerade lassen die Jungs gleich richtig die Wildsau los und Sänger Allan, dieser schmale, wieselige Typ, gibt alles. Er fordert die Fans zum Winken und Klatschen auf und legt sich richtig ins Zeug. Das muss er auch, denn der gemeine Siegerländer ist mit heftigen Gefühlsausbrüchen eher geizig.
Aber ab dem sechsten Song The Storm bekommt die Küche heftig Betriebstemperatur, nicht zuletzt weil auch Leadgitarrist Davin Schuh einen super Job macht. Die Jungs geben nochmal richtig Gas und bei der Schlussnummer Something Wicked ist die Suppe gar! Morbid Jester machen richtig Spaß – soviel steht mal fest!

 

Nach kurzer Pause betreten dann Act of Creation aus Siegen die qualmende Arbeitsplatte. Die Band um Carsten Schluch existiert seit 2007 und hat sich dem Melodic Death Thrash verschrieben, mit mittlerweile 10 bis 20 Auftritten pro Jahr.
Besetzt sind sie wie folgt: Jess (Gesang), Jan (Drums), Uwe (Bass und Gesang), Susu und Casi (Gitarren).


Und dann gibt’s Feuer unterm Kessel, aber Hallo!! Die Bandmitglieder stehen starr und mit gesenkten Köpfen auf der Bühne als das Live Intro Thion erklingt – hier hört man ein geisterhaftes Thema, dort könnte ein Totenglöckchen läuten und dann treibt der stete, unheilvolle Ton der Intensivstation den Puls in die Höhe. Mit dem folgenden Diagnose Tod – wird das staunende Publikum ehrlich geschockt: zum einen ist der Text über einen zum Tod geweihten Teenager alles andere als leicht zu ertragen, zum anderen öffnet Sängerin Jess den Mund und growlt los! Pest & Cholera – aus dem zierlichen Mädchen kommt ein Druck raus, das zieht sie echt aus den Tiefen ihrer Seele und ich höre von etlichen anderen Seiten, die darf sich mit Alissa von Arch Enemy durchaus vergleichen. Das geht in Richtung zwei Kochmützen – dazu kommt, dass mir das sich wiederholende Gitarrenthema echt gut gefällt, das hat Wiedererkennungswert.

Weiter geht es im Laufe des Auftritts mit State of Agony, dann folgt das (im Küchenterminus) gut abgehangene Sunlight after Midnight – hier ist nicht nur die Bezeichnung Melodic Death Thrash absolut korrekt, man merkt der Band die gemeinsame Spielfreude an, die ergänzen sich alle verdammt gut am Herd! Chapeau!
Mit Erde brennt wird es noch einmal sehr eindringlich und dramatisch – die Ausbeutung unseres Planeten kommt textlich super rüber (du erntest, was du säst!), hier hat man sich echt Gedanken gemacht und auch stimmlich hält Jess die gesamte Zeit den Dampf auf dem Kessel.
Längst kocht die Küche über, die begeisterten Testesser stampfen und bangen auf dem jahrhundertealten Fußboden, dass der sich an die Kreuzritter erinnert fühlt. Nach einer guten Stunde setzen Act of Creation noch ein Letztes drauf und drücken mit Dunkle Schatten die Schnellkochplatte! Nach dem letzten Akkord, fällt das geneigte Publikum erschöpft in sich zusammen, wie ein Soufflé. Das war tatsächlich „Kitchen Impossible“ und muss dringend mit Bier abgelöscht werden.

Fazit: Beide Bands waren super an Grill und allen Töpfen – das war Kochkunst auf hohem Niveau.
Ich bewerte das Ganze mit 8 Bängs – Höchstnote nur deshalb nicht, weil bei beiden Kochtrupps noch etwas Luft nach oben ist und die Akustik natürlich nicht optimal war (und aufgrund der Gegebenheiten nicht sein konnte).
Danke an den VEREIN – super Organisation, tolles Event – für 2020 ein MUSS!

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Katja

Katja

Ich heiße Katja, gestählt vom Leben und der unsäglichen Musik der 90er Jahre. Seit etwas über 1 Jahr begeistertes Mitglied bei Heavy Metal Fans und ebenso begeisterte Vinylsammlerin. Musikmässig mag ich vor allem guten alten Hard Rock wie Def Leppard & Co - und im Heavy Metal alles, was mich spontan klatschen und Mitsingen lässt.

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