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Equilibrium – Renegades – Ein Fall für Zwei – Plus/Minus – Album Review

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Equilibrium- Renegades- Ein verlorenes Album- Album Review

Equilibrium sind in der Metalszene keine Unbekannten mehr und sind für ihre sehr guten und energiegeladenen Liveshows bekannt. Einen großen Beitrag zur Popularität hat dabei sicher auch der markante Frontsänger Robert Martin Dahn, besser als Robse bekannt, der mit seinen Ansagen unerreicht bleibt. In Erscheinung traten Equilibrium als Pagan Metaller und schrieben in der Zeit starke und eingängige Songs wie Der Ewige Sieg, Blut Im Auge oder Met. Besonders genial fand ich zu der Zeit auch den 16 Minuten Instrumental Mana. Ab dem 2014er Album Erdentempel begann man in die sozialkritische Richtung zu gehen und den schlechten Umgang der Menschen mit der Erde anzusprechen., was man mit teils sehr starkenSongs wie Apocalypse und Final Destination tat. Auf Erdentempel gab es im Kontrast aber noch den Wirtshausgaudi, was zu einer Distanzierung von solchem Party-Material vor dem Album Armageddon geführt hat und Rene Berthiaume wollte die Band als ernsthaft darstellen, schrieb aber auch Born To Be Epic. Der Ernsthafte Weg soll auf dem am 23.08. erscheinenden Album Renegades fortgesetzt werden.

Das neue Album beginnt ohne Intro direkt mit dem Opener und Titletrack Renegades-A Lost Generation. Das Lied geht nach kurzem Klavier und Keybooard Auftakt ziemlich direkt los und bleibt vor der Strophe verhältnismäßig elektronisch. Der Song zieht sich weiter im mid-Tempo bis zu einem echt eingängigen Refrain. Der musikalische Leadteil ist keyboaoardbetont und der Song klingt am Ende ruhig auf. Renegades ist als erste Singleauskopplung zwar kein Highlight der Bandgeschichte gewesen, hat aber einen guten Song geboten. Tornado hat irgendetwas Party-mäßiges, was sicher auf diesen Keyboard Sound zurückzuführen ist. In der Strophe setzt man auf eine Art Flüsterstimme bis im Refrain der neue Zweitsänger Skal das erste Mal zum Einsatz kommt. So dominant cleane Vocals bei Equilibrium erscheinen mir zumindest erstmal ungewohnt. An sich habe ich dagegen nichts, denn auch geniale Bands wie Ghost Brigade oder Amorphis arbeiten sowohl mit clenen Vocals, als auch mit Growl. Gesanglich finde ich ihn gut, ohne das er jetzt das Goldkehlchen des Jahrhunderts wird. Positiv an dem Song finde ich den Gitarrenlead.

Der nächste Song Himmel und Feuer ist der einzige deutschsprachige Titel auf dem Album, was den Weg von Armageddon hin zum Englischen fortführt und mir nicht so ganz gefällt. Als ich das erste Mal den Refrain gehört habe, musste ich einfach lachen, denn diese Melodie klingt wie von einer Kinderspielshow, wo sich am Ende alle Freuen dabei gewesen zu sein und fröhlich in die Kamera winken. Die Melodie von Path Of Destiny hat so einen leichten arabischen Touch und in der Strophe darf sich Robse im Sprechgesang zeigen und Robse als Rapper ist für mich einfach eine verdammt epische Vorstellung. Der Song bietet im Kontrast dazu einen cleanen Refrain und lässt im musikalischen Teil Coredrumming erkennen. Gegen Ende kommen dann noch die Gastkünstler des Songs zum Zuge: The Butcher Sisters, welche einen Crossover der 90er zwischen Hip Hop und Hardcore spielen, rappen einfach mal gemütlich ein Ründchen. Man kann von mir aus wahnsinnig gerne Einflüsse aus anderen Genren einbringen, aber ich glaube ich wollte nie einen Rapper bei Equilibrium hören und es hat mir auch einfach nicht gefallen.

Moonlight kommt darauf mit klassischer Bombast Melodie daher, bis wir eine Strophe haben in der Robse singt und darauf ein schnelles Riff kommt. Nach einem Flüster-pre-Chorus kommen wir wieder zu einem cleanen Refrain und der Erkenntnis, dass Fire auf Desire zu reimen, für mich genau so genial, wie der Reim von Herz auf Schmerz ist. Sonst greift der Song viele Standardelemente aus dem Voralbum auf. Mit Kawaakari- The Periphery Of The Mind wird es dann einfach brutalst corig. Von der Strophe, über den cleanen Refrain, das Coregestampfe bis hin zu einigen Whitechapel-Elementen geht der Song in eine ganz andere Richtung als der Uhrsprung der Band und ist nicht das was ich auf diesem Album hören möchte. Da kann ich mir doch gleich Eskimo Callboys, Caliban und Co geben. Final Tear hat danach einen schönen düsteren und melancholischen Aufbau, bis der Blast Beat ausgepackt wird. Im hinteren Teil gibt es noch einen schönen Moment um die Matte kreisen zu lassen. Ich frage mich aber warum Robse das letzte Wort des Pherses so lange zieht und woher mir der Refrain bekannt vorkommt. Der Hype Train kommt ordentlich stampfend daher und ich sehe maschierende Go-Go-Tänzer vor mir. Hier setzt man auch auf einen cleanen Refrain und hat sich dafür mit Julie Elven sogar eine Gastsängerin besorgt. Sie hat vermehrt schon mit Orchestern auftreten dürfen und dürfte einigen stimmlich aus Computerspielen wie Tomb Rider- The Dark Angel oder World of Warcraft bekannt vorkommen. Ich finde irgendwie das ihrer hohen und popig bearbeiteten Stimme eine Art Fremdkörper bildet. Auch klingt die Melodie einfach teilweise so brutalst popig.

Zu guter Letzt gibt es den Rising Phoenix. Das Lied wird klassisch mit ruhigen Keys und langsam einsetzenden Schlagzeug aufgebaut, bis man wie teilweise im Black Metal die atmosphärische Melodie auf einen Blast Beat setzt. Wir haben hier wieder eine gegrowlte Strophe und einen cleanen Refrain. Der Song wird am Ende lange ausklingen gelassen und zählt noch zu einen der besseren.

Albumfazit: Wir regen uns ja immer auf, dass manche Bands sich nicht weiterentwickeln. Diesen Fehler machen Equilibrium hier schonmal nicht. Aber Veränderung muss einen gefallen und da kommt mir doch der Vergleich zu In Flames ganz gelegen. Während ich die alten Alben stark fand, sind mir die neuen Alben bei den Schweden teilweise ein echter Dorn im Ohr. So Einflüsse wie Rapper sind einfach nicht meins und auch die zweite Gastsängerin passt mir einfach nicht zur Band. Ebenfalls der Core Song Kawaaki passt mir nicht zur Band. Ebenso haben nahezu alle Titel diesen Standardaufbau aus Strophe, Refrain, Strophe, Rafrain, musikalischer Teil, Refrain, evtl Ausklang und es wirkt teilweise einfach alles zu sehr geplant und nicht in einem klassischen Musikalischen Schaffungsprozess geschrieben. Der Sound ist mir teilweise zu Keyboardlastig und die Drums zu unnatürlich. Equilibrium liefern hier für mich die bisherige Enttäuschung des Jahres und bleibt hoffentlich eine sehr gute Live Band. Mehr als 3,5 Bangs kann ich mir bei einer Final Tear hierfür nicht aus dem kreuz leiern.

 

Und hier ist das Review von Karina zu Equilibrium – Renegades

Renegades – zu deutsch Abtrünnige heißt das neue Album von Equilibrium, das am 23.08.2019 erscheint. Fans der Band müssen jetzt ganz stark sein, denn die Band hat diesen Titel wohl nicht zufällig gewählt. Sie haben sich weiterentwickelt, ohne dabei ihren Wiedererkennungswert zu verlieren. Ich vermute aber stark, das nicht jedem der neue Stil gefallen wird. Während man anderen Bands aber übel nimmt, ihrem Konzept gnadenlos treu zu bleiben und diese Erfolgswelle bis zum bitteren Ende tot zu reiten, wirft man den bayrischen Epic Metalern genau diesen stetigen Mut zur Veränderung nun vor. Um es vorweg zu nehmen: Mir persönlich gefällt das neue Album ausgesprochen gut und ich freue mich auf die kommenden Live Gigs. Ihr Auftritt beim diesjährigen Wacken Open Air war, obwohl er zu „nachtschlafender“ Zeit um 11.00 Uhr morgens stattfand, einer meiner Festival Highlights 2019!
Equilibrium vereint im neuen Album viel Neues. Es gibt auch zwei neue Gesichter in der Band: Martin „Skar“ Berger Enerstvest aus Norwegen, verantwortlich für Bass und den Klargesang, sowie Skadi Rosehurst, die Equilibrium nicht nur am Keyboard und Synthesizer, sondern auch optisch unterstützt.
Das bei Nuclear Blast Records erscheinende, sechste Studioalbum der Band hat eine Gesamtspieldauer von 42:28 Minuten, die sich auf 9 Stücke aufteilen. Inhaltlich geht es um Ängste, Wünsche, Erinnerungen – um Veränderung, Abschied und Loslassen. Bandgründer René Berthiaume: „Ich würde nie einen Song schreiben, nur um anderen zu gefallen. Stillstand wäre für uns der innere Tod – und wenn die Fans diesen Weg mit uns gehen, freut uns das um so mehr.“

Der Titeltrack Renegades – A Lost Generation, beginnt ruhig, gibt aber schnell ordentlich Gas. Robse ist in bester Growl-Laune, der Song wird brutal und roh – Headbanger-Alarm gleich zu Beginn!
Tornado kommt fast hymnisch daher mit Growl und Klargesang im Wechsel, dadurch sehr gefällig.
Himmel und Feuer, Gute Laune Nummer mit Pagan Elementen, die uns irgendwie an die Titelmelodie einer Kinderserie erinnert – wir wissen aber noch nicht welche. Bleibt im Ohr.

Path of Destiny harte, druckvolle Crossover-Nummer mit relaxtem Refrain. Leider mit Rap Part der Rapcore-Grobianten Butcher Sisters. Ohne hätte mir der Song auch gefallen.
Moonlight, dunkle Growls kombiniert mit hellem Klargesang. Ähnlich wie schon bei Tornado bremst der Klargesang die Härte des Songs aus. Vom Headbang-ohne Umweg in den Schunkel-Modus. Gewöhnungsbedürftig – aber nach mehrmaligem Hören gar nicht schlecht.

Kawaakari – The Periphery Of The Mind, schneller Song mit hartem Growl und etwas dämpfenden Clear Vocals. Ein gelungener Kompromiss aus altem und neuen Stil.
Final Tear, hart, zornig, ultraschnell und kompromisslos!
Hype Train feat. Julie Elven, kommt schwungvoll und tanzbar, durch den Gesangspart von Julie Elven aber leider fast schon kommerziell daher.

Renegades erreicht mit Rise Of The Phoenix ein würdiges (7 Minuten dauerndes) episches Finale.

Anspieltipps: Renegades – A Lost Generation, Final Tear, Himmel und Feuer, Kawaakari – The Periphery Of The Mind

Lineup:

René Berthiaume/Gitarre
Robert „Robse“ Dahn/Vocals
Martin „Skar“ Berger Enerstvest/Clear Vocals
Skadi Rosehurst/Synths
Dom R. Crey/Gitarre
Tuval „Hati“ Refaeli/Schlagzeug

Equilibrium Online:
https://equilibrium-metal.net/band/
www.nuclearlast.de/equilibrium

https://de-de.facebook.com/euquilibrium

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Lennart

Lennart

erst 19, dafür seit dem 6. Lebensjahr vom Heavy Metal mit nahezu all seinen Subgenres in Gefangenschaft genommen und dabei sehr oft auf Konzerten und Festivals unterwegs.

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