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Die Veranstalter vom Schalldruck Festival München im Interview – mit Roland Lorenz – „Auf a Bier bei mir“

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Ich sitze heute mit Harry Krause, Bandleader und Gitarrist der Hard Rock and Heavy Metal Formation „Glory Daze“ und Christian Löbering, Gitarrist bei der Metal Band „I Set Fire“ aus München zusammen, um etwas mehr über das Schalldruck Festival zu erfahren.

Roland (Rockmagazine): Was unterscheidet das Schalldruck Festival von anderen Veranstaltungen?

Christian: Das Schalldruck Festival ist ein gemeinnütziges Festival, ein Festival von Musikern für Musiker und deren Fans. Wir wollen dabei nichts verdienen. Wir wollen eine tolle Location, eine tolle Bühne und einen tollen Abend für die Bands und deren Fans schaffen. Wir machen das aus dem Antrieb heraus, dass wir zunächst erst mal selbst gemerkt haben wie schwer es ist gute Locations, gute Bühnen, gute Gigs zu bekommen. Ziel ist es eben auch den regionalen Rock- und Metal-Underground zu fördern und eine Plattform zu bieten wo sich die Bands einfach mal präsentieren können ohne „pay to play“, also ohne dass wir wirtschaftliche Interessen haben.

Zur Vorgeschichte kann man sagen, dass sich am Anfang einige Bands zusammengefunden haben um gemeinsam ein Sampler-Album zu produzieren. Leider gab es Probleme mit dem Produzenten, der sich unschön aus dem Projekt verabschiedet hatte. Wir saßen damals in der Nachtkantine zusammen und hatten beschlossen, da wir uns schon mal kennengelernt hatten, lass uns doch gemeinsam ein Festival auf die Beine zu stellen. Letztendlich blieben danach noch ca. 10 Leute übrig die Lust hatten das längerfristig zu machen. Jetzt sind wir eine kleine aber ambitionierte Gruppe. Die Hauptlast trägt allerdings inzwischen der Harry.

Wild Shift – Schalldruck Festival „Heavy Winterstorm“ Februar 2018

Harry: Für mich ist sehr wichtig, dass es ein familiäres Fest ist. Es gibt bei uns nicht die Trennung zwischen Musikern, Veranstaltern und Publikum. Wir haben auch viele Musiker zu Besuch bei unseren Festivals, die schon mal bei uns gespielt haben. Alle begegnen sich auf Augenhöhe. Wir Musiker wissen genau wie wir uns ein gutes Festival vorstellen, und dass was wir anderswo nicht gefunden haben machen wir jetzt halt selber. Dabei ist auch die richtige Auswahl der Bands wichtig. Wir wollen keine zickigen Bands mit komischen Vorstellungen haben. Es sollen auch unbekannte Bands die Chance haben sich die Bühne mit bekannteren Bands zu teilen, von deren Fans im Publikum mit zu profitieren, um in einer professionell gestalteten Umgebung bekannter zu werden. Für ganz viele junge Bands war das ein Sprungbrett. Der Veranstaltungsort, das „Feierwerk“, ist ja im Münchner Raum nicht unbekannt und auch das „Schalldruck Festival“ hat sich inzwischen einen Namen gemacht. Wenn man da in seiner Agenda schreiben kann dass man dort schon gespielt hat ist das schon ein gewisses Qualitätsmerkmal das andere Veranstalter auch sehen. Wir können keine Gagen zahlen, das eingenommene Geld reicht meistens gerade um die Kosten zu decken. Wir wollen nichts an unseren Festivals verdienen, und die Bands akzeptieren das. Fast alle melden sich früher oder später wieder und würden gerne wieder bei uns spielen. Es gibt leider immer wieder mal die Diskussion, wir würden den Bands nichts zahlen um uns die Taschen zu füllen, dem ist aber überhaupt nicht so. Wir erklären deshalb online und in Flyern unser Konzept, und jeder der auch nur etwas Ahnung hat was die Organisation und Durchführung so eines Festivals kostet wird zu dem Schluss kommen dass man froh sein muss wenn am Ende alle Kosten gedeckt sind. Wir selbst arbeiten alle kostenlos.

Roland (Rockmagazine): Das Festival gibt es ja mittlerweile schon seit einigen Jahren. Was lässt euch immer wieder weitermachen?

Christian: Genau seit acht Jahren, und das ist jetzt schon das 19. Festival das wir organisieren. Wir haben verschiedene Konzepte durchprobiert. Es fing an mit einem „Heavy Summebreak“ dann ein „Heavy Winterstorm“, ein „Heavy Fallout“ usw. Früher hatten wir die Festivals noch stark an die Jahreszeiten gebunden. Heute gibt es das Schalldruck Festival noch zweimal im Jahr mit  dem „Heavy Winterstorm Festival“ (meist März/April) und dem „Heavy Fallout Festival“ (Oktober) mit getrennten Stilrichtungen.

Sara Sucks – Schalldruck Festival „Heavy Winterstorm“ Februar 2018

Harry: Wir haben gemerkt dass sich das jüngere Publikum durchaus auch für die Classic Rock Songs begeistern kann, umgekehrt tun sich aber die Älteren manchmal etwas schwer mit Growlern, Shoutern und Screamern. Im Herbst machen wir deshalb jetzt schwerpunktmässig immer die modernen Metal-Genres und im Frühjahr mehr Hardrock und Classic Heavy Metal mit cleanem Gesang.

Roland (Rockmagazine): Was sind die Voraussetzungen die eine Band mitbringen muss um sich bei euch zu bewerben?

Harry: Die Bewerbungen laufen über unsere Homepage (www.schalldruck-ev.de).  Ein Video auf youtube oder Facebook ist inzwischen immer wichtiger geworden. Wir wollen natürlich sehen wie sich die Band live präsentiert. Eine reine Musikaufnahme kann man so lange bearbeiten bis auch der letzte Fehler ausgemerzt ist, bei einem Live Video sehen wir die Band wie sie wirklich auf der Bühne abgeht. Hier auch mein Rat an junge Bands: Schaut dass ihr früh ein vernünftiges Live Video habt, das ist es was sich ein Veranstalter als erstes anschaut. Dann muss natürlich die Musikrichtung zu unserem Festival passen, also von Hard Rock bis Metal mit allen Richtungen. Ausnahmen sind eigentlich nur Black Metal und Punk. Nicht das wir diese Musik grundsätzlich ablehnen, aber beide Richtungen haben ein eher spezielles Publikum das sich nicht so gut mit anderen Stilrichtungen mischen lässt. Dann sollten sie auch aus der Umgebung kommen. Wir sind darauf angewiesen, dass alle Bands Fans mitbringen. Wir sind als Festival nicht bekannt genug dass die Leute einfach so kommen um mal zu schauen wer da so spielt. 90% des Publikums sind Fans die von den Bands mobilisiert worden sind, und wenn wir eine Band von weiter weg oder sogar aus dem Ausland bei uns spielen lassen können die kaum Fans mitbringen. Natürlich kann es da auch Ausnahmen geben, aber die können wir uns wirklich nur in seltenen Fällen leisten.

Roland (Rockmagazine): Was ist der Nutzen für die Bands wenn sie bei euch spielen?

Harry: Da gibt es einige Punkte. Zunächst einmal lernen sich die Bands gegenseitig kennen und können so z.B. einmal gemeinsam eine Veranstaltung organisieren. Es ist oft einfacher selbst etwas zu organisieren, als zu versuchen einen Veranstalter zu finden. Die meisten Besucher wollen ja auf einer Veranstaltung nicht nur den ganzen Abend eine einzige Band hören, sondern lieber 2-3 Bands mit ähnlicher Stilrichtung.

Glory Daze – Schalldruck Festival „Heavy Winterstorm“ Februar 2018

Christian: Es ist ja auch so, dass die Bands an diesem Abend nicht nur vor ihrem eigenen Publikum spielen, sondern auch vor den Fans der anderen Bands. Da passiert es sehr oft dass die Gruppen viele neue Fans dazu gewinnen können. Dadurch dass wir an den beiden Festivals Bands mit ähnlicher Stilrichtung auswählen ist ist es auch wahrscheinlich dass dem Publikum mehrere Bands gefallen.

Das verhilft den Gruppen natürlich zu einer viel breiteren Fanbasis als wenn sie immer nur vor ihren eigenen Fans spielen würden.

Harry: Dazu kommt noch dass sich die Bands in einem professionellen Rahmen, in einer schönen Location mit großer Bühne, gutem Sound und Licht präsentieren können. Wir haben auch einen großen Backstage-Bereich, obwohl wir den Bands immer nahe legen: Geht raus, mischt euch unter’s Publikum und redet mit den Leuten. Die Bands haben auch die Möglichkeit Merch-Artikel anzubieten, die wir ohne Abzüge an unserem Stand für sie verkaufen. Sie bekommen Bilder von ihrem Auftritt und meistens auch eine Audio- und Videoaufzeichnung.

Roland (Rockmagazine): Das ist doch eine ganze Menge. Ich denke es würde unsere Leser auch mal interessieren was so alles im Hintergrund zu organisieren ist um so ein Festival auf die Beine zu stellen.

Christian: Da kann Harry sicher mehr dazu sagen, aber allein um die Halle an einem Samstag zu bekommen muss sie schon mindesten ein Jahr vorher gebucht werden.

Harry: Zum Glück haben wir inzwischen aber ein sehr gutes Verhältnis zum Feierwerk, das ja auch ein gemeinnütziger Verein ist. Diesen Vertrauensvorschuss muss man sich allerdings erst einmal erarbeiten. Am Anfang waren sie noch sehr skeptisch, weil von unserer Seite keiner Erfahrungen mit so einem Festival hatte. Es ist sehr viel Organisation notwendig, da wir die gesamte „Backline“ stellen und es dabei schaffen die Umbauphasen auf 5-10 Minuten zu beschränken. Da sind natürlich sehr viele Absprachen im Vorfeld notwendig bis hin zu der Tatsache, dass wir uns Linkshänder bei den Drums eigentlich nicht leisten können, weil es die Umbaupausen drastisch verlängern würde. Dann müssen wir uns natürlich vorher durch die vielen Bandbewerbungen durcharbeiten, Termine abklären und sicher stellen dass die ausgewählten Bands auch Zeit haben. Die Bandlogos müssen für den Beamer angepasst werden, Flyer erstellt und entsprechende Werbung über die heute üblichen Kanäle wie Facebook usw. gemacht werden. Beim Festival gibt es einen Hallenmeister der nach dem Rechten sieht und auch einen Security-Mann. Es gibt halt etliche Auflagen die wir beachten müssen. Dann noch Catering für die Bands und einen „Food Truck“ für die Besucher. Das alles summiert sich natürlich am Ende, aber mit der Zeit bekommt man da auch eine gewisse Routine.

Roland (Rockmagazine): Bekommt ihr irgendwelche Zuschüsse oder Fördergelder?

Since April – Schalldruck Festival „Heavy Winterstorm“ Februar 2018

Christian: Zunächst haben wir dem Projekt einen formellen Rahmen gegeben und den gemeinnützigen Verein „Schalldruck e.V.“ gegründet. Das Problem mit Fördergeldern ist immer dass dir dann halt auch viele Leute reinreden was du zu machen hast, und das passt nicht mit unserem Konzept zusammen. Alles Geld welches wir erwirtschaften fließt zu 100% in die Festivals, von uns bekommt und will auch keiner nur einen Cent davon.

Roland (Rockmagazine): Ich denke, jetzt haben wir doch einiges über diese Festival erfahren. Was wollt ihr den Lesern am Schluss noch mit auf den Weg geben?

Christian: Unser Ziel ist es dass das Schalldruck Festival für das Gefühl steht „da kann ich immer hingehen, da bin ich immer gut aufgehoben, da treffe ich immer nette Leute, da hab ich auf jeden Fall immer einen coolen Abend, egal ob ich dort spiele oder Besucher bin“. Ein familiäres Fest, wie der Harry schon gesagt hat, von Musikern für Musiker und deren Fans.

Harry: Was ich mich selber immer wieder frage: Warum mach ich mir die ganze Arbeit? Die Frage kommt jedes mal in den letzten Wochen vor dem Festival auf, wenn sich die Termine drängen, gleichzeitig noch Stress in der Arbeit ist und auch die Familie gepflegt werden muss. Die Antwort bekomme ich dann immer während des Festival-Abends wenn ich das Feedback von den Leuten bekomme. „Das war ein super Abend“, „Wir hatten selten so einen geilen Gig“, „Der Sound und die Stimmung, alles war perfekt“. Dann weiß ich dass die ganze Arbeit sich gelohnt hat. Wenn sich nicht immer wieder ein paar Leute finden die aus Idealismus und Spaß etwas tun, einfach weil sie etwas bewirken wollen, wird auch nichts funktionieren.

Splicer – Schalldruck Festival „Heavy Winterstorm“ Februar 2018

Roland (Rockmagazine): Das war ein schönes Schlusswort. Harry und Christian, vielen Dank dass ihr euch die Zeit für dieses Interview genommen habt. 

Und jetzt an alle die dieses Interview gelesen haben und aus dem Münchner Raum kommen: Unterstützt das Schalldruck Festival, sagt es weiter und lasst euch diesen Abend nicht entgehen. Für 10€ bekommt ihr 8 Bands in einer super Location, mit Musikern die darauf brennen ihre Musik zu präsentieren und neue Fans zu gewinnen. Nicht zuletzt kommt auch um den Organisatoren, die viele Stunden unentgeltlich dafür geopfert haben um den Musikern und der Szene eine professionelle Plattform zu bieten, das Gefühl zu geben, dass ihre Arbeit zwar unbezahlt aber nicht umsonst war.

Harry: Gerne, und auch vielen Dank von uns an Dich und das ganze Team vom Rockmagazine. Ihr macht hervorragende Arbeit für die Musikszene!

Roland Lorenz für rockmagazine.net

Info zum Schalldruck Festival:

www.schalldruck-ev.de

FB: www.facebook.com/schalldruck

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Roland

Roland

Der Profi Fotograf aus Bayern. Fotoreportagen und Interviews mit Bands sind seine Leidenschaft. Unser Experte für Female Fronted, Glamrock, Capri Sonne und Bands mit seltsamen Namen.

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