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Against Evil – Ein Traum wird Realität – HMF Festival Oberhausen – Tour Report

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Die Geschichte der indischen Heavy Metal Band Against Evil wurde hier bei Rock Magazine schon mehrmals aufgegriffen. Nachdem Martin Rosemann die Band auf You Tube für sich entdeckt hatte und sie seinem Freund Oliver Rix bei Doc Gator Records vorstellte, wurde das 2018 in Indien veröffentlichte Album „All Hail The King“ – erweitert mit den Songs der Debüt EP „Fatal Assault“  für den europäischen Markt vom schweizer Label auf CD lizensiert und zusätzlich eine limitierte Vinylpressung des Albums aufgelegt. In der Facebook Gruppe Heavy Metal Fans begeisterte das Album danach große Teile der Mitglieder, so dass die utopische Idee entstand: „Was wäre, wenn man die Band zum jährlichen Gruppentreffen nach Deutschland holen könnte….“ Eine Spendenaktion – Projekt Curry genannt – wurde daraufhin ins Leben gerufen, bei der unzählige Schallplatten, T-Shirts, CDs oder andere Devotionalien untereinander versteigert wurden. Nicht zuletzt ein Akustik Konzert im heimischen Wohnzimmer, aber dazu später mehr…

Das anfänglich für unmöglich Gehaltene wurde Monate später Realität und die vier Metalheads aus Indien ließen ihre Familien und ihre Heimatstadt Visakhapatnam für 9 Wochen hinter sich, um ihren Traum vom Rockstarleben auf dem europäischen Kontinent zu erfüllen. 17 Konzerte in diversen Clubs, auf Festivals und Stadtfesten in Deutschland, Österreich, Belgien und der Schweiz, plus einige spontane Akustikauftritte konnten organisiert werden.

Mein erstes Treffen mit der Band führte mich am 15. August in das für mich nahe gelegene mittelhessische Marburg, wo im Club Szenario das einzige Konzert, welches nicht von den Heavy Metal Fans organisiert wurde, sondern von der Bifroest Kulturförderung e.V. Marburg. Dort besteht seit einigen Jahren eine enge Freundschaft mit den indischen Thrashern Kryptos. Diese luden die Marburger Band Unwhole 2015 ein, auf dem Bangalore Festival in Indien zu spielen. Bei einem Besuch des Metal Battle im Vapour Club lernten sie Siri (Bass/Vocals Against Evil) kennen, und eine Freundschaft entstand. Als die Tour für Against Evil konkrete Formen annahm, wurde der Kontakt zu Oliver Rix hergestellt.

Donnerstag 15.08.2019 Szenario Marburg.

Schon als ich den Club betrat, in dem sich auf engem Raum zahlreiche Metalfans tummelten, entdeckte ich die beiden Gitarristen Sravan und Shasank an der Theke. Sofort wurde ich von den Beiden herzlichst begrüßt und ein erstes interessantes Gespräch kam zustande. Wenig später stießen noch Sänger Siri und Schlagzeuger Noble John dazu, und ich war gleich von der offenen, herzlichen Art der vier Jungs begeistert. Als zusätzliches Highlight besuchte auch Oliver Rix von Doc Gator Records aus der Schweiz, auch Administrator der HMF Gruppe, den Auftritt in Marburg. Die als Opener für diesen Abend angedachten Death/Thrasher Asenblut mussten kurzfristig absagen, dafür sprangen die Dillenburger obscure-/Stoner-/Doomrocker Blackbeard Wizard ein und wussten auf der engen Bühne die Zuschauer mit ihrem zähen, aber ungemein heavy Sound in der Schnittmenge von Crowbar oder Down zu unterhalten.

Nach kurzer Umbaupause eröffneten Against Evil mit „The Army of Four“ ihren Set und mussten zuerst ein wenig um die volle Aufmerksamkeit der Zuschauer kämpfen. Mich hatten sie allerdings recht schnell mit ihrer authentischen Bühnenpräsenz mitgenommen, und Live kommen Songs wie „Stand Up And Fight“, „All Hail The King“ oder das thrashige „Sentenced To Death“ eine ganze Kante heavier als auf Konserve rüber. Dafür sorgte alleine schon Schlagzeuger Noble John, der sein Instrument nach Strich und Faden vermöbelte! Das Gitarrenspiel von Shasank und die Wechselgesänge von Siri und Rhythmusgitarrist Sravan, der auch Teile der Leadvocals übernimmt, saßen perfekt und machten klar, dass die Jungs keine Anfänger sind und ihre Instrument perfekt beherrschen. Die positive Stimmung schwappte schnell über und der Wunsch einer Zugabe wurde mit „Bad Luck“ erfüllt. Nach dem mitreißenden Auftritt fanden das Vinyl, CDs und vor allen die Tourshirts am Merchstand regen Absatz. Die Jungs waren weiterhin erfrischend offen für jedes Gespräch und kamen extrem sympatisch rüber.

Sonntag 18.08. 2019 Wohnzimmer-Akustik-Konzert. 

Ein besonderes Schmankerl der Tour war auch eine Reihe Akustik-Konzerte der Band. Neben den Auftritten in Essen – Yeah Records, standen auch  Hamburg – Plattenkiste und Basel – Markthalle auf dem offiziellen Spielplan. Ein besonderes Event sollte aber das Wohnzimmerkonzert werden, das im Rahmen der Curry Auktion ersteigert werden konnte. Diese Gelegenheit ließen sich Katja und Alex aus der Heavy Metal Fan Gruppe nicht entgehen und zogen sich das Ereignis gemeinsam an Land. Ich hatte einen zusätzlichen Gästeplatz ersteigert und durfte mit meiner Frau ebenfalls daran teilnehmen. Nach Essen war dies der zweite Akustik Auftritt von Against Evil überhaupt und die Band dadurch doch einigermaßen nervös. Aber Katja hatte den Auftritt bestens vorbreitet und mit Hilfe von Nachbar Jürgen mit seiner Verstärkeranlage gute Bedingungen für den Auftritt geschaffen. In lockerer Atmosphäre wurden „Stand Up And Fight“, „Mean Machine“ und „All Hail The King“ neben Coverversionen von Judas Priest – „Braking The Law“ und Dio„Rainbow In The Dark“, auch „War Hero“, „Bulletproof“ und „The Enemy Within“ von der Debüt EP in starken akustischen Versionen zum Besten gegeben. Die Band hatte sichtlich Spaß beim spontanen Cajon-Battle zwischen Katja und Schlagzeuger Noble John. Nachbar Jürgen war ebenfalls mit dem Cajon vertraut und lieferte sich eine heiße Schlacht mit dem stets über beide Ohren grinsenden Against Evil-Wirbelwind. Zum Abschluss wurde noch ein „Happy Birthday“ für Katja angestimmt, um danach in gemütlicher Runde mit den Jungs sprechen und jede Menge Fotos und allerlei Unsinn machen zu können. Ein unvergesslicher Abend, bei dem mir und vielen anderen aus der Runde die Band weiter ans Herz gewachsen ist. Besonders Alex, der mit seinem Vater Marc schon beim Turock Festival mit dabei war und eigentlich mit Heavy Metal so gar nicht recht etwas anfangen kann, war die Freude am Auftritt buchstäblich ins Gesicht geschrieben.

Alle Fotos von Katjas Wohnzimmerkonzert wurden freundlicherweise von Arnd Rothkamp zur Verfügung gestellt.

Samstag 07.09.2019 HMF Treffen Crowded House Oberhausen.

Im Rahmen des alljährlichen Gruppentreffens der Faceboock Gruppe Heavy Metal Fans kam es dann dann zum großen Zusammentreffen in Oberhausen. Die meisten der hier Anwesenden hatten sich maßgeblich an dem Projekt Curry beteiligt und die Konzerte der Band ausgiebig supported. Hier im Crowded House in Oberhausen konnte man sich in Gesprächen untereinander ausführlich ausgetauschen. Zudem war eine Reihe von weiteren Konzerten für dieses Treffen anberaumt. Als besonderes Leckerli stellte Thomas Winter (ex Aeonblack) in einem Pre-listening das kommende Album seiner neuen Band Veritates vor, bei dem u.a. auch Wolfen Frontmann Andreas v. Lipinski involviert ist. Da wartet ein echter Kracher auf euch, der hier noch bei Rockmagazine ausführlich vorgestellt wird.

Die Paderborner Reinforcer machten den Anfang und kamen mit ihrem Power Metal beim neugierigen Publikum gut an. Vor allem Sänger Logan Lexi hat die Posen eines großen Sängers schon drauf! Die Band stellte ihr Debütalbum „The Wanderer“ komplett vor, welches letztes Jahr auf Vinyl bei Doc Gator Records veröffentlicht wurde.

Als zweiter Act bestiegen Phönix Rising um HMF Gruppenmitglied und Sänger Ralf Riebatzki die Bühnenbretter. Die Band ist immerhin seit 1998 aktiv und weiß, wie man sich die Aufmerksamkeit des Publikums holt. Der melodische Heavy Metal kam jedenfalls bei den anwesenden Fans gut an.

Neuigkeiten gab es aus dem Lager von MoDo zu vermelden. Da es Streitigkeiten über die Namensrechte mit dem italienischen Eurodance Projekt gab, welches 1994 mit Eins, zwei, Polizei…“ einen Hit landete, entschlossen sich die Musiker um Sängerin Jenny, Gitarrist Andy, Drummer Ronnie und Bassist Frank,vor dem Release des ersten Albums den Bandnamen in Ghosther zu ändern. An dem energiegeladenen Auftritt, der neben den bekannten Songs wie dem Titeltrack der „Departure“ EP und „Choices“ auch jede Menge neues Material wie „Breathing“,„Lonley Life“, „Tewnty“ und „Through Fire“ enthielt, änderte dieser Umstand jedenfalls nichts. Die Band wurde zurecht dafür abgefeiert. Wir sind auf das kommende Album gespannt, das noch 2019 erscheinen soll.

Dann war es Zeit für den heimlichen Headliner des Tages. So ziemlich jeder hatte heute Abend dem Auftritt von Against Evil entgegengefiebert. Dicht gedrängt standen die Fans der „Army Of Four“ am Bühnenrand und feierten Songs wie „Stand Up And Fight“, „Sentenced To Death“, „Gods Of Metal“.Man bemerkte die Entwicklung, die Against Evil seit Tourbeginn durch die Menge an Auftritten gemacht hat, sofort. Perfekt eingespielt wurden die Songs den begeisterten Fans entgegengeschleudert. Alex F. erklomm bei „All Hail The King“ die Bühne um, die Zeilen Run – Hide – Fight“ gemeinsam mit Siri ins Publikum zu schmettern. Beim Judas Priest-Gassenhauer „Breaking The Law“ stieß Martin Rosemann an der Gitarre dazu. Er hatte den Denkanstoß zum Projekt Curry gegeben und wurde mit diesem Auftritt als Höhepunkt belohnt. Auch die Administratoren und Mitorganisatoren der Heavy Metal Fangruppe wurden auf die Bühne geholt und für diese Ereignis mit Lob und allerlei Geschenken überschüttet.

Megora aus der Schweiz hatten danach die undankbare Aufgabe, vor einem nahezu leergefegten Saal auftreten zu müssen. Dem Herdentrieb folgend waren die meisten der Fans nach dem Auftritt von Against Evil zum Meinungsaustausch und der Getränke- und Nahrungsaufnahme ins Freie gestürzt. Dabei verpassten sie einen guten Auftritt der technisch versierten Thrasher, bei denen mit dem Tilteltrack vom noch aktuellen Album „Burning Empire“, „Born To Pay“ , „Moonstill Waters“ und „Neither Fish Nor Fool“ vom 94er Debüt auch zwei neue Nummern in Form von „Running Away“ und „I’m Broken“ vorgestellt wurden.

Auch der eigentliche Headliner Wolfen litt noch an der Massenflucht nach dem Against Evil Auftritt. Zwar hatten sich wieder deutlich mehr Fans in die Räumlichkeiten des Crowded House eingefunden, aber Sänger Andreas v. Lipinski äüßerte nach dem Auftritt darüber schon seinen Unmut. Trotzdem lieferten die Herren einen leidenschaftlichen Auftritt ab, der die Anwesenden zufrieden stimmte. Ob Songs vom aktuellen Album, wie dem Titeltrack „Rise Of The Lycans“, dem fetten Opener „Genetic Sleepers“ oder „New World Order“ als  Rausschmeißer, gepaart mit den Bandhymnen „Wolfen“ oder der deutschsprachigen Nummer „Schwarz“, legte die Band einen klasse Auftritt hin.

Ich musste mich leider nach diesem Samstagabend bei den Jungs von Against Evil schon verabschieden, die danach für weitere Auftritte Richtung Schweiz und Österreich unterwegs waren. Für mich gingen damit drei denkwürdige Konzerte mit Against Evil zu Ende, die viele neue Fans und Freunde auf dieser Konzertreise gefunden haben. Die vier Musiker wurden den Vorschusslorbeeren, die vorab verteilt wurden, mehr als gerecht. Ich hoffe, von den sympathischen Jungs in Zukunft noch viel zu hören und wünsche ihnen auch in der Heimat viel Erfolg.

Lest zu Against Evil auch den Bericht von meiner Kollegin Karina, die am 06.09.2019 in Köln beim Cologne Metal Meeting dabei war.

Cologne Metal Meeting – Wolfen, Against Evil und Shadowbane – 06.09.19, MTC Köln – Konzert Review

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Michael

Michael

Baujahr '67. Metalhead seit 1979. Musikalische Vorlieben: NWOBHM, Power Metal, Epic Metal, Bombast Metal, Doom, Melodic Death Metal, Alternative Rock, und alles dazwischen, Hauptsache es ist authentisch! Michael ist unser "wandelndes Musiklexikon". Es gibt nichts, was er nicht weiss. Wahrscheinlich sogar die Anzahl der Leberflecke von Elvis´ verstorbenen Zwillingsbruder Aaron!

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